Kalabrien und Kampanien

Reiseroute: Messina – Gambarie (Naturpark Aspromonte) – Bagaladi – Melito di Porto Salvo – Ferruzzano – Locri – Gerace – Monasterace – Stilo – Vibo Valentia – Tropea – Pizzo – Amantea – Paola – Lago dei Due Uomini – Altomonte – Marina de Belvedere – Diamante – Sapri – Paestrum – Cerrogugo – Pompeji – Ercolano.

  • Staz. di Ferruzzano            Stellplatz       FP       N 38o 00′ 43“ / E 16o 07′ 55“

 Auf der Autobahn bis Messina, wo wir durch eine völlig unübersichtliche Beschilderung auf der Autobahn und in der Stadt große Mühe haben den richtigen Abfahrtshafen nach Villa S. Giovanni zu finden. Dann geht es aber flott, in 30 Minuten bringt uns die Fähre für 55 Euro von SizilienStatue B auf das Festland, vom Tyrrhenischen Meer zum Ionischen Meer, von der Cosa Nostra zur ‚Ndrangheta. Dann steht die Gewissensentscheidung an, Kultur in Reggio di Calabria (Bronci di Riace) oder Natur in den Bergen. Wir entscheiden uns für Letztere und fahren hinauf in den Naturpark von Aspromonte. Zunächst durch Olivenhaine und Orangen- und Bergamotteplantagen, dann durch dichte Eichenwälder bis zum Skiort Gambarie auf 1400 m. Alle Ferienhaäuser und Restaurants sind noch geschlossen und wir sind völlig allein dort oben. Auf einem Rastplatz ist Kaffeepause und dann geht es viele Kilometer, ohne das uns eine Auto begegnet auf einer holprigen Strasse mit gelegentlichen Bergrutschen, durch eine großartige Berglandschft hinunter nach Bagaladi und dann an denAspromonte südlichsten Punkt der italienischen Stiefelpitze, Melito di Porto Salvo. Weiter entlang der Ostküste. Die Orte bestehen meist aus Neu- und nicht fertig gestellten Rohbauten. Die hübsche Küste wird nun bis weit nach Norden von der Strasse 106 und der Eisenbahn begleitet, was auch nicht sonderlich attraktiv ist. Beim Bahnhof von Ferruzzano können wir die Gleise überqueren und an den schönen Strand fahren auf dessen begleitenden Grünstreifen schon einige Womos stehen. Wir gesellen uns dazu und beenden den Tag mit einem Strandspaziergang.

  • San Nicolo di Ricadi       Camping Costa Verde   C   N 38o 38′ 19“ / E 15o 50′ 02“

Weiter an der Westküste entlang bis Locri. Dort biegen wir ins Landesinnere nch Gerace ab, das malerisch auf einer Bergkuppe liegt. Im unteren Ortsteil, dem Gerace Borgo steht an der kleinen Piazza della Republica die Kirche S. Maria del Mastro aus dem 12. Jahrh. Mit dem Wagen dürfen wir nicht in den Hauptort, sondern müssen davor pKathedrale Geracearken und zu Fuß durch die engen Gassen emporsteigen. Wir kommen zu einem Platz, dem Belvedere Bombarde, mit herrlicher Aussicht in das Tal und auf das Meer. Dann geht es durch ein Tor hinauf durch die Via Roma zur normannisch-romanischen Kathedrale, die 1045 fertig gestellt wurde und eine echte Überraschung ist. Man betritt sie durch die Krypta, die den Domschatz beherbergt und steigt dann eine Treppe hinauf in die gewaltige, schlichte dreischiffige Kirche, in der die später hinzu gefügten Altäre und und Heiligenstatuen wie Fremdkörper wirken. Flache Decken aus Holz und schlichte Säulen umit einfachen Kapitellen unterstreichen das frühe Baujahr. Da wir völlig allein in dieser hohen Halle mit weißen Wänden sind, ist der Eindruck gewaltig. Auf einem Nebenplatz stehen drei weitere Kirchen dicht beieinander, die winzige orthodoxe S. Giovanni Crisostomo, dann die Kircsacre he San Francesco mit einem schönen Portal aus dem 13 Jahrhundert und die neuere Kirche vom Sacre Cuore. Wir machen uns auf den Rückweg, kaufen noch einen Grappa mit Bergamotte, denn das südliche Kalabrien ist das Zentrum des Bergamotte Anbaus, Früchte, die man auf den Bäumen aus der ferne leicht mit Apfelsinen verwechseln kann. Dann wieder zurück an die Küste und weiter am endlosen schönen Sandstrand entlang, bis wir nach Stilo in die Berge abbiegen können. Cattolica in StiloEbenfalls ein Ort an einem Berghang in den Ausläufern des Aspromonte. Hier findet sich ein wahres Kleinod, das byzantinische Kirchlein Cattolica aus dem 10. Jahrhundert, das uns sofort an die Kapellen in Georgien erinnert, eine einfache Kreuzform mit zentraler Kuppel, in diesem Fall aber noch zusätzlich vier kleiner Kuppeln über jedem Kreuzende. Das Innere ist mit den Resten schöner Fresken geschmückt, die leider nicht fotografiert werden dürfen. Dann fahren wir auf endlosen kleinen Serpentinenstrassen durch die Berge auf die andere Seite der Stiefelspitze und erreichen gegen Abend bei Tropea wieder das Meer und etwas südlich davon den Campingplatz. Abendessen bei Sonnenuntergang mit Blick auf den Stromboli, sehr schön!

  • Lago dei Due Uomini           Picknick Platz     FP      N 39o 33′ 08“ / E 16o 01′ 14“

Nach einem Erholungstag mit Faulenzen und Lesen am Meer geht es weiter entlang der Küste, zunächst wenige Kilometer bis Tropea, eine Alptraum für Autofahrer. Kleine, immer enger werdende Gassen, wenden auf engstem Raum, bis wir einen Parkplatz finden, beim dem unsere Heckbox allerdings einen Rempler abbekommt. Dann zu Fuß, vorbei an zahleichen Souvenirläden bis an den Rand des Felsens, auf dem Tropea liegt. Unten ein schönerPizzo Strand und eine Kirche über dem klaren blauen Wasser. Die weitere Küste bietet immer wieder schöne Strände, bis wir Pizzo erreichen. Hier ist das Parken einfacher und die Altstadt hat vor der barocken Kirchenfassade eine schöne Piazza mit zahlreichen Eisdielen, denn der Ort ist bekannt für sein Tartuffo Eis. Natürliche probieren wir solch eine Kalorienbombe und erledigen nebenbei einige Mails. Die Küstenstrasse führt nun durch eine Tiefebene mit Flughafen. Amantea schenken wir uns, denn uns ist nach einer Kaffeepause. Kurz vor Paola, fahren wir bei Torremezzo an den Strand und damit nahm das Unglück seinen Lauf: wir versinken bis zu den _Achsen im Sand. Wir schaufeln, holen unsere Anfahrhilfen und Steinplatten, aber nichts tut sich. In der Nähe sind Arbeiter damit beschäftigt ein Festzelt zu errichten und ich bitte sie, uns zu helfen. Vier Arbeiter bemühen sich fast eine Stunde mit Wageheber, Balken und Holzbrettern unseren inzwischen Sandfest aufsitzenden Wagen wieder flott zu bekommen. Vergebens, und irgendwann geben auch sie auf. Einer telefoniert ein Zugfahrzeug herbei und es kommt eine Toyota Landcruiser mit Seilwinde, der uns an den Haken nimmt und es schafft, uns nach einigen Versuchen aus dem Sand zu ziehen. Wir sind heilfroh und dankbar, und dass niemand das angebotene Geld haben möchte und die Arbeiter sich über einige Zigarettenpackungen und eine Weinflasche freuen, hat uns mit den Italienern versöhnt. Die Wallfahrtskirche in Paola ist uns nun egal und wir flüchten uns zur Erholung in die Berge zu einem Picknickplatz unterhalb zwei kleiner Seen auf 900 Meter. Ein Campari und die vielen zwitschernden Vögel bringen die angespannten Nerven wieder ins Lot.

  • Maratea, Spiaggia Nera           Stellplatz     FP       N 39o 58′ 11“ / E 15o 43′ 26“

Keine Autos, kein Fuchs, kein Igel und kein Bär stören unsere Nachtruhe. Wir sind völlig allein und am Morgen wecken uns die Vögel. Wir frühstücken an einem der Holztische am Platz und machen uns dann auf den Weg. Die Frage ist nur wohin, denn ich muß unbedingt tanken,Altomonte der Reservekanister ist schon im Tank. Wir entschließen uns trotz allem, nicht wieder an die Küste zu fahren, sondern nehmen den kürzeren Weg in die Berge und hoffen auf eine Tankstelle, die zum Glück auch bald kommt. Dann geht es frohgemut über ein kurzes Stück Autobahn hinauf nach Altomonte, einem kleinen sehenswerten Bergnest an dessen höchstem Punkt sich die Reste einer Burg und die Kirche Santa Maria della Consolazione aus dem 14. Jahrhundert befindet. Daneben ein Kreuzgang mit Klostergebäuden, die heute das Museo Civico beherbergen. Leider ist nur ein Raum zu sehen, da der Rest gerade ,mit EU Mitteln umgebaut wird. Aber das berühmte Jesuskind, das aussieht wie ein älterer Schriftgelehrter von Paolo Ciacci ist ausgestellt. Vor der Kirche eine wunderbare Piazza auf der es einen Espresso und ein Eis für uns gibt. Dann zurück auf einem kleinen Sträßchen mit unendlichen Kurven durch die Berge auf denen noch Schneereste liegen, immer entlang des Naturparks Pollino. Wier sehen uns darin bestätigt,Diamante dass Kalabrien wenige wirkliche Kunstschätze, dafür aber eine grandiose Landschaft und Natur zu bieten hat. Auf der Küstenstrasse weiter gen Norden mit einem Halt in Diamante, wo bekannte und weniger bekannte Künstler die Häuserwände mit farbenfrohen Bildern bemalt haben. Kurz vor Matea, das auf einer Steilküste bereits in der Basilikata liegt, fahren wir zu einem einsamen Strand herunter auf dessen völlig leeren Parkplatz wir uns unter Steineichen für die Nacht einrichten. Sonnenuntergang über dem Golf von Policastro und Glühwürmchen vor den Fenstern beenden den Tag.

Kampanien

 

  • Cerrogugo Pizzeria „Allegria di Calore“ Stellplatz “ N 40 33′ 03“ / E 15 09′ 27“

In der Nacht Gewitter und deutliche Abkühlung. Am Morgen fahren wir dann entlang der wunderbaren Steilküste, die uns sehr an die irische Westküste erinnert vorbei an Maratea bis Sapri. Paestum 1Dann auf der SS 18 etwas landeinwärts immer entlang der Berge des Cilentro Nationalparks, bis wir wieder die Küste und Paestum erreichen. Bereits auf dem Weg zum Eingang grüßen die drei Tempel. Wir gehen aber erst ins Museum, wo alle Funde aus Paestum und Umgebung perfekt präsentiert werden. Insbesondere die vielen hier gefundenen Wandbelungen aus den Gräbern sind eine Augenweide und ein Abbild des damaligen Alltagslebens. Es gibt aber auch Bilder des Abschieds von den Toten und einen Mann, der ins Jenseits, wie in ein Schwimmbecken springt. Daneben viele hervorragend bemalte Vasen und ein nahezu komplett erhaltenes Tempelfries. Ein absolut sehenswertes MuseumPaestum 2. Dann geht es ins Gelände. Es sind im Wesentlichen die drei bestens erhaltenen Tempel, neben einem kleinen Theater und einem Odeon, die beeindrucken. Viele Fundamente von Wohnhäusern und eine nahezu noch komplett erhaltene Stadtmauer ergänzen die Gesamtanlage. Dann steuern wir einen Campingplatz am Meer an und wenden uns mit Grausen wieder ab. Die Plätze sind am Wochenende mit lärmenden italienischen Familien voll besetzt, es gibt kaum noch einen freien Platz, alles steht dicht an dicht. Wir fahren an den Rand der Berge und am Fuß der Gipfel der Monte Alburni finden wir neben der Bar/Pizzeria „Allegria di Calore“auf einer Wiese einen wunderbaren Stellplatz, auf dem wir völlig alleine sind. Paestum 3Man muß sich nur ein paar Kilometer vom Meer entfernen und ist schon in der Einsamkeit. Der Baurer holt uns vom Baum einen Strauch Mispeln, die wir zum ersten mal essen und die uns gut schmecken. Dann machen wir noch einen Spaziergang zum nahen glasklaren Bergfluß Calore und beschließen den Abend bei einer Pizza und Rotwein….. so hatten wir uns das vorgestellt, bis Alfonso mit einem Audi 80 und deutschem VS Kennzeichen vor der Bar auftauchte. Seit seinem 16 Lebensjahr in Villingen wohnhaft, gebürtig in Cerrogugo, Deutsch immer noch mäßig, Lieblingsgetränk Rotwein, Stimme durch chronischen Nikotinmißbrauch heiser. Er ist begeistert uns als deutsche Nachbarn zu treffen und redet Monte Alburniununterbrochen auf uns ein. Natürlich brauchen wir noch einen weiteren Krug des herben roten Hausweins, der aus dem Zapfhahn fließt, wie bei uns sonst das Bier, bis alles erzählt ist. Er war Schweißer bei dem gerade in Konkurs gegangenen Lampenhersteller Hess aus Villingen und schweißt jetzt an seinem Haus im Heimatdörfchen herum. Für den kommenden Morgen kündigt er uns eine Führung durch sein Haus und Grundstück an.

  •  Pompeji           Camping „Zeus“   C     N 40 45′ 02“ / E 14 28′ 45“

Pünktlich um 9:00 Uhr steht Alfonso vor unserem Wagen. Nach einem ersten Rotwein in der Bar für ihn, starten wir zu seinem Haus, in der uns stolz durch alle Zimmer führt. Ganz offensichtlich hat er bisher mehr Wert auf die Aussenausstattung mit schmiedeeisernen Toren, BrunnenAlfonso 1 und Lampen gelegt, als auf den Innenausbau. Ein echtes Highlight ist allerdings sein Garten mit diversen Obstbäumen, einem Pekanußbaum und Olivenbäumen. In den Beeten wächst Rucola und Zichorie. Von einem voll hängenden Zitronenbaum pflückt er uns eine Tüte voll der dicksten Zitronen, die wir je gesehen haben und packt noch ein paar Orangen oben drauf, so dass wir schwer bepackt zum Audi gehen. Bevor wir endlich starten dürfen, muss er uns aber noch seinen 46 Jahre alten VW Käfer und eine uralt Vespa in seiner Garage zeigen. Gegen Mittag kommen wir dann endlich los und entscheiden, unsere Reise in Pompeji zu beenden. Der Zwischstopp in Salerno lohnt sich eigentlich nicht. Der Dom ist neueren Datums, lediglich der daneben stehende Glockkenturm Alfonso 2ist wohl noch normannisch. Also wieder auf die Autobahn Richtung Napoli, die ab hier kostenpflichtig wird, bis zur Ausfahrt Pompeji. Uns empfängt ein riesiger Touristenrummel, alle Park- und Campingplätze sind gut gefüllt. Wir entscheiden uns für „Zeus“, wo die Womos zwar auch dicht an dicht stehen, wir aber noch eine ruhige Ecke für uns finden.

Der Eingang zum antiken Pompeji liegt nur einhundert Meter vom Camping entfernt. Wieder einmal haben wir als über 65 jährige freien Eintritt und sparen auf diese Weise 22 Euro, was wir angesiPompeji chts der beiden jungen Pärchen vor und hinter uns, die den vollen Preis zahlen müssen, als ungerecht und nicht angemessen empfinden. Vermutlich war es ein Wahlgeschenk Berlusconis an die Rentner. Die Häuser von Pompeji, die 79 nach Chr. vom Vesuv unter Lava begraben wurden, sind teilweise noch gut erhalten und vermitteln einen hervorragenden Eindruck vom damaligen Leben der Bewohner. Details zu beschreiben würde zu weit führen. Eindrucksvoll sind die Freskenreste an den Wänden vieler Häuser, die gut erhaltenen Thermen und natürlich das Bordell (eins von vielen) Pompeji mit Wandbildern aller einschägigen Stellungen. Immer wieder stößt man auf Gipsausgüsse der Hohlräume, die unter der Lava begrabene Menschen hinterlassen haben. Wir wandern sechs Stunden auf dem original Pflaster, das noch Wagenspuren von Früher enthält, durch die Stadt. Noch einkaufen für den Abend und wir sinken mit einer Cola ermattet in unsere Stühle.

Am nächsten Morgen fahren wir in ca. 20 Min. mit dem Zug von Pompeji nach Ercolano und gehen zum antiken Herculaneum, das wie Pompeji ebenfalls 79 nach Chr. von der Asche undVesuv Lava des Vesuvausbruchs verschüttet wurde. Es ist kleiner und überschaubarer als Pompeji, bietet aber viele sehenswerte und gut erhaltene Gebäude auf kleinem Raum, der Besucherstrom ist geringer, die Wege sind kürzer und nur wenige Gebäude nicht zugänglich. Insbesondere sind noch schöne Fresken und Mosaiken erhalten, ebenso viele Läden und Werkstätten. Nach knapp vier Stunden beendigen wir unseren Rundgang und fahren mit dem Zug zurück. Inzwischen hat es sich bewölkt und für die nächsten Tage ist Regen angekündigt. Wenn das Wetter morgen noch hält, werden wir noch zum Vesuv hinauf fahren.

Es hat geklappt, wir waren oben und haben in den Krater geschaut:

VesuvEin eindrucksvoller Abschluß unserer Reise durch Süditalien.

 

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