Bosnien

 

Brezovo Polje bei Trnjaci           F.P.                   N 44° 51′ 53“ / E 18° 58′ 44“

Stellplatz an der Save

Noch einmal durch den Nationalpark Lonjsko Polje und bei Jasenovac über die Brücke, die über die Una, die hier in Save mündet, nach Bosnien hineinführt, genauer gesagt in die serbisch dominierte Teilrepublik Srpska. Ein grimmig blickender Grenzer lässt uns passieren und wir fahren nun auf bosnischer Seite immer an der Save entlang, die mal in Blickweite, mal nur in der Ferne zu erahnen ist. Auffällig sind die vielen neuen Häuser, der ganze Landstrich ein Neubaugebiet. Die zerschossenen Häuserwände, die auf unserer letzten Reise nach Bosnien 2011 noch überall präsent waren, sind nun weitgehend neuen unverputzten Backsteinwänden gewichen. Wir kommen durch Gradika, Derventa, Modrica und erreichen bei Brcko wieder das Ufer der Save, die hier bereits ein breiter Strom ist. Kurz darauf, hinter Trnjaci biegen wir ab in das kleine Dorf Brezovo Polje und stehen am Uferder Save mit Picknickplatz und einem Wiesenstück oberhalb, das für uns wie geschaffen ist. Ein traumhafter Platz mit Blick auf den Fluss. Ich frage nach, ob wir hier stehen bleiben können und innerhalb weniger Minuten haben wir zwei neue bosnische Freunde, der eine repariert gerade sein Boot, der andere ist Junggeselle, hat lange in Amerika gelebt, spricht aber nur wenig englisch und scheint gerade auf uns gewartet zu haben.

Bosnische Gastfreundschaft

Erst ein gemeinsamer Schnaps, dann werden wir zum Kaffee eingeladen, der mit einem Vodka abgeschlossen wird und dann gehen wir gemeinsam in ein nahes Fischlokal. Frischer Fisch aus der Save zu kroatischem Weißwein. Von Halil Selimbašić erfahren wir, dass der Ort vor dem Krieg über 2000 Einwohner hatte, heute leben hier noch 300 Familien. Viele sind nach 1995 emigriert, leben in Europa und Amerika und kommen nur in den Sommermonaten zurück, um an ihren Häusern zu bauen.

 

Perućac, Serbien                    C.                                   N 43° 57.490′ / E 19° 25.609′

Der Friedhof bei Srebrenica

Als wir am Morgen wach werden, hat Halil schon den Kaffeetisch im Freien vor seinem Haus gedeckt. Wir haben den Eindruck, dass er traurig ist, dass wir schon fahren. Wir waren offenbar eine schöne Abwechslung in seinem Junggesellenleben. Bald verlassen wir die Save um nach der Stadt Bijeljina, die im Dreiländereck liegt bei Janja auf die Drina zu stossen, die ihrerseits kurz darauf an der Grenze zu Serbien in die Save mündet. Wir fahren stromabwärts vorbei an Lozniško und Zvornik, immer entlang der Drina auf bosnischer Seite. Bei Drinjača verlassen wir die Hauptstraße und folgen einem kleinen Sträßchen weiter entlang der Drina bis Bratunac. Kurz davor bei Brasanovići befindet sich ein großer Picknickplatz mit idealen Stellmöglichkeiten für Womos direkt am Wasser (N 44° 13.826′ / E 19° 20.781′). Für uns leider zu früh, wir wollen noch weiter nach Srebrenica, das nach weiteren 10 km erreicht ist. Große Himbeerplantagen begleiten uns, in denen die Ernte schon begonnen hat. Srebrenica ist kein Ort an dem man so einfach mal vorbeifährt, er ist ablegen und man muß ihn gezielt anfahren. Vor dem Ort befindet sich die riesige Gedenkstätte für die 8000 in den Lagerhallen für die Himbeeren erschossenen bosnischen Muslime aus dem Ort und der Umgebung, die man aus zahlreichen Massengräbern wieder exhumiert und hier beigesetzt hat. 6000 Grabstelen umfasst der Friedhof, 2000 Tote konnten bisher nicht gefunden werden, das größte Kriegsverbrechen seit dem 2. Weltkrieg. Gerade erst ist Radovan Karadžić dafür zu 40 Jahren Gefängnis verurteilt worden.Die Gedenkstätte ist eine eindrucksvolle Anlage, die neben den Gräbern und Gedenksteinen auch eine offene Moschee mit Mirab und Minbar beherbergt. Ein Ort der Ruhe und Besinnung,

Grabsteine

der einen mahnt, nicht die vermeintlichen Feinde, sondern den Hass in seinem Herzen zu besiegen. Wir gehen an den langen Namensreihen der Erschossenen entlang, viele Männer, auch sehr junge, wenig Frauen. Der Zorn auf Peter Handkes Essay über seine winterliche Reise nach Srebrenica und den sommerlichen Nachtrag dazu wächst mit jedem Namen und jedem Schritt. Er versucht diesen Massenmord zwar nicht zu entschuldigen, aber zu relativieren durch eine „Vorgeschichte“ dazu. Als ob die Ermordung von 8000 Menschen, die sicher nicht alle Unschuldslämmer waren, durch eine „Vorgeschichte“ zu entschuldigen ist. In Gedanken versunken suchen wir unseren Weiterweg durch die Berge und über Pässe hinunter nach Bajina Bašta, dem serbischen Grenzort an der Drina. Über eine alte schmale Brücke rollen wir hinüber nach Serbien, bleiben an der Drina und finden nach wenigen Kilometern im Ort Perućac im Tara Nationalpark nach einigen Suchen den völlig leeren Campingplatz direkt am Fluss mit Wasserfall und daneben gelegenen Restaurant. Wir haben den Eindruck die ersten Besucher in diesem Jahr zu sein.

Wir machen einen kleinen Abstecher nach Serbien und fahren wieder über die Grenze nach Bosnien:

Mededa Plaža Jaz                   St. Pl.                            N 43° 43.000′ / E 19° 10.135′

Die Brücke über die Drina

Wir zurück in die Stadt Bajina Bašta, die ihren postsozialistischen Charme, von der Zentralregierung in Belgrad weitgehend vergessen, offenbar unverdrossen beibehalten hat. Erster Abstecher von dort zum Kloster Rača, wo der Gottesdienst gerade beendet ist und die Menschen dem Restaurant zustreben. Großer Klosterkomplex mit schöner Ikonostase in der Kirche. Von dort geht es dann hinauf, auf Handkes Spuren, über den „dicken Berg“ durch den Tara Nationalpark hinüber nach Kremna und von dort wieder hinunter nach Mokra Gora, wo die Schmalspurbahn beginnt, die bis Višegrad führt. Kurz danach erneut über die Grenze nach Bosnien, Teilrepublik Srpska. Entlang der Rzav, die in die Drina mündet, passieren wir das Kloster in Dobrun. Dunkle Wolken sammeln sich über den Bergen und als wir Višegrad erreichen entlädt sich ein heftiges Gewitter. Schon wieder Regen in Višegrad! Als wir 2011 hier waren standen wir im Regen auf der berühmten Brücke. Dieses Mal überqueren wir sie nach dem Gewitterende trockenen Fußes. Foto vor der Tafel in der Mitte der Brücke (Kapija). Noch ein Bummel durch den eher trostlosen Ort.

Auf der Brücke über die Drina

Die Bäder etwas außerhalb machen ebenfalls keinen einladenden Eindruck. Das zugehörige Hotel befindet sich in einem Zustand permanenten Verfalls. Neu, glänzend und protzig zeigt sich dagegen die kleine „Stadt“ Andrićgrad auf einer Insel inmitten der Stadt, die der Filmregiseur Emir Kusturica erbaut hat. Ein Zeitungsartikel berichtete, dass er ein böser Nationalist ist. Wir verlassen die Stadt entlang der Drina im Regen, kommen durch eine Kette finsterer Tunnel und nach 12 km zur Brücke, die ins Tal der Lim führt. Kurz darauf, nach dem Dorf Mededa erreichen wir das Gasthaus Jaz, das uns die Touristinfo in Višegrad als Tipp für einen Stellplatz gegeben hat. Es liegt unterhalb der Straße direkt am Fluss und wir sind herzlich willkommen. Abendessen mit Fisch, Grillplatte und Getränken für 17 Euro.

Hier geht die Reise in Serbien weiter