Iran 2018

Reiseroute

 

Willkommen im Iran

 

 

 

 

 

Qarah Kelisa  (Thaddäuskloster), Iran          N 39° 5‘ 32‘‘ / E 44° 32‘ 37‘‘

Thaddäuskloster

Um 6:30 Uhr aufgestanden, im Iran ist es jetzt schon 8:00 Uhr. Nur ein Kaffee, um 10 Uhr sind wir an der Grenze und nach 1 ½ Stunden im Iran. Der Grenzbetrieb hielt sich in Grenzen, wir mussten nicht warten. Bereits auf türkischer Seite kann Geld gewechselt werden und wir tauschen unsere türkische Lira, auf iranischer Seite noch einmal 200 Dollar. Bei den Türken nur Stempel in den Pass und kurze Wagenkontrolle beim Zoll. Auf iranischer Seite ist es unübersichtlicher. Gemeinsam mit einer jungen Schwedin werden wir an der Schlange der wartenden Busreisenden vorbei geschleust. Pässe gestempelt, dann werden wir von der netten Dame der Touristinfo befragt und informiert. Der Zoll will unser Auto nicht kontrollieren, er ist mit dem Filzen eines Reisebusses beschäftigt. Dann Carnet an mehreren Tischen abzeichnen lassen, mit einem Zettel zum Ausfahrttor, noch eine Unterschrift und dann heiß es: „“Wellcome in Iran“, ein Traum ist für mich in Erfüllung gegangen! Über Maku fahren wir nach Shot. Meine Beifahrerin navigiert mich mit Hilfe von Maps Me, was prima funktioniert. Dort besorge ich mir eine iranische Simkarte. Am Nachmittag sind wir dann an einem der ältesten armenischen Klöster, das dem heiligen Thaddäus geweiht ist und einsam zwischen den Bergen liegt. Es besteht aus einem älteren in dunklerem Stein gehaltenen Altarraum und einem neuerem Anbau aus hellerem Stein, der reich mit Ornamenten und Flachreliefs verziert ist.

St. Zakareh Kirche

Nach der Besichtigung findet sich an der Klostermauer ein schöner Platz für die Nacht. Wir machen noch eine kleine Wanderung zur nahen St. Zakareh Kirche und der daneben auf einem Hügel liegenden kleinen Kapelle von der man einen wunderbaren Blick auf das Kloster hat.  In der Abendsonne genießen wir entspannt das Ende dieses besonderen Tages.

Bei Zornus                                   N 38° 36‘ 54‘‘ / E 45° 49‘ 4‘‘

Grenzfluss Aras zu Nachitshevan

Absolut ruhige Nacht an der Klostermauer auf 1900 m Höhe bei gerade noch 1 Grad am Morgen. Zum Frühstück fahren wir in die Sonne. Abschied von unserem freundlichen Eingangswächter. Wir fahren zurück nach Shot zum Einkauf und zur Klärung des Handyproblems, das dann nach eingehender Beratung und telefonischer Rücksprache mit einem englischsprachigen Bekannten endlich funktioniert. Mit Lexikon in der Hand klappern wir dann die Miniläden ab, bis wir alles Nötige zusammen haben, um nicht zu verhungern. Es ist schon ein Unterschied ob man sich selbst verpflegen und seinen Weg suchen muss, oder mit Fremdenführer unterwegs ist und im Hotel übernachten kann. Aber es ist spannend und macht Freude, wenn etwas gelungen ist, und man hat viel Kontakt mit Einheimischen, die alle sehr hilfsbereit sind.

Kloster St. Stephanus

Wir fahren nun an die Grenze zu Nachitshevan, einer Exklave von Azerbaidschan und immer am Grenzfluss Aras entlang, bis wir zum Kloster St. Stephanus kommen.Hier waren wir vor drei Jahren schon einmal, allerdings im strömenden Regen. Heute bei strahlendem Sonnenschein, bietet sich ein ganz anderer Anblick. Die Anlage hat sich im Verglich zu vor drei Jahren mächtig herausgeputzt, es hat wohl neues Geld von der UNESCO für das Weltkulturerbe gegeben. Wir genießen nach der Besichtigung ein erstes Eis und einen Kaffee in der Sonne. Weiter nach Jolfa, einer der vielen Freihandelszonen im Iran. Auf der Weiterfahrt nach Marand wird es Zeit nach einem Übernachtungsplatz Ausschau zu halten. Wir biegen von der Hauptstraße nach Zornuz ab und finden in einem Seitental ein nettes abgelegenes Plätzchen. Es geht nicht lange, dann erscheint die Polizei und kontrolliert uns. Nach Passkontrolle und Rücksprache mit dem Chef, dürfen wir bleiben. Wir stehen hier jetzt also mit offizieller Genehmigung.

Soltaniyeh                                               N 36° 25‘ 36‘‘ / E 48° 48‘ 4‘‘

Mausoleum des Oljeitu

Über Nacht hat es sich bewölkt und später beginnt es zu regnen. Gut für einen Fahrtag in Richtung Teheran. Wir verlassen unser ruhiges Plätzchen, fahren nach Marand und vorbei an Täbriz, deren „Blaue Moschee“ wir schon vor drei Jahren besichtigt haben, auf die Autobahn nach Teheran, die gebührenpflichtig ist. An zwei Mautstellen wird uns als ausländischen Besuchern die Gebühr mit einem freundlichen Lächeln erlassen, typisch Iran, für den Rest zahlen wir noch 50 Cent. Die Straße ist in keinem besonders gutem Zustand und führt durch die Berge bis über 2000 Meter Höhe. Ich fahre Tanken, was nur an gesonderten Tankstellen für LKW möglich ist, denn nur diese fahren mit Diesel, PKW mit Benzin. Für 40 Liter Diesel zahle ich 4 Euro, Traumpreise. Bei Zajan verlassen wir die Autobahn und fahren in das nahe Städtchen Soltaniyeh um das dortige Mausoleum des Oljeitu, eines ilkhanidischen Herrschers, der hier seine Sommerresidenz hatte, zu besichtigen. Er hat das prächtigen 51 Meter hohe Bauwerk bereits zu seinen Lebzeiten errichtet und starb 1315. Heute gehört es zum Weltkulturerbe und ist stark renovierungsbedürftig. Der Innenraum mit einem Durchmesser von 25 Metern ist vollständig eingerüstet.

Deckenschmuck der oberen Balustrade

Besonders sehenswert ist aber die Balustrade des zweiten Stockwerks deren Decken reich mit Stuck verziert sind und man hat von dort einen wunderbaren Rundblick über die Stadt. Von dort machen wir auch zwei mögliche Übernachtungsplätze aus. Der erste, das Mausoleum von Molla Hasim Kashi, erweist sich als ungeeignet. Nun stehen wir am Tappeh Nur, einem prähistorischem Grabturm, etwas außerhalb der Stadt. Denkste! Kaum ist es dunkel kommt ein Polizeimotorrad und erklärt in Zeichensprache, dass wir dort nicht stehen dürfen, ob aus Sicherheitsgründen oder weil wir auf einem Ausgrabungsgelände stehen bleibt uns unklar. Motorrad fährt voraus und wir folgen. Sie weisen uns einen Platz vor dem Eingang des Oljeitu Mausoleums direkt vor ihrer Wache zu, leider direkt an der Hauptstrasse.

Am Strand von Chalus             N 36° 41‘ 4‘‘ / E 51° 25‘ 45‘‘

Frühstück

Es war erstaunlich ruhig in der Nacht, bis auf einige heftige Regenschauer. Wir fahren auf der Landstrasse nach Quazvin, wo vor drei Jahren unsere Reise begonnen hat. Hier erfahren wir die unterschiedliche Reiseperspektive besonders deutlich. Eigentlich wollten wir hier einkaufen, aber die Straßen sind total verstopft, der Verkehr quält sich durch die Stadt, die ich viel kleiner in Erinnerung hatte, kein freier Parkplatz ist zu finden und ohne „Maps Me“ wären wir aufgeschmissen.

Im Elbursgebirge

Erst am Ende der Stadt finden wir einen freien Platz und können unsere Einkäufe doch noch erledigen und leckeres Fladenbrot frisch aus dem Ofen kaufen. Wir beschließen unseren Ausflug zu den Ruinen der Festung Alamut, der je zwei Stunden hin und zurück benötigt, zu streichen, denn die Sicht ist heute schlecht und die Aussicht vom Bergkamm bis hinunter zum Kaspischen Meer nicht möglich.Also zurück auf die Autobahn nach Teheran. Bei Kalaj wollen wir ins Elbursgebirge abbiegen um es zum Kaspischen Meer zu queren, fahren aber eine Ausfahrt zu früh aus und müssen uns durch die ganze Stadt mit dichtem Verkehr quälen. Endlich ist es geschafft und wir queren das Gebirge auf einer absolut spektakulären Straße über mehr als 160 km.

Am Kaspischen Meer bei Chalus

Tiefe Schluchten mit engen Felswänden, enge Serpentinen, die bis auf 2600 m führen, verschneite Gipfel von über 4800 m, mehrere Stauseen und unzählige Restaurants und Picknickplätze begleiten uns dabei. Eine der eindrucksvollsten Straßen, die ich bisher gefahren bin.Gegen Abend ist Chalus am Kaspischen Meer erreicht und wir finden einen Platz am Strand auf dem die Polizei uns hoffentlich ungestört lässt. Wir genießen den Sonnenuntergang und beobachten die Hochzeitspaare, die sich hier ablichten lassen.

 

Abba Shabad bei Beshar                      N 36° 39‘ 50‘‘ / E 53° 35‘46‘‘

Reisanbau am Kaspischen Meer

Ruhige Nacht am Strand, es ist bedeckt und später setzt etwas Regen ein, nicht ungewöhnlich am Kaspischen Meer. Wir fahren weiter nach Osten. Was sich auf der Karte als schöne Küstenstraße darstellt, erweist sich in der Realität als durchgehende Ladenstraße mit viel Verkehr und nur seltenem Zugang zum Strand. Die Iraner sind mehr an Shopping als am Strandleben interessiert, entsprechend sieht es aus, dazu zahlreiche Bauruinen, wie wir sie aus den südlichen Ländern Europas kennen. Erster Halt im kleinen Sisangan Naturpark hinter Nowshar. Der Eintritt wird uns mit den Worten „you are our friend„ erlassen, der Beginn der ausgiebigen Erfahrung, die wir heute mit der iranischen Gastfreundschaft gemacht haben. Im Park stehen riesige alte Buchen, Eichen und wilder Granatapfel. Leider regnet es und wir machen nur einen kurzen Spaziergang durch den Wald.  Dann quälen uns durch die Großstädte Amol, Babol  und Sari und Anngrit verliert dabei wieder einige Jahre ihres Lebens. Immerhin gelingt es uns für einen Kaffee einen Platz am Meer zu finden. Plötzlich hält ein Pickup neben uns, der auf seiner Ladefläche Fässer mit eingelegten Oliven geladen hat, der Fahrer kommt ans Auto und bittet uns mit Handzeichen um ein Gefäß. Darin füllt er dann als Geschenk für uns die leckersten Oliven ab, die ich je gegessen habe, eingelegt in einer braunen Creme und mit einer scharfen roten Paste gekrönt. Wir entfernen uns jetzt vom Kaspischen Meer und halten in Beshar, weil wir uns vorstellen an der dortigen Gartenanlage Baq Melli für die Nacht stehen zu können. Das erweist sich als falsch, denn der Eingang liegt ohne jede Parkmöglichkeit direkt an der Hauptstraße. Dann irren wir etwas ratlos durch die Stadt auf der Suche nach einem Übernachtungsplatz, bis ein Auto neben uns hält und der Fahrer uns fragt, ob er uns helfen kann. Wir schildern ihm unser Problem und er meint, am besten sei es, wenn wir zu ihm nach Hause kämen, er und seine Frau würden sich freuen uns als Gast zu haben. Angesichts des uns bekannten iranischen Höflichkeitsrituals Taroft lehnen wir dankend ab.

Stellplatz am SeeAbba Shahbad

Dann würde er uns den alten Palast von Shah Abbas I, der einige Kilometer in der Bergen liegt empfehlen. Wir fahren hoch und finden einen bewachten Picknickplatz mit einigen Restaurants und wenigen Ruinen des ehemaligen Palastes an einem kleinen See vor, der perfekte Platz für die Nacht. Am Eingangsschalter wird uns die Eintrittsgebühr erlassen und wir werden freundlich durchgewinkt. Zum krönenden Abschluss schenkt uns dann noch eine Picknickgruppe einige Orangen. So viel Gastfreundschaft an einem Tag beschämt uns, wenn wir bedenken, wie wir in Deutschland mit fremden Gästen umgehen.

Bastam, ITTIC Hotel                                  N 36° 29‘ 6‘‘ / E 54°59’ 35’’

Gonbad-e Kavus

Nach dem Frühstück bekommen wir mal wieder Besuch von der Polizei, die freundlich um Pässe und Wagenpapiere bittet und sie im nahen Restaurant kopiert. Dann können wir fahren. Die Polizei dein Freund und Helfer, hoffentlich auch im Iran. Wir fahren weiter nach Osten über Gorgan, bis nach Azad Shar. Dort biegen wir ab nach Gonbad-e Kavus, nicht weit der turkmenischen Grenze. Es ist Das Zentrum der im Iran lebenden Turkmenen, was unschwer am Gesichtsausdruck zu erkennen ist. Die Frauen tragen farbige Kopftücher mit Blumenmuster. Die einzige Sehenswürdigkeit der Stadt, dafür aber Weltkulturerbe, ist der Grabturm Gongad-e Quabus, ein zylindrischer, schlichter, 55 Meter hoher Ziegelturm, der 1006 auf Veranlassung des Ziyariden Fürsten Ibn Wushmgir errichtet wurde. Schlank und schlicht steht er auf einem Hügel am Ende der Durchgangsstraße. Wir sitzen auf einer Bank, essen mit Kartoffeln gefülltes Fettgebackenes und betrachten die Menschen. Diese aber vor allem uns, offensichtlich sind wir die ersten Touristen in dieser abgelegenen Stadt, die Neger von Gonbad-e Kabus. Dies ist der östlichste Punkt unserer Reise.

Turkmenische Familie in Gonbad-e Kavus

Den ursprünglichen Plan noch weiter bis Mashad zu fahren haben wir aufgegeben, es wären noch einmal ca. 600 km weiter gen Osten, einfach zu viel Fahrerei. Also biegen wir nach Süden ab und queren erneut das Elburz Gebirge, das hier schon etwas abgeflacht ist. Zwischen Bergen breiten sich weite Täler aus, in denen sogar Reisanbau möglich ist. Die erste Stadt, die nach dem Gebirge erreicht wird ist Bastam, klein und überschaubar. Die Hauptsehenswürdigkeit ist das Bayazid Mausoleum, das aus mehreren Gebäuden besteht, die zwischen 900 und 1300 erbaut wurden und die man durch ein eindrucksvolles mit Fliesen geschmücktes Portal betritt. Vom Innenhof geht man ins Mausoleum mit dem Sarkophag von Sheikh Beyazid. In einem Nebenraum findet sich ein Stuckmihrab und Stuckdekor an den Wänden.

Bayazid Mausoleum in Bastam

Nicht weit entfernt davon liegt das Bastam Tourism Hotel bei einem kleinen Park. Eigentlich wollte ich nur fragen, ob wir auf ihrem Parkplatz übernachten oder ein Hotelzimmer mit Euro oder Dollar bezahlen können, treffe an der Rezeption  aber eine deutschsprachige Reiseführerin, die eine kleine Gruppe begleitet und mir anbietet das Zimmer mit Ihrer Kreditkarte zu bezahlen. Ich gebe ihr dafür 50 Euro und wir haben mal wieder eine Dusche. Später tauscht sie mir noch 200 Euro in Rial  und wir haben jetzt für den Rest der Zeit im Iran genügend Geld.

Jandaq in der Dasht-e Kavir                N 34° 2‘ 22‘‘ / E 54° 25‘ 8‘‘

Die Moschee Tarikhaneh in Damghan

Heute ist der Geburtstag des 12. Imam und überall werden die Straßen geschmückt, es werden Essen und Getränke verteil und es wird gefeiert. In der Nacht habe ich mir überlegt unsere Route zu ändern. Nachdem unser iranischer Freund mir bestätigt hat, dass er mit seiner Gruppe ab übermorgen in  Esfahan ist, beschließen wir durch die Wüste Dasht-e Kavir nach Nain und weiter nach Esfahan zu fahren, um ihn dort zu treffen. Man muss immer schauen, dass man die richtige Tankstelle erwischt, denn sie sind nach Benzin für die PKW und Diesel für die LKW getrennt und häufig auch an unterschiedlichen Orten. Mit vollem Tank für 6 Euro geht es dann zunächst nach Damghan, das noch an der Hauptstraße nach Teheran liegt. Dort befinden sich die Reste der ältesten Moschee Tarikhaneh im Iran, die um 760 gebaut wurde. Gewaltige Säulen tragen die Halle mit Mirab und Reste eines Arkadengangs. Daneben steht ein Minarett von 1026. Nicht weit entfernt befindet sich ein seldschukisches Minarett mit blauem Ziegelband von 1058. Ein freundlicher Autofahrer geleitet uns wieder aus der Stadt hinaus auf die Straße, die in eine der beiden Wüstenregionen Irans, die Dasht-e Kavir, die große Salzwüste führt.

Kamele am Wasserloch

Zunächst wachsen noch stachlige Grasbüschel und an einem Wasserloch treffen wir auf einige Kamele, die ihren Durst stillen, dann wird es bergig und wir queren auf 2200 m Höhe den Kuh-e Darestan. Ab dem kleinen Ort Moallem zieht sich dann eine endlose, flache, mit Salzkruste bedeckte Sandfläche bis Jandaq hin, wo es mit dem Rashid Kuh wieder bergiger wird. Wir versuchen noch einen Abstecher nach Mesr mit seinen Sanddünen zu machen, wo wir vor drei Jahren mit Soruh waren, geben nach 10 km Wellblechpiste aber auf und beschließen am östlichen Ortsrand von Jandaq zu bleiben. Kurzer Besuch der Polizei, die einverstanden ist, dass wir hier über Nacht stehen.

Nain, Jame Masjid                    N 32° 52‘ 5‘‘ / E 53° 5‘ 17‘‘

Wüstenlandschaft

Gestern Abend sind wir noch einmal umgezogen in eine ruhigere Ecke. Offenbar standen wir nahe der Festhalle für die Feierlichkeiten zum Geburtstag des 12. Imam,  und alle Gäste schienen mit Motorrad und Moped zu kommen. So haben wir ruhig geschlafen und sind am morgen weiter durch die Wüste gefahren. Wer meint, dass es dort nur Sand gibt irrt, wir queren wunderbare Gebirgszüge mit Felsformationen in allen Formen und Farben bis wir nach Anarak kommen, wo ich tanken kann. Dann geht es in die Kleinstadt Nain, wo wir zwar schon einmal waren, aber die alte Freitagsmoschee nicht besucht haben. Das holen wir heute nach, gemeinsam mit vielen Tourgruppen, die hier einen Zwischenhalt auf dem Weg nach Esfahan einlegen.

Mirab und Minbar in der Freitagsmoschee von Nain

Alte Moschee ohne Fliesenschmuck, aber mit einem wunderbaren Stuckmirab und einem holzgeschnitzten Minbar. Gegenüber liegt das Pirnia Haus, ein alter Stadtpalast, in dem das bescheidene ethnologische Museum untergebracht ist. Die Räume mit Innenhof sind interessanter als die Ausstellungsstücke. Rundgang zur Burg und Besuch des Imamzadeh Mausoleums. Dann fahren wir zum nahen Mohamadiye mit seinen unterirdischen Knüpferwerkstätten und dem schönen Wasserspeicher, an dem wir auch unsere Vorräte auffüllen. Der Versuch mit Hilfe des Postkartenverkäufers ein Internetcafé zu findet scheitert, angeblich wegen Feiertag kein Internet. Nun stehen wir auf dem Parkplatz der Freitagsmoschee, vor der auch heute wieder anlässlich des Feiertages, Getränke und Süßigkeiten verteilt werden und entsprechender Betrieb herrscht.

Esfahan, am Zayandeh Rud                 N 32° 38‘ 20‘‘ / E 51° 42‘ 4‘‘

Trockenes Flussbett mit Pol-e Khaju Brücke

Die ersten Besucher der Moschee am Morgen sind Österreicher mit Wohnmobil, das erste, das uns seid Griechenland begegnet. Man merkt, dass wir in touristische Gebiete kommen. Für mich ist interessant, dass sie ohne Probleme in der Türkei am Vansee, unserem möglichen Rückweg, entlanggefahren sind. Dann machen wir uns auf nach Eshahan. Sorush hat uns einen Google Maps Link zu einem Parkplatz am jetzt trockenen Fluss Zayandeh Rud geschickt. Die Parkplätze sind alle sehr voll, da die iranischen Familien noch Picknick machen. Wir finden aber  noch ein freies Eckchen für uns und machen uns auf, entlang des Flusses die beiden Brücken Pol-e Khaju und Si-o-se Pol zu besuchen.

Si-o-se Pol Brücke

Es ist schwül warm, der Himmel verdunkelt sich und es beginnt leicht zu regnen. Zurück am Parkplatz gibt es viele freie Plätze, die Familien sind vor dem Regen geflüchtet. Wir suchen uns einen guten Platz für die Nacht, abseits der Maulbeerbäume und bekommen noch Besuch von einer netten iranischen Familie. Das übliche Procedere: Gruppenfoto machen, Familienbilder zeigen und Adressen tauschen. Mal sehen, ob da was zurückkommt. Um 18 Uhr steht plötzlich Sorush vor unserem Wagen, große Freude! Wir trinken erst einmal einen gemeinsamen Kaffee. Leider ist seine Großmutter vor wenigen Tagen gestorben und er muss für diverse Zeremonien bei seiner Familie sein.

Besuch von Sorush

Wir fahren gemeinsam mit seinem neuen Wag zum Meydan-e Imam und schlendern durch den Basar. Kurzer Blick auf die eingerüstete Kuppel der großen Moschee, den Ali Quapu Palast, dessen Terrasse jetzt geöffnet ist und auf die Lotfalla Moschee, meine Lieblingsmoschee, dann geht es zum gemeinsamen Essen mit Sorushs Freundin in ein traditionelles Restaurant, ein ehemaliges Hamam mit lauter Livemusik, aber sehr stimmungsvoll.

Malayer                                   N 34° 17‘ 53‘‘ / E 48° 49‘ 57‘‘

Etwas unruhige Nacht auf dem Parkplatz, da noch Feuer gemacht und Musik gehört wurde. Immerhin hat die Polizei uns zufrieden gelassen. Wir suchen uns den Weg hinaus aus der Stadt um auf die richtige Straße nach Hamadan zu gelangen. Dann geht es wieder hinein in die Berge bis fast auf 3000 m Höhe, spätes Frühstück, Tanken, bis wir Malayer ca. 90 km vor Hamadan erreichen. Hier soll es einen Park geben und wir hoffen dort einen Platz für die Nacht zu finden. Er liegt auf einem Hügel oberhalb der Stadt und durch ihn hindurch führt ein ständiger Autokorso, kein Ort zum Bleiben. Wir stehen etwas ratlos herum, als uns Kasra anspricht, ob er uns helfen kann.

Kasra mit Freunden in Malayer

Er lädt uns ein, mit ihm zu kommen und mit unserem Wagen bei seinem Haus zu stehen und natürlich sind wir zum Essen bei seiner Familie eingeladen. Wir willigen ein und machen zunächst gemeinsam mit drei weiteren Freunden von ihm einen Stadtrundgang, der nichts wirklich Interessantes bietet, bis auf den Besuch eines Musikgeschäftes dessen Besitzer uns verschiedene Instrumente präsentiert und vorspielt. Wir bekommen Getränke serviert und zum Schluss die Miniantur einer Laute als Geschenk.Irakische Gastfreundschaft! Dann gehen wir zum Appartement der Familie, das sie erst vor wenigen Wochen bezogen hat. Uns verschlägt es fast die Sprache, ein Riesenraum mit 12 protzigen Stühlen mit goldener Lehne und zwei Sofas, davor ein riesiger Fernseher und ein Esstisch mit passenden Stühle, eine für reiche Iraner sehr typische Einrichtung.

Iranisches Interieur

Anwesend sind außer Kasra seine Frau, seine Schwester mit Sohn, sein Bruder und die Eltern. Wir essen gemeinsam Khoresht Qormesabsi mit Reis, dazu Salat, Joghurt und Oliven. Außerdem gibt es zum Tee Obst, Eis, Nüsse, getrocknete Feigen und Melone. Leider spricht außer Kasra niemand Englisch, so dass er ständig übersetzen muss. Immerhin kann ich mich mit dem Vater über Fußball verständigen, Jogi Löw ist im Iran  eine feste Größe und im Fernsehen taucht plötzlich Winni Schäfer auf, der zur Zeit offenbar recht erfolgreich einen iranischen Verein trainiert. Um 23 Uhr verabschieden wir uns herzlich und überreichen ein paar kleine Geschenke. Leider stehen wir mit dem Wagen vor dem Haus der Gastgeber sehr schräg, ein besserer Platz zum übernachten, den wir am folgenden Morgen sehen, ist ein kleiner Park mit Picknickplätzen und einem Teich am Ortsausgang Richtung Hamedan N 34° 18‘ 54‘‘ / E 48° 47 ‚ 15‘‘.

Kamyaran                               N 34° 47‘ 27‘‘ / E 46° 55‘ 40‘‘

Imam Chomeini Platz in Hamedan

Wir starten am Morgen Richtung Hamedan, das wir gegen Mittag erreichen. Parken gegen Gebühr auf einem engen Hotelparkplatz. Es müssen erst noch ein paar Äste eines Baumes gekappt werden bis wir hinein passen. Dann gehen wir zu Fuß ins Zentrum. Hamedan ist dieses Jahr Kulturhauptstadt Asiens und hat sich entsprechend herausgeputzt. Die Stadt wurde nach Plänen deutscher Architekten von 1931 bis 1934 ringförmig angelegt. Vom zentralen Imam Chomeini Platz durchschneiden mehrere Straßen sternförmig die Ringe, alles sehr übersichtlich. Die Zentralachse ist sogar als Fußgängerzone eingerichtet, was ich noch in keiner iranischen Stadt gesehen habe.

Vor dem Avicenna Mausoleum

Als erstes besuchen wir das an klassischen Vorbildern (Gonbad-e Kavus) ausgertichtete Mausoleum Avicennas mit kleinem Museum seiner Werke.Dann den Basar, wo wir eine neue Teekanne erstehen. Die alte hat einen der zahlreichen Straßenschwellen im Iran nicht heil überstanden. Wir werfen einen Blick in die nur mäßig interessante Jame Moschee, deren alter Teil gerade renoviert wird und erreichen am Ende der Fußgängerzone das Ausgrabungsgebiet auf dem Hegmataneh Hügel. Hier hat man die Fundamente von Häusern einer parthischen Stadtanlage ausgegraben. Die Funde einschließlich zweier Gräber werden in einem kleinen Museum auf dem Hügel präsentiert. Wieder zurück, fahren durch eine grandiose Berglandschaft  etwas südlich, vorbei an Bisotun und Taq-e Bostan, die wir schon vor drei Jahren besucht haben, an Kermanshah vorbei.

Im Basar von Hamedan

Nun geht es „Durch das wilde Kurdistan“, nur dass wir es im Gegensatz zu Karl May, wirklich durchqueren. Die Männer tragen wieder kurdische Pluderhosen und grüßen uns freundlich. In Kamyaran auf halben Wege nach Sanandaj geht die Sonne langsam unter und wir finden unter reger Anteilnahme der letzten Besucher einen schönen Platz in einem Park oberhalb der Stadt. Es gibt sogar Wasser. Jugendliche helfen mir beim füllen des Tanks. Leider wieder zu früh gefreut. Um 22:30 erscheint die Polizei, meint, dies sei kein sicherer Platz und geleitet uns zu einem kleinen Park mitten in der Stadt, wo es durch den Verkehr deutlich lauter ist.

Palangan                                       N 35° 4‘ 4‘‘ / E 46° 36‘ 20‘‘

Palangan am Shirvan Fluss

Noch eine Reminiszenz an die letzte Reise. Palangan, ein ablegenes kleines kurdisches Dorf, war einer der Orte, die mir am besten gefallen haben und ich wollte es unbedingt noch einmal besuchen. Die Häuser kleben an den Steilhängen der Berge und ein Haus scheint auf dem Dach des unteren erbaut zu sein. Vieles hat sich aber auch hier inzwischen verändert, neue Häuser sind entstanden, Wohnungen werden vermietet, die Zahl der Restaurants am Fluss hat zugenommen, alles ist etwas touristischer geworden. Nur das Dorfleben ist unverfälscht erhalten geblieben. Noch dominieren Esel, Kühe und Hühner das Bild und nicht Souvenirshops. Wir parken auf dem Dorfplatz und machen uns auf den Weg hinunter zum Fluss Shirvan, der dieses Mal deutlich mehr Wasser führt, und zu einem längeren Spaziergang am Ufer entlang. Als die ersten Picknickgruppen eintreffen sind wir wieder zurück am Wagen und werden im Lauf des Nachmittags zunehmend in das Dorfleben integriert. Anngrit schwatzt mit drei Nachbarinnen mit Hilfe von Lexikon, Händen und Füßen.Ich werde von der Dorfjugend belagert und mache den Fehler, Kulis zu verteilen, was die Kinder plötzlich auf ein Vielfaches anwachsen lässt. Immerhin weiß ich jetzt was Kugelschreiber auf Kurdisch heißt. Ein junges österreichisches Paar besucht uns, das den Film „Weit“ gesehen und das Buch gelesen hat, und sich nun mit Zelt und Rucksack auch auf den Weg gemacht hat die Welt zu erkunden und wir tauschen unsere Erfahrungen aus.

Besuch bei den Nachbarinnen

Wir waschen ein paar Sachen aus, duschen im Wagen und genießen einen Tag ohne Fahrstress. Wir tauschen kleine Geschenke mit der Nachbarin aus und bekommen zum Abendessen noch einen Teller mit Reis und Kartoffeln an den Wagen gebracht. Einer der Tage an dem man weiß, warum man mit dem Wohnmobil abseits des „Mainstream“ unterwegs ist.

Saqqez                                           N 36° 14‘ 8‘‘ / E 46° 16‘ 9‘‘

Durch Kurdestan, entlang der Irakischen Grenze

Wir verabschieden uns von unserer freundlichen Nachbarin, die gerade ihr Butterfass schaukelt, füllen noch einmal Wasser auf, was sich später als Problem erweisen soll, und machen uns auf den Weg zurück nach Sanandaj. Dort biegen wir nach Westen zur irakischen Grenze nach Marivan ab. Die Strecke ist landschaftlich sehr schön. Sanfte grüne Hügel, Ackerbau in den Tälern, Blumenwiesen und Erdbeerfelder begleiten uns. Nur in der Ferne schauen noch ein paar verschneite Gipfel hervor. In Marivan biegen wir wieder nach Norden ab und fahren zeitweise dicht an der Grenze zum Irak entlang, sehr kurvig und streckenweise holprig, über Schlaglöcher und Schotter. Landschaftlich ist die Strecke traumhaft. Es geht einsam auf Serpentinen durch die Berge, vorbei an einem Stausee, an grünen Hängen mit Schafsherden, und Blumenwiesen. Bisher eine der schönsten Strecken dieser Reise und wir sind glücklich und zufrieden.

Das Team der Ersthelfer

Und dann passiert es: 20 km vor unserem Ziel, der Stadt Saqqez, ein Knall und der rechte Hinterreifen ist platt, der Mantel beginnt sich abzulösen, kein Wunder bei der heutigen Strecke. Zum Glück ist Platz zum Halten. Während wir noch den Schaden betrachten, hält schon ein Auto mit vier Kurden, die sofort Hand anlegen und beginnen den Reifen zu wechseln. Der Wagenheber kann aber das Gewicht des Wagens nicht stemmen, also die Kanister mit 40 Liter Diesel raus, die Hälfte des Wassers ablassen, dann klappt es. Jetzt lässt sich die Felge nicht von der Nabe lösen, Kriechöl und ein paar kräftige Schläge mit dem Reservereifen helfen. Dann ist es geschafft. Jetzt brauchen wir aber einen neuen Reifen. Auch hier helfen die Kurden. Drei verabschieden sich mit jeweils einer Zigarettenpackung von uns, der Vierte steigt zu uns ins Auto und begleitet uns zu einer der vielen kleinen Werkstätten, die im Iran zahlreich an den Ausfallstraßen der Städte zu finden sind. Hier stürzen zahlreiche freundliche Helfer auf ein und es herrscht zunächst totales Chaos. Ich rufe Sorush an und bitte ihn mit denjenigen, den ich als Chef ausgemacht habe zu sprechen. Ergebnis: neuer Reifen wird in 20 Minuten montiert, Kosten ca. 80 Dollar inklusive Montage, sicher weniger als die Hälfte wie bei uns. Dann macht sich die eine Hälfte der Truppe an die Arbeit, die andere Hälfte besichtigt unser Wohnmobil.

Das Montageteam

Zum Schluss noch ein Gruppenfoto und mehrere Selfies mit uns und weiter geht’s. Wir finden einen guten Platz in einem Park für die Nacht. Plötzlich sehe ich, dass es unter dem Wagen vermeintlich aus der Hinterachse tropft. Leichte Panik, weil ich vermute Öl zu verlieren. Also noch einmal zurück zur Werkstatt. Wieder stürzen sich alle auf den Wagen und beginnen den neuen Reifen wieder abzumontieren, bis ich sie stoppe. Da sie nicht verstehen, was das Problem ist, wird jemand angerufen, der Englisch kann. Letztlich klärt sich, das es kein Öl ist, was heraustropft, sondern Wasser aus dem Rest der Abwasserleitung, deren Rohr wir  unterwegs verloren haben. Ein kleineres Problem, das ich morgen selbst reparieren kann. Wir bedanken uns noch einmal bei unseren freundlichen Helfern, Geld wir kategorisch abgelehnt und wir werden noch zu ihnen nach Hause eingeladen, was wir wiederum ablehnen. Wir wollen nur zurück in den Park  und fallen dann todmüde ins Bett.

Orumiyeh, ITTIC Tourist Hotel                  N 37° 32′ 5“ /  E 45° 4′ 18“

Hasanlu

Nachdem vergangene Nacht um 3 Uhr die Polizei unsere Pässe kontrollieren wollte, hat uns das starke Gefühl überkommen, dass uns ein Hotelaufenthalt ohne Polizeikontrollen wieder einmal guttun würde, von einer Dusche ganz abgesehen, und so haben wir Sorush gebeten, uns ein Zimmer für zwei Nächte in Orumiyeh zu buchen. Er selber will über Nacht mit dem Bus aus Teheran nachkommen und wir können hier noch zwei Tage zusammen verbringen. Am Morgen bin ich erst einmal unter den Wagen gekrochen und habe die Abwasserleitung repariert. Zum Glück hatte ich ein Ersatzrohr dabei und jetzt funktioniert wieder alles. Dann Frühstück im Park und weiter nach Bukan und Mahabad, wo es nichts Besonderes zu sehen gibt.

Becher aus dem Museum in Hasanlu

Es ist sehr regnerisch und es gibt immer wieder Gewitter. Die Straßen stehen teilweise völlig unter Wasser.Mit einiger Mühe finden wir die Ausgrabungen einer der frühesten Siedlungen im Iran in Hasanlu mit einem sehenswerten kleinen Museum. Zwischen zwei Gewittern können wir sogar den Hügel mit den Mauerresten erklimmen. Dann geht es weiter zur Hauptstadt West-Azerbaidjans, Orumiyeh, das am gleichnamigen See liegt, der aber zunehmend am Verlanden ist. Den Wagen können wir sicher auf dem Parkplatz hinter dem Hotel abstellen.

 

Orumiyeh, ITTIC Tourist Hotel            N 37° 32′ 5“ /  E 45° 4′ 18“

Maryam Kirche in Orumiyeh

Erholsamer Schlaf nach vielen gestörten Nächten. Als wir aufstehen, wartet Sorush schon in der Hotellobby. Gemeinsames Frühstück. Dann brechen wir auf, um die Sehenswürdigkeiten von Orumiyeh zu erkunden. Zunächst die Maryam (Maria) Kirche assyrischer Christen. Noch vor hundert Jahren waren 40 % der Bevölkerung hier assyrische Christen. Heute leben noch ca. 2000 von ihnen in der Stadt. Diese kleine Kirche soll die älteste christliche Kirche nach derjenigen in Bethlehem sein. Heute ist sie nur noch Besichtigungsobjekt für die wenigen Touristen, die sich nach hier verlaufen. Sehr niedrige Durchgänge in mehrere Räume mit Altar und Grabsteinen. Zum religiösen Ausgleich werfen wir dann einen Blick auf die Sardar Moschee, die allerdings geschlossen ist, bevor wir zum Basar kommen. Er ist einer der größten gedeckten Basare im Iran und noch sehr ursprünglich. Wir kaufen Nüsse, Datteln und Honig.

Stuckmirab in der Jame Masjid von Orumiyeh

Die nahe Jame Masjid ist ein schmuckloses Gebäude, das Nichtgläubigen verschlossen bleibt. Allerdings können wir durch ein geöffnetes Fenster einen Blick auf den wunderbaren Stuckmihrab aus dem Jahr 1277 werfen. Zum Schluss noch der seldschukische Seh-Gonbad Grabturm von 1180 mit schönem Portal. Zu einem Tee mit Kuchen gehen wir in ein nahes kleines Kaffee, das wir ohne Sorush nicht gefunden hätten.Am Nachmittag wollen wir zum nahen Sir Hügel fahren um einen Blick auf den durch Staudämme und Brunnenbohrungen immer mehr zurückgehenden Orumiah See zu werfen und zu Abend zu essen. Mit dem Taxi zur Kelisa-ye Sir, die auf halber Höhe des Hügels steht, von dem man einen wunderbaren Blick auf die Stadt hat. Eine Eingangstür, durch die man kriechen muss und im Inneren zwei hohe Altarräume.

Blick auf Orumiyeh vom Sir Hügel

Nicht weit unterhalb steht noch eine kleine Kapelle von ca. 2,5 x 2,5 Meter Innenraum. Weiter mit dem Taxi nach Band, einem Naherholungsgebiet und Treffpunkt der Jugend. Die jungen Frauen sind erstaunlich aufgebrezelt und das Kopftuch liegt mehr im Nacken als auf dem Kopf. Man fährt mit dem Wagen permanent die Straße auf und ab, flirtet von Fenster zu Fenster und tauscht Telefonnummern aus, was hier „turn turn“ genannt wird. Wir essen in einem Restaurant ein gutes Kebab und fahren zurück zum Hotel.

Vielleicht noch ein Wort zu Trumps Rede in der vergangenen Nacht zur Aufkündigung des Abkommens mit dem Iran, die hier natürlich Entsetzen ausgelöst hat. Neben den politischen und wirtschaftlichen Folgen für das Land, trifft es besonders die Jugend im Iran hart. Häufig gut ausgebildet und hochqualifiziert, sieht sie nun keine Perspektive mehr für sich im von ihnen geliebten Land. Sorush hat uns heute berichtet, dass alle seine Freunde emigrieren wollen. Nach dem Irak-Iran Krieg droht dem Land auf diese Weise nun ein weiterer Verlust von jungen Menschen.

Khoy, ITTIC Hotel                      N 38° 32‘ 59‘‘ / E 44° 58‘ 2‘‘

Am Orumiyeh (Urmia) See

Wir fahren am Morgen zum Orumiyeh See und über den Damm hinüber. Auf der Seite zu Tabriz hin hat er deutlich mehr Wasser und ist stellenweise von einer Salzkruste bedeckt. Sorush erklärt uns, dass der See einen ähnlich hohen Salzgehalt hat, wie das Tote Meer und keine Fische darin leben können, nur Mikroorganismen, die das Wasser leicht rosa färben. Wir halten in einer Parkbucht und Sorush lässt seine Drohne über dem Wasser kreisen. Dann zurück auf die Straße Richtung Khoy. Kurz vor Salmas halten wir an einem Felsrelief und vor Khoy an einer alten Flussbrücke. Da wir noch Geld übrig haben, ist der sinnvollste Weg es zu verbrauchen, noch eine Nacht im Hotel zu verbringen und wir bekommen für wenig Geld eine Suite im ITTC Hotel. Am Nachmittag dann noch etwas Stadtbesichtigung. Zunächst zur Gedenkstätte für Shams-e Tabrizi einem Sufi Lehrmeister von Rumi mit kuriosem Grabturm, dessen Äußeres mit vielen Geweihen von Gämsen geschmückt ist.

Die armenische Kirche St. Serkis in Khoy

Eine Überraschung bietet die armenische Kirche St. Serkis, die von Außen einem Festungsbau gleicht und im Inneren eine gewaltige von Säulen gestützte Halle mit schönem Altarraum bietet, der Reste alter Fresken enthält. Zum Schluss werfen wir noch einen Blick auf das alte Rathaus, laufen durch den sehr schönen gedeckten und sauberen Basar, der am ehemaligen steinernen Stadttor endet. Insgesamt bietet Khoy einiges Sehenswertes, auch wenn sich kaum ein Tourist nach hier verläuft. Unsere Zeit mit Sorush endet bei einem gemeinsamen Kebab. Dann bringen wir ihn zum Busbahnhof, wo er den Nachtbus nach Teheran nehmen wird. Für uns endet damit auch die Zeit im Iran. Morgen früh werden wir die Grenze zur Türkei bei Razi passieren.

Auf dem Weg zur türkischen Grenze