Patientenverfügung

Unsere Angst vor einem künstlich verlängerten Sterben

ist stärker als die Angst vor dem Ende.

Das qualvolle Leben entsetzt uns, nicht der Tod.

Bartholomäus Grill

Was ist eine Patientenverfügung ?

Man versteht darunter die schriftliche Abfassung einer Anweisung des bewusstseinsklaren, entscheidungsfähigen Patienten an die zukünftig behandelnden Ärzte, Bevollmächtigte und/oder Betreuer für den Fall, dass er sich selbst nicht mehr äußern kann. Laut Entscheid des BGH vom August 2016 muss eine Patientenverfügung konkret und aussagekräftig sein, um Gültigkeit zu haben. Die Abfassung einer Patientenverfügung ist eine sehr persönliche Angelegenheit und wird für jeden Menschen anders aussehen. Daher können hier nur allgemeine Hinweise zur Abfassung gegeben werden:

  • Fassen Sie Ihre Verfügung so individuell wie möglich ab. Äußern Sie sich zu Anlass und Zweck der Abfassung. Gehen Sie auf ihre Weltanschauung ein, benennen Sie ihre religiöse Bindung. Welche Einstellung haben Sie zum Tod? Möchten Sie so lange wie irgend möglich leben? Was verstehen sie unter einem lebenswerten Leben. Die Abfassung einer Patientenverfügung bietet die Chance, sich über die eigenen Vorstellungen  von Leben und Tod Gedanken zu machen.
  • Verwenden Sie keine vorgedruckten Formulare, die nur noch angekreuzt und unterschrieben werden müssen. Diese können nie Ihren persönlichen Willen zum Ausdruck bringen und sind rechtlich zweifelhaft. Verwenden sie Textbausteine und Fragebögen, wenn ihnen eigene Formulierungen schwer fallen. Vordrucke finden sie unter den Links
  • Formulieren Sie ihre Anweisungen so konkret wie möglich. Vermeiden Sie allgemeine Formulierungen, wie: „sollte ich in einen menschenunwürdigen Zustand geraten“, oder „wenn die Lage sinnlos ist“ oder bei “unerträglichem Leiden“ wünsche ich „keine sterbe verlängernden Maßnahmen“ .  Formulieren sie konkret, was für Sie ein menschenunwürdiger Zustand, ein unerträgliches Leiden ist. Schreiben Sie z.B. „sollte ich mich im Wachkoma befinden, möchte ich keine Ernährungssonde Sonde gelegt bekommen“, oder „..möchte ich, wenn keine Besserung erkennbar ist, das eine PEG Sonde nach drei Monaten entfernt wird“.
  • Geben Sie Anweisungen in welcher konkreten Situation welche ärztliche Maßnahmen durchgeführt oder unterlassen werden sollen (siehe unten).
  • In jedem Fall sollten sie sich in einer Patientenverfügung auch dazu äußern, ob und in welche Form sie sich Sterbehilfe am Ende des Lebens vorstellen können.
  • Besprechen sie die letzten beiden Punkte mit ihrem Hausarzt und lassen sich beraten und informieren. Das setzt allerdings auch einen informierten Arzt voraus.
  • Entbinden sie in ihrer Patientenverfügung alle Ärzte von der Schweigepflicht ihrem Bevollmächtigten/Betreuer gegenüber.
  • Sie können in ihrer Patientenverfügung Anweisungen für Ihre Trauerfeier und Bestattung geben.
  • Erneuern Sie die Unterschrift unter ihre Verfügung regelmäßig (circa alle zwei Jahre). Änderungen und Widerruf sind jederzeit möglich. Handschriftliche Erstellung ist sinnvoll, aber ebenso wie eine notarielle Beurkundung nicht gefordert. Eine notarielle Beglaubigung der Unterschrift, oder Beurkundung von Inhalt und Geschäftsfähigkeit kann in zweifelhaften Situationen sinnvoll sein, ist aber nicht vorgeschrieben.
  • Besprechen Sie den Inhalt mit ihrem Bevollmächtigten/Betreuer. Hilfe und Rat bei der Abfassung einer Patientenverfügung geben Ärzte, Juristen, Hospizhelfer und die Mitarbeiter der Beratungsstellen für ältere Menschen. Hilfreich sind Gespräche mit Ehepartner, Kindern, guten Freunden und Geistlichen. 
  • Das ständige Gespräch mit Vertrauenspersonen und dem Bevollmächtigten oder Betreuer ist die beste Form der Vorsorge!

Für welche denkbaren medizinischen Situationen sollte ich eine Verfügung treffen?

Natürlich kann man sein Lebensende nicht vorausplanen, wie einen Urlaub. Die Abfassung einer Patientenverfügung ist immer eine Festlegung von Handlungsanweisungen für Situationen in einer noch unbekannten Zukunft! Sie sollten aber klar benennen, für welche Fälle ihre Anweisungen gedacht sind.

Die Bundesärztekammer hat in ihren Grundsätzen zur ärztlichen Sterbebegleitung (PDF) drei unterschiedliche Situationen definiert, in denen sich ein lebensbedrohlich erkrankter Mensch befinden kann und für die Sie Anweisungen erteilen sollten:

  • Sie befinden sich in der unmittelbaren Sterbephase. Bei Sterbenden können Maßnahmen zur Verlängerung des Lebens (künstliche Ernährung, Beatmung, Schrittmacher, Infusionen, Antibiotikagabe) mit Einverständnis des Patienten beendet werden. Dieses Einverständnis sollte vorab detailliert in einer Patientenverfügung gegeben oder ausgeschlossen werden.

Beispiel: „Im Falle, dass ich mich in der unmittelbaren Sterbephase befinde, wünsche ich nur noch eine Grundpflege und Schmerztherapie, die mir die bestmögliche Lebensqualität sichert. Eine dadurch bedingte eventuelle Lebensverkürzung nehme ich in Kauf. Eine Krankenhausbehandlung wünsche ich nicht mehr.“

  • Sie leiden an einer mit Sicherheit zum Tode führende Erkrankung, einer Erkrankung mit infauster Prognose. Sie befinden sich aber noch nicht in der unmittelbaren Sterbephase, Heilung ist aber nicht mehr möglich und der Tod absehbar. Lebensverlängernde Maßnahmen können hier ebenfalls mit Einverständnis des Patienten beendet werden. Eine Behandlung, z.B. von Schmerzen kann und darf mit ihrem Einverständniss zu einem früheren Todeseintritt führen (passive Sterbehilfe).

Beispiel: „Im Fall, dass ich an einer unheilbaren Erkrankung leide, wünsche ich nur noch eine palliativmedizinische Behandlung, die mir die beste Lebensqualität sichert. Eine durch eine ausreichende Schmerztherapie bedingte eventuelle Lebensverkürzung nehme ich in Kauf.

  • Sie haben eine lebensbedrohende Schädigung, zum Beispiel eine schwere Dauerschädigung des Gehirns mit nicht umkehrbarer Bewusstlosigkeit (apallisches Syndrom, Wachkoma, Koma nach Insulten, fortgeschrittene Demenz). Eine Heilung ist nicht mehr möglich, der Tod steht aber nicht unmittelbar bevor. Es besteht Dauerpflegebedürftigkeit. Die weitere Lebensspanne in diesem Zustand kann aber noch Jahre betragen.

Besonders für diesen Fall wollen viele Menschen eine Verfügung treffen.

Hier können sie z.B. verfügen, dass eine durch die Nase oder die Bauchdecke eingelegte Ernährungssonde (PEG Sonde) nach einem von ihnen genannten Zeitraum wieder entfernt werden soll, sofern sich ihr Zustand nicht gebessert hat. Das gilt ebenso für alle maschinellen lebenserhaltenden Maßnahmen.

Für alle, die sich mit der Abfassung einer Patientenverfügung überfordert fühlen, oder dabei Bedenken haben, stellt die Möglichkeit des Advance care plannig, eines aus Amerika kommenden, in die Zukunft gerichteten medizinischen Vorsorgeplanes, insbesondere bei chronischen Krankheitsverläufen, eine gute Alternative dar. Weitere Informationen dazu finden sie hier.

Hinweise zur rechtlichen Gültigkeit von Vollmacht, Betreuungsverfügung und Patientenverfügung finden Sie hier.

Weitere Formulare finden Sie im Internet unter den entsprechenden Links. Hier geht es zu Literaturtipps