Kroatien

 

Zagreb Sopot               E-Camper St.Pl.                               N 45° 46′ 54“ / E 15° 58′ 39“

Am Morgen  problemlos über die nahe Grenze nach Kroatien und bei Karlovac auf die Autobahn nach Zagreb eine Stadt, die wir schon zweimal umfahren haben und keine Lust hatten sie zu besichtigen. Jetzt soll es sein. Dank Navi finden wir den Stellplatz südlich der Save im Stadtteil Sopot auf Anhieb. Einchecken vollelektronisch per Kamera, Personal gibt es nicht.

Zagreb, Kathedrale Maria Himmelfahrt

Dann starten wir zu Fuß zur Überquerung der Save und Stadtbesichtigung. Als nach 30 Minuten der Fluss immer noch nicht in Sichtweite ist, fragen wir vorsichtshalber Passanten, die bei der Vorstellung zu Fuß ins Zentrum zu gehen nur mit dem Kopf schütteln und und auf die nahe Straßenbahnlinie 6 verweisen, die uns dann nach 20 Min. Fahrt tatsächlich am Bahnhofsplatz absetzt, von wo wir zu Fuß doch noch das Zentrum besuchen. Heute die Unterstadt (Donji Grad), die im wesentlichen aus Parkanlagen mit prachtvollen Gebäuden wie Museen, dem Kunstpavillon, dem Stadtarchiv und dem Nationaltheater bestehen. Besonders gut hat uns das Kallina Haus mit seiner Jugendstilfassade gefallen. Auf dem Kaptol werfen wir noch einen Blick in die düstere Kathedrale und den abweisenden Bischofspalast, bevor wir wieder zum Bahnhof zurück bummeln, die Linie 6 besteigen und zur Endhaltestelle in Sopot fahren, von wo es noch 15 Minuten Fußweg bis zum Stellplatz sind.

Markuskirche

Am Morgen scheint wieder die Sonne und wir machen uns erneut auf in die Stadt, genauer in die Oberstadt (Gornji Grad), den ältesten Teil Zagrebs. Hier gibt es auf engem Raum eine Vielzahl von Sehenswürdigkeiten, Kirchen, Plätze mit Denkmälern und Regierungsgebäude, wie den Sitz des Parlaments. Wir betreten die Oberstadt durch das steinerne Tor, dem letzten erhaltenen der ehemaligen Stadttore. Darunter befindet sich eine Kapelle zu Ehren eines Marienbildes mit Kind, das beim letzten Erdbeben verschont wurde. Davor knien zahlreiche Gläubige und entzünden Kerzen. Dann zum Lotrscak-Turm, von dem jeden Mittag um 12 Uhr ein Kanonenschuss abgefeuert wird und von dem man einen schönen Rundblick über die Dächer Zagrebs hat. Beeindruckend dann besonders die Markuskirche mit ihrem bunten Ziegeldach auf dem gleichnamigen Platz, das die Wappen von Kroatiens, Dalmatiens und Zagrebs trägt. Davor marschiert eine militärische Garde auf, die eine Art nationalistische Parade abhält. Die Männer blicken grimmig drein und haben offenbar Freude an ihren Uniformen. Es ist ein mir eher unheimliches Spektakel, das zeigt, wie stark der Nationalismus in Kroatien verankert ist.  Dann Pause bei einem Eis im Café Amélie mit Internet. Wir haben das Gefühl genug gesehen zu haben und fahren zurück. Das Gewitter kommt heute schon am Nachmittag.

 

Čigoč, Lonjsko polje Tradicije Čigoč      C.              N 45° 24′ 52“ / E 16° 37′ 47“

Im Storchendorf Čigoč

Wir starten früh, die Schranke hebt sich und entlässt uns in den morgendlichen Berufsverkehr Zagrebs. Über die Landstraße fahren wir in die nicht weit entfernte Kleinstadt Sisak, wo Krupa und Save sich vereinigen, und irren auf der Suche nach der Touristinformation durch die Strassen. Am Ufer der Kuna werden wir fündig und eine freundliche Dame versorgt uns mit Informationsmaterial über den nahen Naturpark Lonjsko Polje. Es soll dort bei einem Gasthaus sogar einen kleinen Campingplatz geben. Ansonsten ist der Südosten von Zagreb touristisches Niemandsland, kein Meer, keine Berge, kein Camping. Aber es gibt diesen wunderbaren Naturpark mit den Überschwemmungsgebieten der Save, in dem unzählige Vogelarten wie Löffler, Reiher, Ruabvögel und vor allem Störche leben, neben Rindern, wilden Schweinen und wohl auch einigen Bäre. Und ebenso gefährlich sind noch Minen aus dem Jugoslawienkrieg. Die bosnische Grenze ist nicht weit. Bereits beim Eingang im Ort Čigoč findet sich das Gasthaus Tradicije Čigoč, das in einem der traditionellen alten Holzhäuser untergebracht ist, die die Straßen in allen Orten säumen und auf einer Wiese dahinter ein kleiner Camping.

Traditionneles Holzhaus

Wir fahren aber zunächst noch auf der einzigen Strasse, immer entlang der Save 25 km durch den Naturpark bis zum Ende im Ort Krapje. In Lonja sehen wir einen weiteren kleinen Camping. Faszinierend sind die alten Holzhäuser mit Storchennestern. Die Save, die hier schon eine beachtliche Breite hat mäandert durch die Auwälder und setzt sie im Frühjahr regelmäßig unter Wasser. Eine Schildkröte kreuzt unseren weg und über uns kreisen Raubvögel. Wir kehren um und fahren zurück zum Gasthaus und richten uns auf der Wiese häuslich ein.

Hier geht es weiter nach Bosnien

Die Rückreise:

Kopački NP Kopački Rit              C. Family                   N 45° 35.893′ / E 18° 47.075′

Kriegsfriedhof in Vucovar

Für unser letztes serbisches Geld kaufen wir noch in Novi Sad ein und suchen uns dann mühsam den Weg hinaus aus der Stadt nach Bačka Palanka, zum Grenzübergang nach Ilok in Kroatien. Kurze Wartezeit, ein Blick ins Wohnmobil, ob wir irgendwo Flüchtlinge versteckt haben, keine Frage nach Aufenthaltsbescheinigungen aus Serbien und wir fahren über die Donau nach Kroatien hinein.  Die erste größere Stadt an der Donau ist Vukovar, deren Namen wir, wie auch Osijek, noch aus den neunziger Jahren aus dem Jugoslawienkrieg im Ohr haben. Vor der Stadt treffen wir auf den großen Friedhof mit Denkmal für die gefallenen Kroaten. Alles junge Männer, gestorben im Herbst 1991, als die Serben im August des Jahres, nach der Unabhängigkeitserklärung Kroatiens, die Stadt unter Feuer nahmen und sie weitgehend zerstörten. Ja, Peter Handke hat recht, später wurde die große serbische Minderheit weitgehend aus Slawonien vertrieben, jetzt aber ist er es, der die „Vorgeschichte“ unterschlägt. Vukovars Stadtdenkmal ist noch heute der zerschossene Wasserturm, den es auch als Souvenir zu kaufen gibt. Ein Donaukreuzfahrtschiff mit deutschen Touristen hat am Hafen fest gemacht, viel zu sehen gibt es in Vukovar nicht. Die Hauptstadt Slawoniens ist Osijek, das seine Kriegsschäden inzwischen weitgegend beseitigt hat. Hier treffen wir auf die Drava (Drau), die im nahen Nationalpark Kopački Rit in die Donau mündet. Ihr werden wir versuchen in den nächsten Tagen zu folgen.

Naturpark Kopacki Rit

In Osijek ist hauptsächlich der alte Festungsbereich, der in einem Park an der Drava liegt, sehenswert. Bei Regen beschränken wir uns auf einen Kurzbesuch. Wenige Kilometer nördlich der Stadt liegt am Eingang des Nationalparks, der durch die Flußauen am Zusammenfluß von Drava und Donau geprägt ist, der Ort Kopački, der früher zu Ungarn gehörte und in dem auch noch Ungarisch gesprochen wird. Dort stoßen wir auf das Schild „Camping Family“ und beschließen dort zu bleiben, verschieben den Besuch des Naturparks in der Hoffnung auf besseres Wetter auf Morgen. Netter kleiner Platz auf einer Wiese hinter dem Haus für 10 Euro mit Strom.

Am Morgen weckt uns strahlender Sonnenschein und wir brechen zeitig zum neuen Infozentrum des Parks Kopački Rid auf. Die freundlich Dame vom Vortag rät uns zu einer Fahrt mit einem kleinen Boot durch die überfluteten Auwälder bis zum Kopački See. Über wunderbar angelegte Holzstege schlendern wir begleitet von Seerosen, Fröschen und Schildkröten zur Anlegestelle der Boote. Dort starten wir beide mit Bootsführer in die Natur. Der Wasserstand ist relativ hoch und viele Flächen sind von der Donau überflutet.Silberweiden stehen überall im Wasser, ein Bild wie im Auwald am Altrhein, nur um ein vielfaches größer, 230 qkm insgesamt.

Nationalpark Kopački Rid

Wir sehen eine riesige Kolonie Kormorane, diverse Reiherarten, insbesondere Graureiher, Störche, eine Wasserschlange den Riesenbau einer Biberfamilie und als Höhepunkt ein Paar Weißkopfadler. Es ist ein großartiges Erlebnis, das uns sehr an unsere Ausfahrt im Donaudelta erinnert. Nach einer Stunde sind wir zurück und starten mit dem Wagen eine Fahrt auf dem Damm entlang des Naturparks. Auf der Weiterfahrt kreuzt eine Rotte Wildschweine mit sechs Frischlingen unseren Weg. Bis wir alles zur Genüge gesehen und in uns aufgenommen haben ist es schon früher Nachmittag und wir beschließen eine weitere Nacht auf dem Camping zu bleiben, zumal das Wetter sehr schön ist.

Donja Dubrava                            F.P.                              N 46° 18.558′ / E 16° 48.822′

Stellplatz an der Drau

So schön eine Flußfahrt mit dem Wohnmobil auch ist, die Moskitos als ständige Begleiter können schon lästig werden. Heute haben wir versucht dem Lauf der Drava (Drau) entlang der ungarischen Grenze nach Westen zu folgen. Die Straßen führen durch Slawonien und Nordkroatien, der Kornkammer des Landes, vorbei an endlosen Weizen-, Sonnenblumen-, Kartoffel- und Tabakfeldern. Dazwischen immer wieder große Apfel- und Kirschplantagen. Die Sonne brennt vom Himmel und der Blick geht weit. Touristisch bietet die Region wenig. Wir machen einen Zwischenstopp bei der kleinen dreieckigen Burganlage von Djurdjevac. Dann biegen wir wieder nach Norden zur Drava hin ab, die wir auf kleinen Nebensträsschen bei Donja Bubrava überqueren. Aus Slowenien kommend bildet sie zwei Stauseen um hier zur ungarischen Grenze abzubiegen. Von der Dravabrücke aus sehe ich schöne Stellplätze am Ufer, die wir ansteuern.

Wunderbarer Morgen an der Drava, Frühstück bei Sonnenschein am vorbeiströmenden Fluss. Wir machen uns auf zur Besichtigung von zwei Kleinstädten, auf kroatischer Seite Varaždin, auf slowenischer Ptuj. Beide mit einer zentralen Burganlage und kleiner, schöner Altstadt, die zum Bummel einlädt. Der Grenzübertritt ist völlig problemlos, niemand will etwas wissen oder sehen.

Die Rückreise geht weiter in Slowenien