Albanien

Wohnmobilreise durch Albanien

Anreise von Italien aus mit der Fähre ab Bari nach Durres. Nicht auf allen Fähren ist „Camping on board“ möglich, abhängig vom eingesetzten Schiff. Also vorher erkundigen. Bei Frühbuchung ist aber häufig noch nicht bekannt, welches Schiff am gebuchten Tag fährt. Abfahrt in Bari um 23:30 Uhr, Ankunft in Durres morgens 8:00 Uhr. Eine Alternative ist die Fähre Ancona – Igoumenitsa und die Einreise von Griechenland aus.

Kavajë, Camping „Pa Emer“                                      C.N 41* 10′ 53.8“ / E 19* 28′ 38.4“

Als wir um 7 Uhr aus dem Fenster schauen, ist schon die Hafenmauer von Durres vor uns zu sehen.  Es reicht noch um das Anlegemanöver zu beobachten. Pass- und Zollkontrolle ohne Probleme. Dann hinein nach Durres. Vor einer Reihe Cafés an der Strandpromenade finden wir einen Parkplatz, P1040092 dort gibt es erst einmal Frühstück. Danach Bummel durch Durrës. Es gibt die Reste eines römischen Amphitheaters zu sehen, das mehr durch seine Lage mitten zwischen den Häusern, als durch den Erhaltungszustand besticht. Dann noch die Reste des Forums und das war es dann auch schon. Aber gut, sich schon mal an den albanischen Stadtverkehr und die unorthodoxe Fahrweise der Albaner zu gewöhnen. Auf der Schneelstrasse verlassen wir die Stadt und folgen bei Kavajë den „Kamping“ Schildern nach Westen zum Meer. Am Ende einer Schotterstrasse beim Restaurant „Vila Barbaut“ liegt dann der „Camping Pa Emer“, eine sehr schöne Anlage mit überdachten Stellplätzen direkt am Meer (Kosten 15,- Euro pro Tag). Zwar gibt es keinen Strom, dafür aber Internet. Mit Ausnahme eines Schweizer Pärchens, sind wir die Einzigen hier und beschließen, den Komfort zwei Tage zu genießen. Es ist zwar sonnig bei 19 Grad, aber zum Baden noch zu kalt.

Gestern Abend hat uns unser Wirt, der mit seinem Hund alleine auf dem Platz ist, ein köstliches Fischessen mit Salat bereitet. Das Einzige, was er nach seiner Aussage kann, das aber gut. Dazu gab es albanischen Riesling, na ja! Bei einem hausgemachten Raki erzählter er uns dann auf Französisch von seinem Leben unter den Kommunisten. Er war Lehrer an einer Oberschule, „Professeur“, wie er stolz sagte, und wurde dann als Redakteur und für eine kommunistische Zeitung requiriert. Nebenbei hat er aus einem Buch Französisch gelernt und musste dann für eine mehrsprachige albanische Zeitung schreiben. P1040102Sein Sohn ist nach Italien emigriert und betreibt dort einen Blumenhandel. Mit ihm zusammen hat er diese beeindruckende Anlage geschaffen und ein Blockhaus aus kanadischer Zeder aus Estland erbaut. Sogar eine Insel im Wasser mit einem Steg wurde angelegt. Dabei waren die Reste der zahlreichen Bunker, die noch entlang der Küste stehen sehr hilfreich. Seit seiner Pensionierung lebt er hier auf dem Campingplatz und versucht ihn in Ordnung zu halten. Seine Tochter lebt mit den Enkeln in Tirana und kommt nur am Wochenende zu Besuch. Ein sehr interessanter Abend.

Apollonia                                                           F.P.   N 40* 43′ 17.0 “ / E 19* 28′ 11.2“

Heute haben wir Albanien besser kennen gelernt. Eine Kurzfassung ist: einige Bettler, viele Pferdewagen, sehr viele Schlaglöcher. Die Straßenverhältnisse sind katastrophal, selbst die Hauptstraße nach Berat sah aus wie nach einem Bombenangriff. Zeitweise kann man nur im Schritttempo und in Schlangenlinien fahren. In den Städten fehlen die Gullideckel in den Straßen und man muss höllisch aufpassen nicht hinein zu geraten. Aber Berat war die Fahrt wert. Es liegt am Fluss Osum mit malerischen schneebedeckten Bergen im Hintergrund. Wir steigen zur Burganlage hinauf, P1040187die ein Stadtteil für sich ist, in dem noch 100 Familien leben. Ein Führer bietet sich an, uns die alten orthodoxen Kirchen aufzuschließen und wir willigen ein. Eine lohnende Investition, wie sich zeigen sollte. Die alten, kleinen orthodoxen Kirchen sind zumeist aus dem 16. Jahrhundert und enthalten noch wunderbare Fresken. Von der Burg hat man einen schönen Blick auf die Altstadt und den Fluss. Wieder unten angekommen, besichtigen wir noch die beiden restlichen Teile der alten Stadt, Mangalemi und Gorica, mit ihren alten Schiefer gedeckten Häusern. Dann schlängeln wir uns um und durch die Schlaglöcher zurück zur Stadt Fier. Nördlich davon liegt das orthodoxe Kloster Ardenica, die bedeutendste Anlage des Landes. Von der Fläche her eher klein, war es das wichtigste geistliche Zentrum des Landes. Die Kirche ist innen vollständig bemalt und mit einer imposanten Kanzel aus Holz und einer schönen Ikonostase ausgestattet. Auf dem Rückweg nach Fier werde ich zum ersten Mal von der Polizei angehalten, vermutlich, weil ich zu P1040168schnell war. Der Polizist heißt uns in Albanien willkommen, erzählt, dass sein Sohn in Deutschland studiert und lässt uns mit einem freundlichen Winken weiter fahren. So wünscht man sich die Polizei! Westlich von Fier liegt die antike Ausgrabung von Apollonia, die wir gegen Abend erreichen. Der Parkplatz unterhalb ist eine große Wiese, und für uns ideal zum Übernachten.

 Butrint                                                           F.P.    N 39* 44′ 38.0“ / E 20* 01′ 06.3“

Wir haben eine wunderbare Nacht auf der Wiese vor Apollonia verbracht. Am Morgen sind wir die Ersten im Gelände, das allerdings nicht viel zu bieten hat. Die Fassade des Buleuterions P1040201wurde in der kommunistischen Zeit wieder hergestellt und sieht entsprechend aus. Gegenüber liegt das Odeon mit 16 Sitzreihen. Von den übrigen Gebäuden, wie der Stoa, sind nur noch die Fundamente erhalten. Vieles wurde auch noch nicht ausgegraben. Die eigentliche Überraschung ist dann das Museum, das sich in der alten Klosteranlage Shën Mërisë am Eingang befindet. Einmal ist die Klosteranlage selbst beeindruckend. In ihren Mauern wurden viele Steine der antiken Gebäude Apollonias verbaut und die zentrale kleine Kirche enthält an den Arkaden viele schöne Steinskulpturen. In den übrigen Klostergebäuden sind dann die Fundstücke der Ausgrabungen von Apollonia ausgestellt. Sehr schön in Vitrinen präsentiert und beschriftet. Nach der Besichtigung fahren wir zurück nach Fier und von dort auf einem kurzen Stück Autobahn nach Vlorë. Von dort geht eine Straße entlang der Küste nach Süden. Sie ist entgegen unseren Befürchtungen in einem ordentlichen Zustand, nur gelegentlich sind Teile durch Erdrutsche beschädigt und abgebrochen. Sie führt zunächst über den Llogera Paß und dann steil und ausgesetzt wieder zur Küste herunter. Vorbei an kleinen Badeorten und entlang desP1040239 Küstengebirges schlängelt sie sich gen Süden. Die Landschaft und die Straße erinnert uns sehr an die korsische Westküste. Wir erreichen die größte Stadt im Süden, Sarandë, mit einem Hafen und unzähligen im Bau befindlichen und unfertigen Appartementhäusern. Es schmerzt, wie hier die Küste von Bauspekulanten verschandelt wird. Direkt gegenüber liegt, zum Greifen nahe, die griechische Insel Korfu. Wenige Kilometer weiter liegt der kleine Ort Ksamil mit einem Campingplatz, der uns aber nicht gefällt. Also noch ein paar Kilometer gefahren bis zum Eingang des antiken Butrint und dem Fähranleger zum anderen Ufer des die Lagune von Butrint versorgenden Kanals. Hier können wir gut, im Anblick einer venezianischen Festung auf der anderen Uferseite, für die Nacht stehen und haben damit zugleich den südlichsten Punkt der Reise erreicht.

Bei Gjirokastra                                                         F.P. N 40* 00′ 43.6“ / E 20* 14′ 08.4“

Nach dem Frühstück Besichtigung von Butrint, eine sehr alte vorchristliche Siedlungsgründung. Später wurde es eine griechische Stadt mit einem Asclepius Heiligtum und 162 v. Chr. dann eine römische Siedlung mit erheblichen Umbauten. P1040266In der letzten Bauperiode errichteten die Venezianer Wehrtürme und und eine Burganlage. Die Anlage liegt sehr schön auf einer Halbinsel direkt am Vivari Kanal und ist in Bäume und Büsche eingebettet. Wir benötigten für den Rundgang rund drei Stunden. Die Gebäude wie das Theater, das Asclepiusheiligtum und das Baptisterium sind schön restauriert und auf Schautafeln gut erklärt. Am Ende wartet dann ein kleines Museum mit den dortigen Funden. Dann ging es weiter ins Landesinnere Richtung Gjirokaster. Den ersten Halt machten wir bei der alten Klosteranlage von Mesopotam. Die Kirche hat zwei Türme und stammt aus dem 13. Jahrhundert und wird von schönen Tierreliefs geziert. Das Innere ist nicht zugänglich.

Weiter zum „Blue Eye“, einer Karstquelle, die aus dem Boden entspringt und einen Fluss speist, ähnlich dem Blautopf bei Blaubeuren. Dann geht es übP1040306er einen kleinen Pass mit einem Kriegerdenkmal für gefallene albanische Partisanen und deutsche Soldaten hinunter ins Tal des Drino, an dem wir nun auf einer Wiese stehen, ca. 10 km vor Gjirokastra, da wir nicht in der Stadt übernachten wollen. Anschauen werden wir sie morgen. Leider hat es inzwischen, nach einer Woche Sonnenschein, angefangen zu regnen und es sieht nicht so aus, als ob sich das schnell ändern würde.

 Farma Sotira Peshku                                            S.  N 40* 12′ 52.2“ / E 20* 38′ 48.3“

Am Morgen sind wir von unserem Übernachtungsplatz wenige Kilometer nach Gjirokastra hinein gefahren. Der Regen hat aufgehört und die Sonne kämpft sich wieder durch die Wolken. Früh am Morgen ist es noch kein Problem einen Parkplatz zu finden und wir steigen die steilen Kopfstein gepflasterten Gassen zur Burg empor. Die ist eher eine Enttäuschung, zu sehen sind eine gewaltige Burghalle, in der Waffen aus dem zweiten Weltkrieg ausgestellt sind, ein Uhrturm und Mauerreste.Berat, Blick von der Burg Dafür entschädigt aber ein grandioser Blick über die Stadt mit ihren alten Schiefer gedeckten Häusern. Wir haben zu hause vorab das Buch „Chronik in Stein“ von Ismael Kadaré gelesen, der darin seiner Geburtsstadt ein Denkmal gesetzt hat. Jetzt schauen wir auf die Stadt und können vieles aus der Beschreibung besser nachempfinden. Von der Burg gehen wir durch die Gassen zum „Zekati Haus“, einem alten vierstöckigem Wehrturmhaus, das besichtigt werden kann. Von außen verschlossen und abweisend mit hohen Mauern, ist es im Inneren ähnlich einem arabischen Palasthaus aufgebaut mit den schönsten Räumen im Obergeschoss und einer Terrasse mit großartiger Aussicht. Leider beginnt es wieder leicht zu regnen und wir machen uns auf gewundenen Wegen durch die Gassen auf den Weg zurück zum Auto. Dann geht es entlang des Drino aus der Stadt heraus. An der Mündung des Flusses Vlosa biegen wir nach Përmet ab und folgen dem Fluss nun nach Süden. Das Tal ist eng und malerisch. An einer Wasserstelle füllen wir unseren Wassertank auf, was nur mit einiger Spritzerei abgeht und ich bin völlig durchnässt. Dafür scheint die Sonne wieder als wir Përmet erreichen. Ein großer Felsbrocken im Fluss ist das Wahrzeichen der Stadt, sonst gibt es nicht viel zu sehen. Weiter nach Süden Richtung griechischer Grenze wird die Straße einspurig und schlecht. Wir fahren Slalom um die Schlaglöcher. Die Landschaft ist dafür atemberaubend. Rechts der Fluss, dahinter schneebedeckte Berge. So zockeln wir vorbei am Grenzposten nach Griechenland bis nach Leskovik. Es ist kaum noch Verkehr und die Straße ist auf dem letzten Stück eine Katastrophe. Wir fahren nun wieder nördlich Richtung Mazedonien und Ohrid-See, was am Straßenzustand nichts ändert, bis vor wenigen Jahren gab es hier nur eine Schotterpiste. DieSüdalbanien Gegend ist nur dünn besiedelt und die Menschen sind sehr nach Griechenland orientiert. Selbst die Verkehrsschilder, sofern vorhanden, sind zweisprachig. Dafür durchfährt man eine wunderbare ruhige Gebirgslandschaft mit Flüssen, Wiesen und Kiefernwäldern. Nach 15 km kommen wir dann zum heutigen Ziel, einem Forellen-Restaurant, mit Hütten zum mieten, einer Wiese zum Zelten und einem Stellplatz für unseren Wagen. Man hat zwar noch nicht geöffnet, aber in einer der Hütten dürfen wir eine warme Dusche nehmen, eine Wohltat, denn auf eintausend Meter Höhe ist es bei 9 Grad noch empfindlich frisch.

Am großen Prespa-See                                          F.P.   N 40* 46′ 33.9“ / E 20* 54′ 29.4“

Nach kalter Nacht, weckt uns morgens die Sonne. Wir fahren weiter nach Korca. Auf dem Weg treffen wir auf ein martialisches Partisanendenkmal, das an die Kämpfe zwischen albanischen Partisanen und deutschen Truppen erinnert. Im Dorf Borova steht eine große Gedenkstätte für 116 Einwohner, die von den Deutschen in einer Racheaktion umgebracht wurden und wir wundern uns, dass die Albaner uns heute so freundlich gesinnt sind. P1040402Es steht dort aber auch ein Denkmal für einen deutschen Soldaten, der sich geweigert hat, ein Kind zu erschießen und wir sind ein wenig getröstet, dass es auch das gab. Kurz vor Korca liegt dann der „Tumulus von Kamenica“, ein 40 m im Durchmesser großes Hügelgrab in dem ca. 450 Skelette und Grabbeigaben gefunden wurden, die heute in einem kleinen Museum präsentiert werden. In Korca besuchen wir den lebhaften Basar, auf dem es vom Schnürsenkel über Autoersatzteile bis zu Lebensmitteln und Schuhen, alles zu kaufen gibt. Wir nehmen albanischen Käse und Honig mit. Wir sind jetzt im Dreiländereck Albanien-Mazedonien-Griechenland und haben uns entschieden, noch den Großen Prespa See zu besuchen, an dem alle drei Ländern Anteil haben. Die drei Seen, der kleine und große Prespa- und der Ohrid- See gehören mit dem Baikalsee zu den ältesten Seen der Welt und sind über das Karstgestein unterirdisch miteinander verbunden. Wir fahren über einen kleinen Pass und haben dann einen wunderbaren Blick auf den See und die winzige Insel Malingrad. Die Seen sind fischreich und ein Brutraum für viele seltene WP1040435asservögel. Grade haben wir unseren Wagen auf einer wunderbaren Wiese am See abgestellt, stolziert schon ein stolzer Pelikan an uns vorbei. In der Ferne sehen wir Fischreiher und Kormorane. Gegenüber, schon in Mazedonien, liegt ein noch schneebedecktes Bergmassiv, das sich im See spiegelt. Ein wunderbarer Platz, um den Rest des Tages und die Nacht zu verbringen.  Am Abend kommen noch einige Fischer ans Ufer, besteigen bei aufgehendem Vollmond ihre Boote, und rudern auf den See hinaus.

Udenisht am Ohridsee                                             C.    N 40* 58′ 00.0“ / E 20* 38′ 35.0“

Frühstück in der Morgensonne mit Blick auf den See. Neben uns grasen zwei Kühe und in der Ferne haben sich die Wasservögel niedergelassen. Wir sprechen darüber, wie wenig derartiger, völlig unberührter, naturbelassener Plätze es noch gibt und sind glücklich, hier zu sein. Vielleicht werden die kommenden Generationen derartige Orte kaum noch finden können, und wenn ja, dann nur die Disco vermissen. Schweren Herzens nehmen wir Abschied vom Prespa- See und wenden uns Podgorica und dem Ohrid-See zu. Die Stadt bietet nicht viel außer einer Seepromenade. Die Straße am Ufer entlang ist in Bau und wird noch von zahlreichen Schlaglöchern geziert. am Ohrid-SeeWir fahren sie entlang bis zum Dörfchen Lin, das auf einer in den See ragenden Halbinsel liegt. Dort trinken wir Kaffee mit schönem Blick auf den See, an dessen Ufer aus vielen Aquarien von den Fischern Aal und Koran, eine Fischart, die nur hier im See vorkommt, verkauft wird. Dann fahren wir ein Stück am See zurück bis Udenisht, wo der „Kamping Peshku“ direkt am See liegt und, außer einem Restaurant, eine kleine Wiese am Wasser bietet, auf der wir uns gemeinsam mit einem österreichischen Paar einrichten. Es gibt Strom, zum Aufladen der technischen Geräte, eine Dusche und Gelegenheit Wäsche zu waschen. Am Abend werden wir dann natürlich frischen Fisch direkt am Wasser genießen. Morgen geht es dann weiter auf die mazedonische Seite des Ohrid-Sees.

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Aus Mazedonien zurück kommend, überqueren wir die Grenze am Nordende des Ohridsees bei Struga.

Burg von Krujë                                                      F.P.    N 41* 30′ 27.2“ / E 19* 47′ 41.2“

Am Morgen nehmen wir Abschied aus Mazedonien, tanken noch einmal billigen Diesel und tauschen das restliche Geld in Struga. Dann geht es zur nahen Grenze und nach 30 Minuten sind wir wieder in Albanien. Die Straße nach Tirana ist zunächst sehr ordentlich und führt durch ein landschaftlich reizvolles Gebiet, immer entlang des Flusses Shkumbin. In Elbasan legen wir einen Zwischenstopp ein und besichtigen das Castrum Scampis, eine befestigte Stadtanlage, die die Römer auf der Via Egnatia angelegt haben. Die Mauern bilden noch ein geschlossenes Karree in dem sich heute Häuser der Altstadt mit einer alten Moschee befinden, an einem Ende wurden die alten römischen Mauerreste frei gelegt. Ansonsten besticht Elbasan lediglich durch ein riesiges verfallenes Stahlwerk aus kommunistischer Zeit in dem heute partiell wieder produziert wird. Die Straße wird nun schmaler und schlechter und führt in endlosen Serpentinen über den Krraba Pass, entlang an Steilhängen mit nur rudimentärer Randbefestigung und dafür vielen Gedenktafeln für die hier zu Tode gekommenen. Kurz vor Tirana fahren wir hinauf zur Burg Petrele um ein verspätetes Frühstück ein zu nehmen und uns für den Verkehr in der Hauptstadt zu wappnen. Das war auch nötig, wie sich bald zeigt, denn die angezeigte neue Umgehungsstraße endet im Niemandsland und wir müssen über Nebenstraßen doch in die Stadt, die richtige Straße nach Norden finden und uns einen Weg durch den chaotischen Verkehr bahnen. Bei Krujë ist es dann geschafft und wir biegen ab zur alten Stadt, fahren den steilen Berg empor bis unter die Burg, von der nur noch bescheidene Reste stehen, die von der Zahl der SouvenirlädeP1050068n weit übertroffen werden. Oben im Burgareal sehe ich dann ein handgeschriebenes Schild „Parken+Camping“ und frage nach. Ja, mit einem Wohnmobil kann man hier auf dem Privatparkplatz einer Familie stehen. Ein perfekter Platz in 600 m Höhe, umgeben von Burgmauern und großartigem Rundblick für 3,50 Euro. Auf dem Gelände steht noch ein protziges Skanderbeg Museum, das dem Nationalhelden der Albaner gewidmet ist. Auf einen Besuch haben wir verzichtet. Dafür entdecken wir mit Hilfe eines Führers, der sich uns ungebeten anschließt, im unteren Burggelände, die Reste eines kleinen Hamams und die Dolma Tekke, eine kleine Bektashi Moschee unter einem alten Olivenbaum, den natürlich Skanderbeg gepflanzt hat. Das Innere ist mit schönen Fresken ausgemalt. Zurück muss ich dann noch mit dem Sohn unserer Parkplatzbesitzer auf den Burgturm steigen und ihm dafür einige Postkarten abkaufen. Dann reicht es uns und wir vergraben uns im Wohnmobil.

Skodra – „Lake Skodra Resort“                               C.  N 42* 08′ 19.7“ / E 19* 27′ 59.0“

Tolle Nacht hoch oben auf der Burg. Morgens weckt uns wieder die Sonne, nachdem es gestern etwas diesig war. Die Temperaturen liegen in der Ebene jetzt zwischen 25 und 30 Grad, noch sehr angenehm. Wir schlendern durch die alte Basargasse der Burg auf Kopfsteinpflaster nach unten, um Brot und Lebensmittel einzukaufen. Dann geht es weiter nach Lezha. Dort ist der Nationalheld der Albaner, Skanderbeg, in den Resten einer alten Kirche begraben und daraus wuP1050107rde jetzt ein Monument der Verehrung. Eine junge Albanerin erklärt es uns mit viel Ehrfurcht. Weiter nach Shkodra, das am gleichnamigen See liegt, der sich bis weit nach Montenegro hinein erstreckt. Als erstes befahren und besteigen wir die alte Burg über der Stadt, von der aus man einen wunderbaren Blich auf die Stadt und den See hat. Dann zu einem Kaffee und Bummel in die Innenstadt, in der wir sonst nicht viel Sehenswertes fanden. Wir fahren 7 km aus der Stadt heraus nach Norden gen Podgorica und biegen dann zum Camping „Lake Skodra Resort“ direkt am See ab, nagelneu und von einem Albaner und einer Engländerin betrieben. Es wird wohl unser letzter Standplatz in Albanien sein, bevor es weiter nach Montenegro geht.

Am nächsten Tag machen wir einen Sonntagsausflug in die albanischen Berge. Eigentlich wollen wir bis Thet fahren, aber die Straße ist wegen zu viel Schnee noch nicht offen. Das Dorf ist von November bis Mitte Mai fast von der Welt abgeschnitten. Es gibt dann nur eine lange unwegsame, nur mit Allrad befahrbare Piste hinunter nach Shkodra. Wer mehr über das Leben in dieser abgelegenen Hochgebirgsregion wissen will, lese Ismail Kadaré „Der zerrissene April“. Hier erfährt man alles über den „Kanun“, die eigenen Gesetze der Bergbewohner. Immerhin kommen wir bis Boge, wo die Teerstraße endet und nur noch eine Piste P1050162über den Pass nach Thet führt. Wir wandern bis oberhalb des Dorfes, wo uns dann eine Baustelle stoppt. Bis Ende des kommenden Jahres soll die Straße auch geteert sein. Zurück zur kleinen Bar, wo unser Wagen parkt. Gegenüber liegt die Dorfkirche mit Friedhof und sehr eigenwillig-kitschiger Grabgestaltung. Bei einem Kaffee bewundern wir die eindrucksvoll bizarre Bergwelt um uns herum, es sieht fast aus wie in den Dolomiten. Dann zurück zum Campingplatz, wo es Hausarbeit gibt: Wäsche waschen, Bettzeug und Handtücher wechseln und und auf Montenegro vorbereiten.

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