Serbien

 

Etno House Cakmara               St. Pl.                         N 43° 19.849′ / E 20° 37.900′

Der Fluss Lim

Im Vergleich zum letzten Besuch 2011 hat sich die damals rasch fließende Drina durch den Bau eines Staudamms auf serbischer Seite bei Perućac in ein stehendes Gewässer verwandelt auf dem sich vor allem Plastikflaschen tummeln. Unser Gastgeber, ein Fischer, spricht von einer ökologischen Katastrophe, die ebenso die in die Drina mündende Lim betrifft, wie wir auf unserer Weiterfahrt sehen. Sie windet sich durch eine enge Felsschlucht und wir uns durch unzählige kleine Tunnel, bis wir Rudo erreichen, von hier führt eine kleine Straße zum Grenzübergang nach Priboj in Serbien. Die Stadt ist trostlos, die Straße wird von verrotteten Fabrikgebäuden und dem Verfall preisgegebenen sozialistischen Plattenbauten gesäumt und wir fühlen uns an unsere Reise in Armenien erinnert. Im zugehörigen Bad (Banja) steht die gleichnamige Klosterkirche. Schnell weiter nach Prijepolje, wo vor allem das Kloster Mileševa mit seinem berühmten Fresko eines weißen Engels beeindruckt. Leider geht hier die Straße nicht wie geplant weiter nach Sjenica und wir müssen einen Umweg über Nova Varoš nehmen. Weiter nach Novi Pazar an der Grenze zum Kosovo. Eine unübersichtliche Stadt , durch die wir auf der Suche nach einer Tourist Info irren und sie nicht finden. Vermutlich gibt es in diesem vergessenen Landesteil keine, Touristen verirren sich nicht hierher. Dabei sei erwähnt, dass uns seit Verlassen Kroatiens nicht ein Wohnmobil oder sonstiger Tourist begegnet ist, Einheimische ausgenommen.

Der weiße Engel im Kloster Sopoćani

Vor dem Ort wartet aber noch ein kultureller Höhepunkt auf uns, das Kloster Sopoćani, das zum Weltkulturerbe der UNESCO zählt. Die wunderbaren, fein gearbeiteten und ausdrucksstarken Fresken können wir aber erst bewundern, nachdem das offenbar übliche nachmittägliche Gewitter abgeklungen ist. Weiter nach Raška auf der Such nach einem Platz für die Nacht. Für das Reisen mit einem Wohnmobil in Serbien ist es sehr hinderlich, dass die Polizei eine regelmäßige Meldepflicht verlangt und wissen will, wo man übernachtet hat. Bei Hotels kein Problem, aber in der freien Natur?. Für heute haben wir das Problem dadurch gelöst, dass wir abseits der Straße bei einem Gasthaus mit Zimmern stehen. Abendessen für beide 12 Euro, das kostet ein Stellplatz auch. Sehr freundlicher Wirt, der bemüht ist, uns unsere Meldebescheinigungen zu besorgen.

 

Jagodina, Camp Ruža Vetrova             C.                     N 43° 57′ 33“ / E 21° 15′ 55“

Kloster Gradac

Wir verlassen unseren freundlichen Wirt und fahren entlang des Tals der Ibar auf landschaftlich sehr schöner Strecke nach Norden für einen Tag der serbisch-orthodoxen Klöster. Erster Abstecher zum , das romantisch und einsam in den Bergen liegt. Ein sehr harmonischer Bau, der innen schlicht ist und nur noch wenige Freskenreste enthält. Absolute Stille in herrlicher Natur, wunderbar! Der richtige Platz für unser Frühstück. 10 km zurück zur Hauptstraße und bald darauf der nächste Abstecher zum Kloster Studenica, Weltkulturerbe mit imposanten Fresken im Innern. Fotografieren in allen Klöstern verboten. Neben der Hauptkirche steht die kleinere Kirche, die Joachim und Anna geweiht ist und uns natürlich besonders interessiert. Direkt vor der Stadt Kraljevo liegt dann noch das Kloster Žiča mit ebenfalls schönen Fresken. In der Stadt kaufen wir ein und machen uns auf den Weg nach Osten nach Kruševac. Seitlich von uns mäandert die Morawa durch die Wiesen, lässt sich aber nur selten blicken. Vorbei an Kruševac auf die den berühmten Autoput, auf dem zuletzt auch die Flüchtlinge von Mazedonien aus unterwegs waren. Wir verlassen ihn aber schon bald wieder bei Jagodina, fragen uns zum Camping durch, der oberhalb eines Vergnügungsparks und des Zoos liegt. Ein kleines, steil abfallendes Gelände mit nur wenigen Plätzen aber sehr guter Ausstattung.

Im Gradski Park von Jagodina

Wir haben beschlossen, den Abstecher nach Süden zu den Sandpyramiden bei Kuršumlija zu streichen da es regnet. Zum Trost fragt uns unser Platzbesitzer Miloš, der im Ort eine Renaultwerkstatt besitzt, ob er uns die Stadt zeigen soll. Wir fahren in den Gradski Park mit beeindruckendem künstlichem Wasserfall und trinken einen Kaffee. Dann Stadtrundfahrt. Wie jeder Bewohner, ist er stolz auf seinen Heimatort. Als wir zum Camping zurück sind, scheint wieder die Sonne. Die Wäsche trocknet, der Tee ist gekocht und wir faulenzen vor uns hin. Am Abend in der nahen Gaststätte noch das Spiel Deutschland-Ukraine der EM angeschaut.

 

Bor, Borsko Jezero                   C.                               N 44° 05.619′ / E 22° 00.610′

Kloster Ravanica

Es regnet in der Nacht und wir beschließen noch einen Umweg zu den Klöstern im serbischen Erzgebirge zu machen. Von Ćuprija aus biegen wir ab in die Berge zum Kloster Ravanica, das malerisch, von den Resten einer Wehrmauer umgeben, im Wald liegt. Die Klöster hier sind im Moravastil gestaltet und haben besonders viel Schmuck an der Kirchenfassade, schön gestaltete Fenster und Rosetten und einige Skulpturen. Die Bemalung im Innern ist eindrucksvoll. Auf kleiner kurvenreicher Straße geht es dann über Resavica zum Kloster Manasija, von dem man zunächst nur eine hohe Mauer mit Türmen sieht hinter denen die Kirche vollständig verschwindet. Die Anlage erinnert uns sofort an die Wehrkirchen in Siebenbürgen in Rumänien. Erst wenn man eine Art Festungstor passiert hat wird der Blick auf die Kirche möglich. Das Äußere ist nicht so feine gestaltet wie in Ravanica, dafür sind die Fresken im Inneren, die nicht fotografiert werden dürfen, umso eindrucksvoller. Es gibt eine Darstellung wie Jesus die Blinden heilt und in der Anlage ist eine große Gruppe Sehbehinderter mit ihren Begleitern unterwegs, die sich hier offenbar Linderung erhoffen, ein Lourdes im Erzgebirge. Auf der Weiterfahrt verfransen wir uns heillos, offenbar existiert die Straße, die auf unserer Karte dargestellt ist nicht. Wir fahren 15 km die falsche Straße, dann wieder zurück. Letztlich landen wir wieder im morgendlichen Ausgangsort Ćuprija und nehmen von Paraćin aus die gut ausgebaute und verkehrsarme Landstraße nach Zaječar. Kur

Borsko Jezero

z vorher biegen wir nach Bor ab, wo man die Schlote der Kupferhütte qualmen sieht. Sie ist die größte Europas und offenbar so marode, dass niemand sie kaufen will. Auch der kleine Campingplatz am nahen Stausee ist in nicht viel besserem Zustand. Auf den Besuch von Toiletten und Waschräumen verzichten wir nach einer Besichtigung. Postsozialistischer Charme, wie wir ihn auch in Polen, Rumänien und Bulgarien gefunden haben. Immerhin finden wir einen Platz direkt am See. Wie meistens sind wir, mit Ausnahme einiger einheimischer Dauercamper, die einzigen Besucher.

 

Brza Palanka, Camp Miroča Voda              St. Pl.                N 44° 29.022′ / E 22° 27.442′

Felix Romuliana bei Gamzigrad

Wir fahren zurück zur archäologischen Ausgrabung Felix Romuliana bei Gamzigrad, einer Stadt des römischen Kaisers Galerius, die er seiner Mutter widmete. Eindrucksvoll sind die mächtigen Stadtmauern durch deren Westtor man das Gelände betritt. Wir sind die einzigen Besucher, der Eintritt wird uns großzügig erlassen. Zu sehen sind die Reste von Palästen, Tempeln und Basiliken. Die schönsten Mosaiken wurden isns Museum nach Zaječar gebracht. Ein Fußbodenmosaik ist noch gut erhalten. Frühstück auf dem einsamen großen Parkplatz vor dem Befestigungsring. Dann fahren wir weiter nach Norden, passieren Zaječar und Negotin und sehen kurz darauf zum ersten Mal die hier schon sehr breite Donau, die uns nun bis Belgrad begleiten wird. In Brza Palanka an der soll ein Camping sein, der sich als große Wiese mit einigen Hütten von Dauercampern direkt an der Donau herausstellt. Der Platz ist weitgehend verlassen, die Waschräume abgeschlossen. Wir suchen uns einen Platz direkt am Fluss und finden einen offenen Stromanschluss. Das nahe Restaurant ist bereit uns eine Aufenthaltsbescheinigung ausstellen, alles im grünen Bereich. Wir sitzen am Ufer der Donau, trinken Kaffee und vor uns zieht das Kreuzfahrtschiff von Niko Tours vorbei. Wir sind uns sicher, dass die Reise mit dem Wohnmobil ereignisreicher ist.  Später am Abend kommt dann der  „Chef“ zum kassieren und schließt alles auf.  Üppiges Abendessen im Restaurant für 16 Euro.

 

Veliko Gradište, Camp Silver Lake           C.                  N 44 ° 45.684′ / E 21° 28.427′

Camping Mircka Voda in Brza Palanka an der Donau

Ein blauer Himmel und strahlender Sonnenschein wecken uns. Das Regentief hat sich verzogen. Beim Morgenkaffee beobachten uns zwei Kormoranpaare auf ihren Baumast in der Donau. Dazu stimmen die Frösche ein Morgenkonzert an. Es wird einen ganzen Fahrtag entlang der Donau auf kleiner verkehrsarmer Straße gemeinsam mit dem Donauradweg werden. Ein Fasan flattert ins Gebüsch, eine lange Wasserschlange kreuzt unseren Weg, eine Schildkröte sitzt am Ufer und ein Vogel mit komplett gelbem Bauch (Pirol) flattert vor unserer Scheibe davon. Die Donauuferstraße, die uns von Kladovo bis Golubac begleitet ist landschaftlich sensationell und die bisher schönste Strecke der Fahrt. Kreuzfahrtschiffe fahren in die Schleuse beim großen Staudamm Djerdap I, beim Grenzübergang von Kladovo nach Drobeta Turnu in Rumänien.

Donaudurchbruch am Eisernen Tor

Oberhalb des eisernen Tores, der felsigen Engstelle der Donau machen wir unsere Frühstückspause und blicken hinüber auf die rumänische Seite mit der kleinen Kapelle und das Felsrelief des Dakerkönigs Decebalos, die wir vor sieben Jahren auf unserer Reise durch Rumänien und Bulgarien nach Istanbul besucht haben. Schön, noch einmal am anderen Ufer zu stehen. Immer wieder gibt es großartige Ausblicke auf die nun wieder breite Donau. Bei Veliko Gradište verlassen wir die Donau vorübergehend und suchen am Ufer des Srebrno Jezero, eines kleinen Sees den Campingplatz, der sich gut versteckt hat. Das Nachmittagsgewitter lässt nicht lange auf sich warten.

 

Zasavica bei Sremska Mitrovica             C.                      44° 57′ 38“ / E 19° 31′ 23“

Wir fahren am Morgen zunächst auf der Landstraqße, dann auf der Autobahn bis Belgrad, das wir eigentlich besichtigen wollen. Die südliche Umgehungsstraße existiert nur auf unserer Karte, in der Realität ist es noch eine normal Straße. Wir folgen der E75 Richtung Novi Sad und verlassen die nun wieder existente Autobahn bei Zemun, einem Vorort von Belgrad, an dem die Save und Donau sich vereinigen. Der kleine Camping liegt

Die Save bei Sremska Mitrovica

seitlich des Autobahnzubringers nahe der Donau. Bis zum Bus in die Stadt muß man 1 km laufen. Da auch meine Mitreisende bei 30 Grad wenig Lust auf eine Stadtbesichtigung verspürt, wird dieser Programmpunkt gestrichen und wir fahren weiter nach Sremska Mitrovica, einem kleinen Städtchen an der Save, womit sich der Kreis schließt. Bei einem Kaffee am Fluß nehmen wir Abschied von der Save, die uns fast auf ihrer ganzen Länge von 942 km vom Triglav NP bis Belgrad begleitet hat. Etwas südlich der Stadt liegt der Campingplatz „Zasavica“ bei gleichnamigen Dorf. Neu, modern, schön angelegt mit allem Komfort, wohl momentan das Beste, was Serbien an Camping zu bieten hat. Abends Fußball mit Serben, Bosniern und Franzosen geschaut, was unterhaltsamer als das Spiel selbst war.

 

Stražilovo Camp Fruška Gora            C.                       N. 45° 10.447′ / E 19° 55.784′

Imkerwagen im Frankenwald

Wir verlassen unser schönes Camp, werfen einen letzten Blick auf die Save und wenden uns dem Frankenwald ( Fruška Gora) zu, den wir von West nach Ost durchfahren. Ein wunderbarer Laubwald voller Klöster und Bienenkästen. Wir kaufen Honig, ignorieren die Klöster und blicken hinunter auf Novi Sad und die Donau. Das Naturschutzgebiet erstreckt sich entlang der Donau bis Sremski Karlovci, das wir am Ende erreichen. Der zentrale Platz mit einem Löwenbrunnen, der Kathedrale, dem Bischofspalast und einer Schule ist sehenswert und gut für ein Eis. Es ist sehr heiß und schwül geworden, über 30 Grad und die Mücken lieben das Wetter und uns. Dann fahren wir wieder etwas in den Frankenwald zurück zum Ecokamp, das romantisch im Wald liegt.  Wir sind nun im nördlichsten Gebiet Serbiens, der Vojvodina, die auch eine deutsche Geschichte hat. Im Rahmen der Neubesiedlung des Gebietes im 18. Jahrhundert gab es drei große „Schwabenzüge“, die sich hier neben Ungarn, Rumänen und Serben niergelassen haben, ein Teil der „Donauschwaben“. Im engeren Sinne gehört Sremski Karlovci zur historischen Landschaft Srem (Syrmien) mit seiner römischen Hauptstadt Sirmium, deren Reste sich bei Sremski Mitrovica befinden.

Wir machen uns am nächsten Tag auf zur Besichtigung der Festung Petrovaradin über dem rechten Ufer der Donau, von wo aus man einen großartigen Blick auf die gegenüberliegende zweitgrößte Stadt Serbiens, Novi Sad (Neusatz) hat, die im übrigen die Partnerstadt Dortmunds ist.  Die Festung selbst ist mit ihren gewaltigen Mauern und dunklen Gängen wohl nur etwas für Liebhaber solcher Anlagen. Der Blick von dort oben auf die Donau und Novi Sad sollte man sich aber nicht entgehen

Blick von der Festung auf Novi Sad

lassen. Für Womofahrer der Hinweis, dass man zur Burg hinauf fahren kann bis zu einer Ampel mit folgender Höhenbegrenzung von 2,5 Metern. Wer höher ist, lässt den Wagen besser hier stehen und geht die restlichen 200 Meter zu Fuß. Zu unserem erstaunen fanden wir in Novi Sad auf Anhieb einen Parkplatz nahe der Innenstadt bei einem Ideal Markt. Der Markt und die Fußgängerzone direkt nebenan. Die überschaubare Altstadt ist weitgehend Fußgängerzone und mit einer unübersehbaren Anzahl von Kaffees und Restaurants bestückt. Viele Gebäude, denen man den habsburgischen Einfluß noch deutlich ansieht, sind schön restauriert worden. In den Nebenstrassen und Hinterhöfen sieht es allerdings noch trübe aus. Insgesamt ist Neusatz aber einen Besuch wert.

Für unser letztes serbisches Geld kaufen wir noch in Novi Sad ein und suchen uns dann mühsam den Weg hinaus aus der Stadt nach Bačka Palanka, zum Grenzübergang nach Ilok in Kroatien. Kurze Wartezeit, ein Blick ins Wohnmobil, ob wir irgendwo Flüchtlinge versteckt haben, keine Frage nach Aufenthaltsbescheinigungen aus Serbien und wir fahren über die Donau nach Kroatien hinein.

Hier geht die Reise in Kroatien weiter