Ukraine 1

Zurück nach Polen

Legende:  C.= Campingplatz; S.= Stellplatz; F.P.= freier Platz;

Wohnmobilreise Ukraine

 

Lemberg (Lviv, Lwow)                                               S.   N 49o 46.800′ / E 24o 02.797′

Wir bewegen uns nun im historischen Gebiet Galizien, das hinter Krakau beginnt und sich bis östlich Lembergs erstreckt. Unter den Habsburgern lebten hier Deutsche, Polen, Ukrainer (Ruthenen) und Juden. Die Existenz endete mit dem Untergang der Habsburgischen Monarchie 1919 und mit dem Hitler-Stalin Pakt. Galizien ist auch die Heimat der Schriftsteller Josef Roth und Bruno Schulz.

Bis zur Grenze sind es vielleicht noch 30 km. Dann die Entscheidung, welchen Grenzübergang nehmen? Wir entscheiden uns für die N4, den nördlicheren der beiden Grenzübergänge. Offenbar lagen wir mit der Entscheidung richtig, denn statt der von Vielen prophezeiten stundenlangen Abfertigungsdauer sind wir nach 1 ½ Stunden in der Ukraine. Auf eine Sonderspur für Fahrzeuge aus der EU geht es direkt zum polnischen Zoll. Bei der Einfahrt in die Ukraine bekommt man einen Zettel in die Hand gedrückt, den man zum Schluss mit allen relevanten Stempeln wieder abgeben muss. Dann Zollkontrolle: Bett Toilette und Heckkiste werden inspiziert, der übrige Wagen nicht. Dann Passkontrolle und gegenüber Kontrolle der Wagenpapiere. Dann Ausfahrt, letzte Kontrolle durch einen jungen Zöllner, dem wir unseren Zettel wieder abgeben. Er fragt uns nach fünf Euro, wir betrachten es als „Eintrittsgeld“. Mit Hilfe unseres Garmins suchen wir die Adresse eines jungen holländisch-ukrainischen Paares in Lemberg, die die Wiese vor ihrem Haus für Womos zur Verfügung stellen.Nach einiger Zeit stehen wir bei einer Plattenhaussiedlung mit zentralem Marktplatz „Santa Barbara“ und wenige hundert Meter davon findet unser Kompass ein kleines Haus mit grünem Zaun und der Nummer 107 a. Wir haben Strom und Internet und einen sicheren Stellplatz auf der Wiese vor dem Haus. Perfekt! Wir bleiben drei Nächte und besichtigen ausgiebig die wunderbar restaurierte Stadt Lemberg.

Jaremca (Karpaten)                                                        F.P.   N 48o 26.114´/ E 24o 33.091´

 Schweren Herzens trennen wir uns von unserem Gartenplatz bei Marion und Gena und fahren nach Süden auf guter Straße bis Stryj. Aber dann als wir nach Drohobyc abgebogen sind, kommt es dicke: ein Schlagloch nach dem anderen, teilweise sind die Löcher so tief, dass der Reifen darin versinken würde. Nach einigem Suchen finden wir die beiden Holzkirchen in Drohobyc. Die „Kreuzerhöhungskirche“ direkt neben der Feuerwehr ist klein, mit einem separat stehenden Glockenturm. Die „Georgskirche“ war geöffnet. Sie hat mehrere Kuppeln und ebenfalls einen separaten Glockenturm. Beide Kirchen stammen aus dem 15. Jahrhundert und erinnerten uns sehr an die Norwegischen Stabkirchen. Das Innere machte uns dann sprachlos die Wände waren überall mit einer naiven Malerei farbig bemalt. Vorne befand sich eine einfache Ikonostase. Über eine steile Leiter konnte man auf eine Art Empore klettern auf der sich dann eine weitere kleine Kirch befand, eine Kirche in der Kirche. Weiter ging es, auf jetzt wieder besserer Straße Richtung Ivno-Frankis`k. Dann fahren wir in die sanften Berge der Karpaten. In Jaremca, auf ca. 550 m Höhe wollen wir uns einen Übernachtungsplatz suchen, was sich nicht einfach gestaltet. Schließlich finden wir bei einem kleinen Imbiss einen Parkplatz etwas abseits der Hauptstraße.

Czernowitz/ Cernivci,      am Prut                                F.P.   N 48o 19.300´/ E 25o 53.881´

Am nächsten Morgen Besuch auf dem Dorfmarkt, wo Ferkel aus dem Kofferraum verkauft werden. Hinter Kreminski biegen wir links nach Verchovyna ab und fahren bis auf 1000 m durch die Karpaten, die dem Schwarzwald sehr ähnlich sind. Plötzlich stehen nicht nur drei Sprungschanzen mit Matten vor uns, sondern es springen auch Menschen herunter. Wir denken, wir sind in Hinterzarten, nur die Schanzen sind nicht so ordentlich. Verchovyna ist das Ski- und Sprungzentrum der Ukraine und es wird fleißig trainiert. Etwas später in Javoriv hängt frisch geschorene Schafwolle zum trocknen auf der Leine, wie bei uns die Wäsche. Die Häuser an der Straße verkaufen daraus gewebte Teppiche. In diesem Gebiet der Karpaten lebt der Volksstamm der Huzulen. Bei Kosiv verlassen wir die Karpaten wieder und stoßen bei Kolomyja wieder auf die Hauptstraße nach Czernowitz. Wir sind jetzt in der Bukowina, die sich bis nach Rumänien hinein zieht. Wir biegen 5 km vor Czernowitz beim Metromarkt ab, tasten uns an einem Sportplatz entlang und stehen plötzlich am Ufer des Prut. Es gibt zahlreiche Stellmöglichkeiten und unsere einzigen Gesellschafter sind einige Angler. Wir sind ganz glücklich, dass wir diesen tollen Platz in Stadtnähe gefunden haben.

Am nächsten Tag fahren wir in die Stadt und suchen einen Parkplatz. Dann beginnen wir unsere Besichtigung am Zentralplatz (Rathausplatz). Das größte Hindernis dabei ist das Straßenpflaster. Die Fahrbahnen bestehen aus holprigen Kopfsteinpflaster und die Gehwege können den indischen locker Konkurrenz machen: fehlende Steine, tiefe Löcher und ständige Niveauunterschiede machen das Gehen zu einem nicht ungefährlichen Abenteuer. Lediglich die alte „Herrengasse“, die Renommierstraße mit vielen Cafés, ist neu gepflastert. Wir gehen sie hinunterzur Armenischen Kirche, die heute ein Konzertsaal ist. Dann finden wir auch das Geburtshaus von Paul Celan, an dem eine Gedenktafel angebracht ist. Vorbei am Justizpalast zum Theaterplatz, mit schöner Fassade und Medaillons bekannter Autoren um das Gebäude. Weiter zum Universitätsviertel. Die Uni sieht aus wie ein industrieller Backsteinpalast. Es war einst der Palast des Metropoliten der Bukowina. Man bringt uns zu einem seitlichen Gebäude, das sich als die ehemalige Kathedrale entpuppt, wo grade eine Führung auf Ukrainisch beginnen soll, der wir uns anschließen. Wir verbringen noch eine weitere Nacht auf dem schönen Platz am Prut.

Wir fahren weiter nach Nordostrumänien und durch Moldawien