Vorsorgevollmacht

1. Was ist eine Vorsorgevollmacht?:

Es ist die Bevollmächtigung einer oder mehrerer Vertrauenspersonen, die Sie ab einem bestimmten Zeitpunkt rechtlich vertreten und für Sie Entscheidungen treffen, z.B. wenn sie selbst dazu nicht mehr in der Lage sind, also ihre eigene Geschäftsfähigkeit verloren haben. Ihr Bevollmächtigter kümmert sich z.B um ihre Patientenverfügung und deren Umsetzung. Dies ist die wichtigste Person für den Lebensabschnitt, der nicht mehr selbstbestimmt gegangen werden kann und sie sollte entsprechend sorgfältig ausgesucht werden. Das Erteilen einer Vollmacht ist nicht nur im Rentenalter, sondern auch für junge Menschen sinnvoll.

  • Der Ehegatte oder die Kinder sind nicht automatisch bevollmächtigte gesetzliche Vertreter! Sie sind allenfalls Auskunftspersonen über den mutmaßlichen Willen des Patienten. Geburtsurkunde oder Trauschein sind keine Vollmacht. Nur Eltern minderjähriger Kinder sind gesetzliche Vertreter.
  • Sie sollten die/den von ihnen Bevollmächtigte/n vorher ansprechen, informieren und sein Einverständnis einholen. Die Vollmacht unterschreiben lassen und ihr/ihm das Original der Vollmacht übergeben. Mit dem Bevollmächtigten sollten sie  auch über eine erstellte Patientenverfügung reden. Bei Zweifeln an der Geschäftsfähigkeit, sollte die Vollmacht von einem Notar erstellt werden.
  • Die Vollmacht erlischt automatisch mit dem Tod, wenn nicht anders bestimmt. Eine Vollmacht sollte über den Tod hinaus erteilt werden, damit der Bevollmächtigte handlungsfähig bleibt, sie ersetzt aber nicht das Testament.
  • Vergessen sie nicht ihren Bevollmächtigten auch für ihren digitalen Nachlass eine Vollmacht über den Tod hinaus zu erteilen. Liegt keine Liste aller aktuellen Onlinekonten vor kann eine Firma bei der Suche helfen.
  • Wie eine Vollmacht auszuüben ist, ist – im Gegensatz zur Betreuung – nicht gesetzlich vorgeschrieben und wird auch nicht kontrolliert. Der Bevollmächtigte hat also freie Hand in der Ausübung der ihm übertragenen Aufgaben. Eine Vollmacht sollten sie daher nur jemandem erteilen, zu dem sie absolutes Vertrauen haben.
  • Sollte sich allerdings ein Bevollmächtigter nachweislich nicht an die Vorgaben des Patienten halten, kann jeder, der davon Kenntnis hat, bei Gericht die Einsetzung eines Kontrollbetreuers beantragen.
  • Wenn sie, aus welchen Gründen auch immer, auf eine gesetzliche Kontrolle und Überwachung wert legen, oder keine geeignete Person ihres Vertrauens für eine Vollmacht kennen, dann sollten sie eine Betreuungsverfügung verfassen. Eine solche können sie auch mit der Vorsorgevollmacht kombinieren.
  • Es ist ratsam für alle Bankkonten eine gesonderte Bank- und Depotvollmacht zu erstellen. Eine Generalvollmacht, auch für finanzielle Angelegenheiten, wird von vielen Banken nicht anerkannt. Entsprechende Formulare gibt es bei den Banken. Ehe- und Lebenspartner sollten sich gegenseitig eine wechselseitige Kontovollmacht ausstellen, damit jeder nach dem Tod des Partners sofort Zugriff auf das Konto hat.

2. Wie erstelle ich eine Vollmacht?

  • Sie können eine Vollmacht für alle Lebensbereiche (Generalvollmacht) erteilen, oder nur für bestimmte Bereiche, dann gilt die Vollmacht nur für die in ihr genannten Angelegenheiten, z.B.:Vermögensangelegenheiten, Verträge und Anträge, persönliche Angelegenheiten, Wohnungsangelegenheiten , freiheitsentziehende Maßnahmen, Gesundheits- und Behandlungsvorsorge.
  • Vollmacht kann auch nur für Teilbereiche erteilt werden und es können auch mehrere Personen für unterschiedliche Bereiche bevollmächtigt werden.
  • Eine Vorsorgevollmacht tritt erst ab einem bestimmten Zeitpunkt in Kraft. Es sollte daher eine Anweisungen zur Handhabung der Vollmacht enthalten sein, z.B. ab wann sie gültig ist.
  • Ausdrücklich erwähnt werden sollte, ob der Bevollmächtigte in Maßnahmen einwilligen darf, die evtl. zum Tod führen können, z.B. Einstellung der künstlichen Ernährung oder die Beendigung der maschinellen Beatmung . Sonst ist die Vollmacht für diesen entscheidenden Punkt wertlos.

Das Erstellen einer Vollmacht ist einfach und bedarf keiner besonderen juristischen Kenntnisse. Eine Vollmacht kann, muss aber nicht notariell beglaubigt werden. Sie kann bei der Bundesnotarkammer im  Vorsorgeregister  hinterlegt werden. Hier finden Sie den Download eines PDF  Musterformulars  des Bundesjustizministeriums für eine Vollmacht und Betreuungsverfügung. Weitere Formulare finden Sie im Internet unter den entsprechenden Links.

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