Von Syrien ans Schwarze Meer

Legende C. = Campingplatz;  S. = Stellplatz;  F.P. = freier Platz

 Wohnmobilreise durch die Türkei, von der syrischen Grenze durch Kappadokien nach Hattuscha, an das Schwarze Meer bis zum Marmarameer.

 

Konacik, Türkei                                                        C.  N 36* 21′ 523“ / E 35* 49′ 914“

Wir kommen vom syrischen Grenzübergang Bab al-Hawa. Die Formalitäten auf syrischer Seite waren korrekt, aber aufwändig. Auf türkischer Seite ging alles wie gewohnt flott. Am Zoll ein kurzer Blick ins Auto, ob noch jemand mit fährt und nach einer Stunde waren wir durch.

Durch das flache, intensiv landwirtschaftlich genutzte Gelände der Provinz Hatay gelangen wir bis an den Nur Dag, die Gebirgskette, über die wir nach Iskenderum kommen. Dort biegen wir nach Süden ab, fahren die Küste entlang und komKonacik, Camping Orientmen an der Landspitze bis Konacik, wo die geteerte Straße aufhört und zu einem, von einem Holländer betriebenen „Orient-Camping“ führt. Ein kleines, noch im Werden begriffenes Paradies mit vielen Pflanzen, viel Wasser und einem schönen Tauchbecken in das wir uns  stürzen um uns abzukühlen. In der Ferne, an der syrischen Grenze, leuchtet der Musa Dag, den wir aus franz Werfels Roman kennen.  Ein schöner Ort um für einen Tag die Seele baumeln zu lassen. Wir hoffen, dass er bis in das Jahr 2013 überlebt hat.

Göreme, Kaya Camping                                              C.   N 38* 38′ 228“ / E 34* 51′ 282“

Vom Hatay bis Kappadokien ist ein strammer Fahrtag, das meiste allerdings Autobahn. Es ging auf über 1400 m hoch, durch die kilikische Pforte und dann auf die kappadokische HochebenKaya Camping Göremee. In Derinkuyu legten wir einen Halt ein um ein unterirdisches Höhlendorf anzuschauen. Ein unglaubliches Gang und Höhlensystem, ein ganzes Dorf mit Kirche, Wohnungen und Vorratsräumen liegt hier unter der Erde. Dann durch Göreme zum Camping Kaya, der groß, gut und komfortabel ist. Viele Wohnmobile, der Besitzer spricht gut Deutsch, der Tourismus hat uns wieder. Wir schwammen noch eine Runde im großen Pool bevor wir dann morgen mit der Erkundungder Tuffsteinberge und Höhlen beginnen werden.

Als wir aufwachten, waren wir von lauter Heißluftballons umgeben, Kappadokien, Feenkamine bei Göremevon denen aus die Touristen für 150 Euro pro Person die Landschaft von oben betrachten können. Wir begannen unsere Rundfahrt am Morgen in Ortahisar mit seinem steilen Burgberg, den wir zum teil erkletterten. Von einem Aussichtspunkt hat man einen schönen Blick darauf. Im Norden des Ortes liegt ein Aussichtspunkt von dem man einen schönen Blick über die Landschaft und zu unserem Campingplatz hat. Auf dem Weg nach Ürgüp, das selbst nichts Besonderes bietet,Kappadokien, Feenkamine im Pasabagi Tal stehen die bekannten phallusartigen Feenkamine. Dann ging es in das Devrent Tal mit bizarren Felsformationen in die man Allerlei hinein interpretieren kann, z.B. ein Kamel. Dann folgte das verlassene Dorf Zelve, dessen Bewohner in drei Seitentäler die Felshöhlen bewohnten, bis sie in den fünfziger Jahren ein zustürzen begannen. Die Besichtigung braucht Zeit und erfordert etwas Kraxelei. In Pasabag stehen ebenfalls phallusförmige Feenkamine in Zweier- und Dreiergruppen. Am Ortseingang von Cavusin steht die „Taubenschlagkirche“, die mit schönen Fresken ausgemalt ist. Gegen Trinkgeld durfte ich einige Bilder machen. Dann folgte Göreme mit seinem „Open Air MuseumKappadokien, Göreme, Open Air Museum, die "Dunkle Kirche"“. Direkt gegenüber des Eingangs liegt die Tokali Kilisi, „die Kirche mit der Schnalle“, dann kommt der Rundgang durch die Kirchen Göremes, deren Schönste sicher die „Dunkle Kirche“ ist, die noch einmal extra Eintritt kostet.  Die Felsenkirchen sind teils mit schönen Fresken bemalt, teils auch nur mit einfachen roten Zeichnungen und Ornamenten verziert.

Ein weiterer Tag mit einem schönen Besichtigungsprogramm in Kappadokien. Wir starteten nach Süden in das Pancarlik Tal, dort sind zwei lohnenswerte Felsenkirchen zu sehen.Kappadokien, Keslik KlosterMan ist fast alleine, da die Busgruppen diese nicht besuchen. Die Sarica Kirche ist erst 2004 renoviert worden und in einem hervorragenden Zustand, weiter unten im Tal liegt eine weitere Kirche und die Reste eines Klosters. Am Talende befindet dann die Pancelik Kirche mit schönen Fresken, ein lohnender Abstecher. Weiter südlich in einem lang gezogenen Tal liegt hinter Cemil das Keslik Kloster mit vielen Räumen, Kapellen, Kirchen und einem Refektorium, die alle in den Fels geschlagen sind. Danach bogen wir nach Westen ab und fuhren über Mazi nach Kaymakli, wo eine weitere unterirdische Stadt zu begehen ist. Es war sehr lohnend und man kann sich kaum vorstellen, dass hier einmal Hunderte von Menschen unter der Erde in engen Höhlen gelebt haben. Kappadokien, AvanosDann weiter nach Avanos, wo wir etwas Töpferware einkauften. Am Ufer des „Roten Flusses“ aßen wir einen Döner, als wir von einem alten Türken auf Deutsch angesprochen wurden, der uns zum Tee einlud und von seiner dreißigjährigen Arbeitszeit in Deutschland erzählte. Jetzt bekommt er eine deutsche Rente, die er wohl überwiegend in Zigaretten anlegt.

Bogazkale/ Hattusa                                                       S.   N 40* 01′ 702“ / E 34* 37′ 130“

Ein Reisetag durch das zentralanatolische Hochland. Weite Ebenen, sanfte Hügel und so weit das Auge reicht Weizenfelder und Landwirtschaft. Das alles über 1000 m Höhe. Erst nachYazilikaya, Prozession der 12 Unterweltgötter Yozgat wird die Landschaft etwas abwechslungsreicher. In Bogazkale besuchen wir erst das Felsheiligtum Yasilikaya, das Reste hethitischer Götterreliefs enthält. Von dort sind es nur wenige hundert Meter zur Einfahrt nach Hattusa, der alten Hauptstadt der Hethiter. Viel ist davon nicht erhalten. Reste der Unter- und Oberstadt und der Tempel, einige Keilschriften, vor allem aber die Tore in der einstigen Stadtmauer, die mit Löwen und SphingenHattuscha geschmückt waren. Leider geraten wir zwischen drei italienische Reisebusse, was lediglich den Vorteil hat, dass wir nicht alle Souvenirverkäufer am Hals haben. Wir haben wieder einmal das Gefühl, dass halb Italien iun der Türkei unterwegs ist.  Nach dem wir die Rundfahrt durch das Gelände beendet haben, fahren wir zum nahen Baskent Hotel, vor dem wir mit dem Wagen mit schöner Aussicht auf Hattusa stehen können.

Amasra am Schwarzen Meer                                     F.P.      N 41* 44′ 879“ / 32* 22′ 912“

Ein Tag der schönen landschaftlichen Eindrücke. Auf kleinen Straßen kurvten wir durch das anatolische Der rote Fluß (Kizilirmak)Hochland, über sanfte Hügel vorbei an goldgelben Weizenfeldern, die gerade gemäht wurden. Überquerten wieder den „Roten Fluß, Kizilirmak“, dessen Name von der rötlichen Erde kommt, die ihn färbt. Bis Karabük ging es durch Wälder ein Flusstal entlang. Dann steht man plötzlich vor einer riesigen Industrielandschaft, dem ältesten Stahlwerk der Türkei. Kurz darauf folgt Safranbolu, dessen alter Ortsteil Unesco Weltkulturerbe ist, das uns aber enttäuschte. Außer nett restaurierten alten Häusern, in denen sich heute fast nur Hotels und Läden befinden, ist nicht viel zu sehen. Noch einmal 90 km weiter durch eine tolle Berglandschaft, immer am Fluss entlang nach Bartin und dann nach Amasra. Plötzlich steht man hoch oben auf einer Bergkuppe und blickt auf das Schwarze Meer und den Ort herunter, der dort  klein und zwischen die Felsen gequetscht unter uns liegt..Amasra Ein toller Anblick! Gerade rechtzeitig zum Sonnenuntergang fuhren wir dann auf den Parkplatz am Ortseingang, wo wir direkt am Meer stehen und die Nacht für 10 TL bleiben können. Am Ufer sitzende schwatzende Frauengruppen neben Bier trinkenden Männern und im Vergnügungspark werden die neu aufgestellten Sportgeräte eifrig ausprobiert.

Akcakoca am Schwarzen Meer        S.   N 41* 05′ 324“ / E 31* 06′ 647“

Am Morgen auf und machen uns auf zu einem Rundgang durch den Ort. Die Geschäfte machen gerade auf und freuen sich über die ersten Kunden. Die ersten Schwimmer am kleinen Strand sind auch schon unterwegs. Nachdem wir unsere Einkäufe erledigt haben fahren wir weiter immer an der Schwarzmeerküste entlang.Akcakoka Es ist viel Verkehr, am Wochenende wollen auch die Türken zum Baden an die Küste. Außerdem gibt es massenhaft Baustellen, was das Vorankommen zusätzlich erschwert. Aber um 14 Uhr sind wir dann in Akcakoca. Die Stellplätze beim Hotel Tezel liegen auf Terassen direkt über dem Meer mit sehr schöner Aussicht. Nur eine Bademöglichkeit gibt es leider nicht. Das Wasser sieht allerdings auch nicht sehr einladend aus. Wir trösten uns mit Scampis und Tintenfischringen auf der Terrasse des Restaurants hinweg.

Karakoz am Schwarzen Meer                                F.P.    N 41* 08′ 694“ / E 29* 40′ 537“

Wir machen uns auf den Weg immer der Küste des Schwarzen Meeres entlang, der uns in Schlangenlinien durch dicht bewaldete Berge und kleine bäuerliche Dörfer führt. Eine schöne Strecke, aber man muss langsam fahren. Am frühen Nachmittag nähern wir uns wieder dem Wasser, und außer uns noch unzählige türkische Wagen, was nichts Gutes für einen Strandplatz hoffen lässt. Aber es ist Wochenende und Istanbul ist nicht mehr weit. Unsere Befürchtungen bestätigen sich, die Strände sind zugeparkt und überfüllt und der Campingplatz, den wir nach einigem Suchen finden, an Fülle und Hässlichkeit kaum zu überbieten. Wir fliehen wieder und suchen uns in der Nähe, etwas entfernt vom Wasser, einen ruhigen Platz im Wald bei Karakoz. KarakozSpäter entlädt ist es eines der heftigsten Gewitter, die wir bisher erlebt haben. Sturm und Hagel schütteln uns durch, der Regen kommt von der Seite und das Wasser läuft durch die Dichtung der Schiebetür ins Innere. Offenbar ist solchem Wasserdruck nicht gewachsen. Trotz schlechter Sicht entschließe ich mich den Wagen von dem Hügel auf dem wir stehen herunter zu fahren und um 90 Grad zu drehen, so dass der Regen von vorne kommt. Ich sehe gerade noch rechtzeitig, dass der sandige Waldweg, den wir von der Asphaltstraße her herein gefahren sind, sich in einen Fluss verwandelt hat und bleibe am Rand etwas erhöht stehen. Kein Gedanke daran, den Weg im Moment zurück zu fahren. Wir müssen morgen sehen, ob der Weg abgetrocknet ist oder uns herausziehen lassen.

Silivris am Marmarameer                            C.  N 41* 04′ 341“ / E 28* 09′ 722“

Nachdem das Gewitter nachgelassen und wir den Schreck über die Schlammstraße überwunden hatten, hatten wir eine ruhige Nacht. Am Morgen galt mein erster Blick dem Zustand des Waldweges. Es stand zwar kein Wasser mehr darin, aber der Boden war noch so matschig, dass ich mit meinen Schuhen bis zu den Knöcheln einsank. Wir frühstückten erst einmal und hofften, ein Trecker oder ein anderen Wagen würde vorbeikommen, aber niemand benutzte den Waldweg. Also, entweder durch, oder raus ziehen lassen. Zu meiner Überraschung schlingerten und rutschen wir die 500 Meter bis zur Straße und hatten wieder festen Boden unter den Füßen. Uns beiden fiel ein Stein vom Herzen und wir machten uns uns auf in Richtung Istanbul, das wir auf der Autobahn umfuhren. Nach Passieren der nördlichen Bosporusbrücke erwartete uns das Schild „Welcome in Europe“, was man auch von dem Campingplatz bei Silivris sagen kann. Viele türkische Dauercamper und ein Strandleben wie in Italien. Welcome back to Europe! Silivris, Marmarameer