Türkei 2018

 

Hinreise

Fanari Hafen, GR                       N 40° 57‘ 6‘‘ / E 25° 7‘ 40‘‘

Camping an Bord

Kurz nach acht Uhr, unserem ersten Kaffee und einer Joghurt, legen wir in Igoumenitsa an. Das Entladen der Wagen, die hier die Fähre verlassen, ist eine logistische Meisterleistung. Alle Womos müssen sich rückwärts aufreihen und dann eine Rampe herunterfahren. Um neun Uhr fahren wir auf die Autobahn nach Ioannina, die durch unzählige Tunnel führt. Entgegen unserer früheren Erfahrungen auf dieser Strecke, wird inzwischen fleißig Maut kassiert. Für uns mit ca. drei Meter Höhe insgesamt bis zur türkischen Grenze 39 €. Nach einer Mautstation wartet die Polizei, die sich außer für Führerschein und Pass besonders für die Länderaufkleber auf unserem Heck interessiert und wissen will, ob wir da schon überall waren. Wir verabschieden uns freundschaftlich voneinander und

Noch Platz für Iran

fahren an Thessaloniki und Kavala, auf einer meist leeren Autobahn vorbei und biegen bei Xanthi zum Meer nach Lagos in den Nestos Naturpark ab. Die dortigen Plätze zum Übernachten gefallen uns nicht, also noch ein kleines Stück weiter zum kleinen Fischerort Fanari. Im Sommer wohl sehr touristisch, jetzt menschenleer. Leider stehen viele „No Camping“ Schilder an den Strandplätzen. Also stellen wir uns auf den Parkplatz direkt am Hafen und gehen abends noch in eine der leeren Tavernen zum Essen, Zaziki, Auberginen und Fisch für 30 €, Sonnenuntergang gratis dazu.

Esme am Sapanca Gölu, TR                        N 40° 43‘ 59‘‘ / E 30° 14‘ 9‘‘

Am Hafen von Fanari

Ein anstrengender Fahrtag nach ruhiger Nacht am Hafen. Nach einer Tasse Kaffee machen wir uns auf zur Grenze. Die Autobahn ist nun fast leer. An der Grenze wartet aber eine endlose Schlange von Lastwagen auf die Abfertigung, die wir passieren. Die Griechen werfen einen Blick in den Pass und winken uns durch, wir passieren den Grenzfluss Evros und auch auf der türkischen Seite geht es zügig weiter. Einscannen der Pässe, Stempel, dann Zoll, der einen Blick in unsere Heckkiste und den Wagen wirft, Kontrolle der Wagenpapiere und der grünen Karte und weiter geht’s. Bei diversen Shell Tankstellen nach der HGS Mautkarte gefragt, die aus unterschiedlichen Gründen nicht vorhanden war. Letztlich habe ich sie bei der Autobahnauffahrt in Silivri in einer Posthütte erstanden und mit 60 TL aufgeladen. Dann auf der Autobahn nach und durch Istanbul, ein Horrortrip! Dichter Verkehr, endlose Lastwagenkolonnen, immer wieder Stau, wir quälen uns durch die Stadt und sind froh, als wir endlich über die Bosporusbrücke fahren.

Am Sapanca See

Die Weiterfahrt an der Küste des Marmarameers ist von hässlichen Industrieansiedlungen geprägt. Bei Izmit verlassen wir die Autobahn und fahren weiter auf der D 100 bis Esme. Hier hatte die Ioverlander App einen Stellplatztipp, der sich als sehr gut erweist. Wir stehen abseits der Straße direkt am Sapanca See und kommen endlich dazu, in Gesellschaft von Enten etwas zu essen. Ein Froschkonzert begleitet uns in den Schlaf.

Amasya, Parkplatz               N 40° 39‘ 15‘‘ / E 35° 49‘ 1‘‘

Amasya

Über Nacht es sich eingetrübt. Beim Frühstück beginnt der Regen, der uns in wechselnder Stärke den ganzen Tag begleiten wird. Wir fahren wieder auf die Autobahn nach Ankara, die wir bei Gerede verlassen und weiter auf der D 100 gen Osten fahren, passieren Ilgaz und Meziform, bis wir nach ca. 550 km Amasya erreichen. Dort waren wir schon einmal auf der Rückreise von unserer Tour durch Armenien und Georgien.

Selfie mit Atatürk

Eine wunderbare Stadt, die der „grüne Fluss“ Yesilirmak durchschneidet und die von einem steilen Burgberg überragt wird, in dessen Felswand sich Felsengräber aus dem 3. Und 2. Jahrhundert befinden. Viele alte Holzhäuser säumen das Flussufer und sind heute zu kleinen Hotels umgebaut. Auf der anderen Seite zieht sich eine Promenade am Fluss entlang. Leider ersticken die engen Straßen inzwischen im Verkehr. Wir flüchten uns vor dem wiedereinsetzenden Regen in ein nettes Restaurant mit Internet, essen leckere Köfte und erledigen unsere Post. Für die Nacht stehen wir auf einem großen Parkplatz nahe der Altstadt. Nur der Muezzin der nahen Moschee sorgt für eine gelegentliche Gesangseinlage.

 

Erzurum, Polat Otel                  N 39° 54‘ 40‘‘ / E 41° 16‘ 19‘‘

Ostanatolische Landschaft

Als wir am frühen Morgen aus unserem Wohnmobilfenster schauen, sehen wir erstens „some sunny spells“ am Himmel und zweitens einen Lieferwagen neben uns der uns völlig blockiert und dessen Fahrer offenbar in der Moschee zum Gebet verschwunden ist. Nach einem Kaffee versuchen wir das Problem mit Hilfe von zwei älteren Türken zu lösen, indem der eine in den unverschlossenen Wagen steigt und am nicht blockierten Lenkrad dreht und der andere mit mir den Wagen vor und zurück schiebt. So schaffen wir eine Lücke, aus der ich dann herausfahren kann. Wir fahren zurück auf die inzwischen sehr gut ausgebaute vierspurige D 100 und machen uns  weiter auf nach Osten. Sonne, Wolken und Regen wechseln sich ab. Es geht durch wilde Schluchten und weite Hochebenen. Die Gegend wird einsamer und man sieht nur noch vereinzelte Dörfer. Auffällig sind viele neu errichtete Stauseen. Die Straße steigt kontinuierlich an und bald erreichen wir den ersten Pass mit 2100 m von dem aus man die schneebedeckten Gipfel des nordanatolischen Hochlandes sehen kann. Ab Erzincan befinden wir uns endgültig im Hochgebirge, die Gipfel liegen alle über 3.000 m. Die Temperaturen fallen und der Regen geht in Schneeregen über. Trotzdem hinterlässt die Landschaft in ihrer majestätischen Größe und Weite einen tiefen Eindruck auf uns.

Ostanatolische Landschaft

Nach 560 km erreichen wir die größte Stadt Nordostanatoliens, Erzurum, die auf einer Höhe von knapp 2000 Metern liegt und von einem Kranz schneebedeckter Gipfel umgeben ist. Bei einer Temperatur von gerade noch 4 Grad gibt das letztlich den Ausschlag, nicht im Auto zu übernachten, sondern ein Hotel mit warmer Dusche aufzusuchen. Unser Reiseführer rät zum Polat Otel. Ordentliches Doppelzimmer mit Frühstück für 140 TL = 27 €. Kaum zu glauben, aber es ist noch keine Saison.

Kars/Ani                         N 40° 30‘ 44‘‘ / E 43° 34‘ 19‘‘

Kloster Haho

Am Morgen begrüßt uns ein strahlend blauer Himmel bei 1° Außentemperatur, und wir sind froh, die Nacht in Hotelbetten verbracht zu haben. Ordentliches Frühstück, Sachen zusammengepackt, 140 TL gelöhnt und los geht’s nach Norden in die wilden Berge der Nordostecke der Türkei, auch „Türkisch Georgien“ genannt, denn historisch gehörte dieser Teil einmal zu Georgien. Daher finden sich hier noch einige Kirchenruinen aus dieser Zeit mit der typischen Zentralkuppel und reicher Aussenverziehrung in Form von Reliefs. Die erste, die wir nach Tortum besuchen, ist die Kirche des Klosters Haho aus dem 10. Jahrhundert am Ende des Dorfes Bagbasi. Sie liegt in einem schönen, von der Klostermauer umgebenden Areal, ist aber in weiten Teilen nur noch eine Ruine. Der Zentralbau wird heute als Moschee genutzt, die Tür ist abgeschlossen. Aber die reichhaltigen Reliefs an den Außenmauern zeugen von ihrer ehemaligen Bedeutung. Am Beginn des Tortum Sees geht es wiederum links ab zur Kirche Öshki im Dorf Camliyamac. Sie steht mitten im Ort, ist wesentlich größer aber insgesamt auch nur noch in Resten erhalten, weist aber im Inneren noch Fresken auf und ist reich verziert. Dann geht es entlang des Tortum Sees, der von einer malerischen Felskulisse umgeben ist. Viele neue Rast- und Picknickplätze wurden angelegt.

Stausee bei Yusufeli

Nach Ende des Sees geht es durch eine wilde Schlucht mit bizarren Felsformationen, bevor wir dann vor Yusufeli nach rechte auf die Straße nach Ardahan und Kars abbiegen. Hier liegt hoch oben im gleichnamigen Bergdorf die Ishan Kirche, die wir uns ersparen, als wir die schmale Straße sehen, die in engen Serpentinen steil den Berg herauf führt. Es geht durch breite Flusstäler, enge Schluchten und zuletzt über karge Hochflächen bis auf 2500 m, auf denen riesige Kuhherden weiden. Dann ist Kars erreicht, ein Ort, den ich immer einmal sehen wollte, seitdem ich Orhan Pamuks Buch „Schnee“ gelesen habe. Entsprechend trostlos, wie im Buch beschrieben, ist der Ort tatsächlich und die umgebenden schneebedeckten Berge erinnern an die langen kalten Winter hier oben.

Ani in der Abendsonne

Wir biegen nun ab nach Ani an der armenischen Grenze und fahren direkt auf den in Armenien gelegenen 4090 m hohen Gora Aragac zu. In der Abendsonne grüßt in der Ferne bereits der weiße Gipfel der Ararat. Nach 35 km ist das Eingangstor der historischen Stadt erreicht. Die Stadtmauern leuchten noch in der Abendsonne. Leider haben die zahlreichen Sonntagsbesucher eine Müllhalde hinterlassen. Wir fragen, ob wir über Nacht auf der Wiese vor dem Eingang stehen können. Kein Problem und ab 19 Uhr ist Stille.

Dogubayazit / Noah City Camping                  N 39° 31’ 14’’ / E 44° 7’ 34’’

Ani

Als wir nach frostiger Nacht bei 5° morgens Aufwachen, qualmt neben uns der Müllcontainer und sämtlicher Abfall des Vortages wird der Müllverbrennung zugeführt. Vorsichtshalber stellen wir uns ein Stück abseits, unsere Gasflaschen brauchen wir noch. Nach dem Frühstück starten wir zum Rundgang durch das weitläufige Areal von Ani, das um 950 von Aschot III zur Hauptstadt des Armenischen Reiches gemacht wurde und nach vielen Überfällen und Zerstörungen endgültig 1319 durch ein Erdbeben ausgelöscht wurde. Drei Stunden lang besuchen wir die noch vorhandenen Reste der Stadt, steigen zur Burg hinauf und werfen einen Blick über den Grenzfluss hinüber nach Armenien. Vor einigen Jahren haben wir auf der anf der anderen Seite gestanden und hinüber in die Türkei geblickt.

Der Ararat 5371m

Die Weiterfahrt über Igdir nach Dogubayazit ist spektakulär, da man ständig auf den über 5100 m hohen Ararat zufährt, der immer näherkommt und sich in der Sonne fast wolkenlos präsentierte. In der Stadt fahren wir hinauf zum Ishak Pasha Palast, der spektakulär auf einem Felsvorsprung über der Stadt thront. Kurz darunter liegt Noah City, ein Picknickplatz und kleiner Vergnügungspark, der auch Camping anbietet (20 TL/ 3,80 € pro Nacht), offenbar der ehemalige Murat Camping. Man steht auf einem der Parkplätze, aber es gibt Stromanschluss und in einem der Zimmer auch eine Toilette mit Dusche, leider kein Internet.

Stellplatz Noah City unterhalb des Ishak Pasha Palastes

Das Restaurant hat den Charme einer Bahnhofshalle und das Essen ist für türkische Verhältnisse relativ teuer. Trotz aller Bedenken – die Wechselstuben sind im Iran momentan von der Regierung gesperrt und es kann kein Geld getauscht werden –  und nach Rücksprache mit unserem iranischen Freund haben wir beschlossen, doch in den Iran einzureisen. Das Problem mit dem Geldwechsel wird sich lösen lassen. Neue politische Probleme sehe ich zur Zeit nicht.

Dogubayazit / Noah City Camping                  N 39° 31’ 14’’ / E 44° 7’ 34’’

Ishak Pasha Palast

Der Vormittag gehört der Besichtigung des Ishak Pasha Palastes, der gerade über uns in der Morgensonne liegt und zu Fuß erreichbar ist und der im 18. Jahrhundert vom gleichnamigen kurdischen Emir zum heutigen Palast ausgebaut wurde. Er ist mit seiner Lage auf einem Felssporn eines der Postkartenmotive der Türkei, für die meisten Touristen aber wegen seiner Lage an der Ostgrenze zu weit entfernt. Dabei wird mir bewusst, dass wir seit Verlassen der Fähre in Griechenland weder ausländische Touristen, noch ein Wohnmobil getroffen haben, ein in Westeuropa inzwischen kaum noch vorstellbarer Zustand. Der Palast ist von außen imposant anzusehen mit mächtigem Eingangsportal.

Türbe von Ishak Pasha

Durch zwei Höfe gelangt man in den Diwan, den Wohnbereich, das Hamam und den Haremsbereich. Die Räume sind alle restauriert, aber nicht möbliert. Zusätzlich gibt es eine integrierte Moschee und im zweiten Hof die prächtig verzierte Türbe (Mausoleum) von Ishak Pasha.Nach ausgiebiger Besichtigung steigen wir noch ein Stück höher, vorbei an den Resten einer Burganlage zur Türbe des kurdischen Dichters und Philosophen Ahmet-i-Hani (1651-1707) hinauf. Von hier oben hat man einen wunderbaren Blick auf die Stadt und den Palast, nur der Ararat fehlt, der sich hinter einem Berggipfel verbirgt. Der Nachmittag dient dann der Vorbereitung des morgigen Tages mit Einreise in den Iran.

Hier geht es zur Weiterreise im Iran

Rückreise

Akdamar „Camping“, Türkei               N 38° 18‘ 31‘‘ / E 43° 2‘ 23‘‘

Eisenbahnlinie Istanbul – Teheran

Wir sind wieder in der Türkei! Der Grenzübertritt war ein Abenteuer. Wir hatten uns für den Rückweg für den Grenzübergang Razi/Kapiköy , der kleiner ist als Dogubeyazit und nur dem Lokalverkehr zwischen Tabris und Van dient, entschieden. Das Beste daran waren die 60 km Anfahrt von Khoy aus durch eine traumhafte Landschaft, vorbei am Ararat und immer begleitet von der Bahnstrecke Istanbul – Teheran, die einmal in der Woche bedient wurde, zur Zeit aber stillgelegt ist. Der kleine Grenzübergang besteht im Wesentlichen aus Containerhütten, die völlig chaotisch organisiert sind. Ich werde von einer zur anderen geschickt, muss diverse Papiere besorgen und abzeichnen lassen, 50 Dollar zahlen, weil Diesel im Iran so billig war, lande schließlich an einen Schiebefenster hinter dem das Carnet des passages bearbeitet wird, dann bei einem freundlichen Polizisten, offenbar der Einzige, der Englisch spricht und dafür sorgt, dass wir Stempel in unsere Pässe bekommen und nach einer Endkontrolle durch den Zoll, der sich sehr für das Innere unseres Wohnmobils interessiert, fahren wir endlich ein paar Meter hinüber in die Türkei.

Der Van See

Dort geht es etwas organisierter zu, erneute Zollkontrolle, Pässe abstempeln, Wagen registrieren, was etwas Probleme macht, da der zuständige Beamte offenbar noch nie eine grüne Versicherungskarte gesehen hat und erst Lesehilfe anfordern muss, und dann nach zwei Stunden – wir glauben es kaum – öffnet sich das Tor und wir sind wieder in der Türkei. Wir empfehlen allen Reisenden den Grenzübergang von Bazargan zu nutzen, da hier die Abfertigung sehr viel professioneller abläuft. Auf einer einsamen vierspurigen Straße fahren wir vorbei an schneebedeckten Dreitausendern nach Van am gleichnamigen See, dem größten der Türkei, entlang des Ufers nach Gevras. Kurz darauf gibt es eine Stellmöglichkeit für uns beim Grand Deniz Turizm, aber die Lage direkt neben der Terrasse eines Restaurants mit lauter Musik gefällt uns nicht.

Armenische Kirche auf der Insel Akdamar im Van See

Einige Kilometer weiter am kleinen Hafen für die Boote zur Insel Akdamar, lockt das Akdamar Restaurant mit einem weiteren Campingschild, was sich aber als einfacher Stellplatz hinter dem Restaurant ohne jede Versorgungseinrichtung erweist, für 2 Euro gerade noch akzeptabel, zumal wir die Möglichkeit nutzen können, am Nachmittag noch mit dem Boot in 20 Minuten zur Insel hinüber zu fahren , um die armenische Heiligkreuzkirche zu besuchen. Sie ist wirklich ein Kleinod, ab 915 erbaut ist sie außen mit reichen Reliefs aus Kalkstein geschmückt und enthält im Inneren noch Reste von Fresken. Am Himmel über dem See haben sich derweil schwarze Wolkenberge aufgetürmt und während wir mit dem Schiff zurückfahren, beginnt es zu regnen.

Adilcevaz am Van See                            N 38° 47’ 40’’ / E 42° 44‘ 55‘‘

Seldschukischer Friedhof bei Ahlat

Ruhige Nacht, Wasser aufgefüllt und weiter entlang des Sees nach Tatavan, vorbei an gelb blühenden Wiesen und über 3000 m hohen Gipfeln. Leider irisches Wetter mit Wechsel von Regen und einigen Sonnenlücken. Viele militärische Straßensperre mit Durchsuchung des Wagens. Wir sind in einer kritischen Region, es ist Kurdengebiet und die Provinz Hakkari ist nahe. Am Ende des Sees biegen wir nach Norden ab und fahren entlang des Ufers bis Ahlat. Am Ortseingang liegt ein großer seldschukischer Friedhof mit Grabstelen aus dem 12 Jahrhundert und einer Türbe. Sehr interessant und sehenswert. Ein Stück weiter entlang am Seeufer liegt Adilcevaz, eine Kleinstadt, wo wir unsere Einkäufe erledigen. Da das Wetter sich gebessert hat, beschließen wir noch eine Nacht am Van See zu verbringen und fahren in einen Nahen Freizeitpark direkt am Wasser, wo die türkischen Mütter die Zeit mit ihren Kindern auf einem Spielplatz verbringen.

Süphan Dagi 4058 m

In der Abendsonne taucht über uns dann plötzlich der schneebedeckte Süphan Dagi aus den Wolken auf, mit seinen 4058 Metern ist er der höchste Berg am Van See. Nach Einbruch der Dunkelheit erste Kontrolle der Pässe durch die Polizei, nach Durchgabe der Passnummern scheint alles in Ordnung zu sein. Um 23 Uhr taucht noch einmal ein Polizeiwagen auf, erneute Passkontrolle, Telefonate, dann „Tamam“, alles in Ordnung. Wir dürfen endlich schlafen.

Malatya, Turgut Özal Tabiat Parki                  N 38° 21‘ 12‘‘ / E 38° 22‘ 58‘‘

Anatolien

Am Morgen zurück nach Tatavan und weiter nach Westen durch Mus und Bingöl. Wir passieren zahlreiche Polizeisperren. Mal wird der Wagen inspiziert und die Pässe kontrolliert, mal werden wir freundlich durchgewinkt. Ab Bingöl enden die hohen Berge und die anatolische Hochebene mit sanften Hügeln, saftigen grünen Wiesen und riesigen Schafherden, die von Nomaden betreut werden, die noch ihre Zelte aufgeschlagen haben, breitet sich vor uns aus. Die Straße ist hervorragend vierspurig ausgebaut und es herrscht wenig Verkehr, so dass wir die wunderbare Landschaft genießen können. In Elazig angekommen, machen wir einen Abstecher in die alte Stadt Harput, in der noch einige alte Gebäude liegen, ansonsten ist sie heute mehr ein nahes Ausflugsziel von Elazig mit viel Umtrieb, zum Übernachten nicht geeignet.

Anatolien

Also weiter nach Malatya, dem Zentrum des Aprikosenanbaus in der Türkei.Das Wetter wird schlechter und es beginnt in Strömen zu regnen. Wir schauen nach Restaurants und Tankstellen am Weg, finden aber nichts Geeignetes. Kurz vor der Stadt gibt es dann Hinweisschilder zu einem Freizeitpark am See mit Restaurants und vielen Grillplätzen. Wir bleiben dort, in der Hoffnung, dass die Polizei uns zufrieden lässt.

Göreme, Kaya Camping                        N 38° 38‘ 13‘‘ / E 34° 51‘ 15‘‘

Die Morgensonne weckt uns und nicht die Polizei, die uns schlafen ließ. Wir machen uns auf den Weg nach Kayseri, ein ordentliches Stück von über 300 km. Da die Straße aber bestens ausgebaut ist und kaum Verkehr herrscht, kann ich entspannt die schöne Landschaft genießen. Die  Berge Ostanatoliens gehen nun langsam zurück und es öffnet sich eine karge Hochebene, die stellenweise einer Mondlandschaft gleicht, in der aber immer wieder grüne Oasen um ein kleines Dorf auftauchen. Ich liebe diese anatolischen Landschaften mit ihren Farben, Formen und ihrer Weite. Kurz vor Kayseri liegt neben der Straße eine alte Karawanserei (Karatay Han). Hier ging einst ein Ast der Seidenstraße entlang und nach der Stadt liegt stoßen wir auf eine weitere. Wie viele andere ist auch Karatay Han inzwischen zu einem Hotel und Restaurant umgewandelt worden.

Karawanserei

Gegen eine kleine Gebühr können wir sie aber besichtigen und sind als einzige Gäste sogar sehr willkommen, da gerade Werbeaufnahmen gemacht werden und Publikum dringend erwünscht ist. Es ist ein großer rechteckiger Bau, der von einer hohen Mauer umgeben ist, einen Innenhof, eine offene Halle für Tiere und Händler im Sommer und eine geschlossene Halle für den Winter bereithielt. Sogar eine kleine Moschee und ein Hamam sind integriert. Wir passieren die Großstadt Kayseri auf der Umgehungsstraße, nicht ohne uns daran zu erinnern, dass unsere erste Reise in Türkei uns in die Stadt geführt hat. Der Gipfel des Erciyes Dagi mit fast 4000 m Höhe beherrscht das Stadtpanorama. Zum Fotografieren halte ich auf dem Seitenstreifen vor einem Kleinwagen. Plötzlich ertönt eine Lautsprecherstimme daraus und ein Passant bedeutet mir wegzufahren.

Kaya Camping Göreme

Es war der Radarwagen in dessen Messstrahl ich stand. Die übrigen Verkehrsteilnehmer werden es mir hoffentlich gedankt haben. Bei Kayseri verlassen wir nun auch Ostanatolien, die Verkehrskontrollen sind bereits deutlich weniger geworden, und wir fahren nun nach Kappadokien. Nach Göreme kommen wir nun schon das dritte Mal, aber hier ist der einzige Campingplatz weit und breit.Und Kaya Camping auf dem Berg oberhalb des Ortes mit phantastischer Aussicht, ist auch hervorragend ausgestattet. Dass wir zusammen mit einem bulgarischen Pärchen die einzigen Gäste sind, demonstriert den Rückgang des Tourismus in der Türkei. Wir aber genießen Komfort und die Ruhe des ersten Campingplatzes seit vier Wochen.

Göreme, Kaya Camping                        N 38° 38‘ 13‘‘ / E 34° 51‘ 15‘‘

Im Meskendir Tal

An einem strahlenden Sonnentag machen wir uns auf zu einer dreistündigen Wanderung durch das Meskendir Tal, das direkt von unserem Camping aus erreichbar ist. Zunächst steil und sehr eng geht es durch die Felsen mit den Resten von Wohnhöhlen, Kirchen und Taubenschlägen, später weitet sich das Tal Richtung Cavusin. Nach einem frisch gepressten Orangensaft machen wir kehrt und kehren vorbei an Göreme beim „Open Air Museum“ zurück zur Straße. Dort werfen wir noch einen Blick in die Tokali Kilise (Kirche mit der Schnalle), die noch schöne Fresken enthält, die gerade restauriert werden. Gegen ein Bakschisch lässt der Wärter mich auch ein paar Aufnahmen machen. Am Nachmittag gehe ich zu Fuß nach Ortahisar zum Einkauf, der Rest des Tages gehört der Wäsche, unseren Büchern und dem Sonnenuntergang.

 

Göreme, Kaya Camping                        N 38° 38‘ 13‘‘ / E 34° 51‘ 15‘‘   

Im Gökündere Tal

Am Morgen fahren wir mit dem Wagen bis kurz vor Göreme und brechen zu einer Wanderung in das Görkündere Tal auf in dem einige der bekannten steinernen Phalli stehen. Ein reiches Betätigungsfeld für die Fantasie von Frauen (postklimakterisch sehen sie nur noch Zwerge mit Mütze). Wir kraxeln zwischen den Feentürmen herum, gehen dann zurück zu einem Besuch der in den Felsen geschlagenen El-Nazar-Kirche, die noch Freskenreste enthält. Dann noch ein Abstecher  in das Zemi Tal, das allerdings nicht besonders lohnend ist.

Der Burgfelsen von Ortahisar

Dann fahren wir wieder mit dem Wagen den Berg hinauf nach Ortahisar und werfen einen Blick auf den ortsbeherrschenden Burgfelsen. Zuletzt noch ein Abstecher zum „Sunset Point“ an dem am Abend ganze Busladungen mit Asiaten den Sonnenuntergang betrachten. Der Tourismus hat in Göreme enorm zugenommen und das Stadtzentrum besteht nur noch aus Restaurants und Souvenirgeschäften. Morgens fallen Busladungen voller Urlauber von der Küste her ein, verbringen hier eine Nacht und dann geht es nach einem Ballonflug am Morgen wieder zurück. Wir besuchen am Nachmittag noch die gegenüber vom Camping gelegene Ayanli Kirche, die mehrere Räume enthält, ansonsten aber bis auf Ornamente schmucklos ist.

Yassihöyük bei Polatli             N 39° 39‘ 2‘‘ / E 31°59‘ 44‘‘

Am großen Salzsee

Am Morgen verabschieden wir uns von unseren Nachbarn aus Kaiserslautern und machen uns über Nevshehir auf dem alten Karawanenweg Uzunyol auf nach Aksaray. Unterwegs passieren wir mehrere Karawansereien. Dann wenden wir uns entlang des großen Tuz Gölü (Salzsee) nach Norden Richtung Ankara. Am See machen wir Halt am großen Touristenstopp mit riesigem Souvenirshop, der überwiegend von asiatischen Busladungen bevölkert wird, die stolz im flachen Salzwasser posieren. Vor Ankara biegen wir wieder nach Westen ab und halten für eine Kaffeepause im kleinen Ort Temelli. Dort gesellt sich ein junges türkisches Pärchen zu uns, das wir zum Kaffee einladen. Sie empfehlen und doch bei Polatli das Midas Grab und das Museum zu besuchen, ein doppelt lohnender Tipp. Das Museum zeigt Objekte aus der Geschichte der phrygischen Stadt Gordion, Sitz des Königs Midas. Wir kennen ihn als goldreichen König und die Geschichte vom gordischen Knoten.

Midas Tumulus in Gordion

Sein Grab liegt unter einem Tumulus und besteht aus einer gut erhaltenen Holzkonstruktion. Der zugehörige Parkplatz liegt zwischen Museum und Jandarma (Polizeiposten). Dort frage ich, ob wir über Nacht dort bleiben können, was offenbar kein Problem ist. Ideal, ablegen, ruhig und bewacht von der Polizei. Nach dem Abendessen gehe ich zum einzigen kleinen Laden im Dorf, um noch ein Brot zu kaufen. Leider alle ausverkauft bedeutet mir der Besitzer. Als das ein vor dem Eingang sitzender Fahrer eines Kleinlasters hört, geht er an seinen Wagen, nimmt ein Brot heraus und schenkt es mir. Türkische Gastfreundschaft!

Düzler/Erdek, Ant-Camping am Marmarameer      N 40° 23‘ 18‘‘ / E 27° 51‘ 12‘‘

Ein Fahrtag bis ans Marmarameer liegt hinter uns. Der Morgen begann allerdings mit einer Umrundung des Ausgrabungsgeländes der Akropolis von Gordion. Viel ist nicht zu sehen, einige Mauerreste des Eingangstors und der Terrassen, die meisten Fundstücke sind im Museum in Ankara.

Camping auf der Halbinsel Erdek

Dann machen wir uns durch eine eher öde und langweilige Landschaft auf nach Eskisehire, umrunden die riesige Stadt Bursa auf der Autobahn und biegen nach Bandirma ab zur Halbinsel Erdek im südlichen Marmarameer. Hier liegen vor dem gleichnamigen Städtchen mehrere kleine Campingplätze hintereinander, die wohl in erster Linie türkischen Urlaubern dienen. Wir entscheiden uns für den in unserem Führer empfohlenen Ani Camping für die letzte Nacht in der Türkei. Heute hat der Ramadan begonnen un in Deutschland die Pfingstferien.

Imeros, GR                    N 40° 56‘ 15‘‘ / E 25° 21‘ 21‘‘

Weiter entlang des Marmarameers nach Westen, bis wir bei Lapseki die Dardanellen erreichen und sie mit der Fähre nach Gelibolu für 12 Euro in 30 Minuten überqueren. Während der Fahrt denken wir noch einmal an die Schlacht des ersten Weltkriegs, die hier Tausenden Engländern, Franzosen, Amerikanern und Australiern das Leben gekostet und Kemal Atatürk zum Helden gemacht hat. Über Keshan ist es nicht mehr weit bis zur Grenze, an der eine endlose Lastwagenschlange auf die Abfertigung wartet. Für uns geht es rasch und ohne Probleme durch den Zoll und nach 30 Minuten sind wir wieder in der EU.

Stellplatz am Imeros Beach

Vorbei an Alexandropoulos wendenwir uns bei Komitini nach Süden und fahren einem Tipp unserer Womo Nachbarn aus Göreme an die Küste bei Imeros. Hier gab es wohl mal einen Campingplatz, der aufgegeben wurde und wir haben die ehemaligen Stellplätze am Strand für uns alleine. Zum Abendessen fahren wir noch einmal ins Nachbardorf. Souvlaki satt mit großer griechischer Salatplatte und ein halber Liter Wein – der erste seit vier Wochen – für schlappe 15 €. Rechtzeitig zum Sonnenuntergang sind wir wieder zurück am Strand.

 

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