Baltikum

Wohnmobilreise durch Estland – Lettland – Litauen

Von Finnland kommend, haben wir die baltischen Staaten von Norden nach Süden durchquert.

Estland (Eesti)

Tallin

Bei Sonne in Helsinki den Hafen verlassen und 1:40 Stunden später bei Regen in Tallinn eingelaufen. Parkplatz gesucht und mit Regenschirm, Kamera und Führer Rundgang durch die Altstadt begonnen. Bei Dauerregen leider kein reines Vergnügen. Es fehlt immer eine dritte Hand. TallinnDie Alten kopfsteingepflasterten Gassen, Kaufmannshäuser, Kirchen, Kaffees und Geschäfte sind allerdings einmalig als Ensemble. Wie schön muß alles bei Sonnenschein sein, wenn man draußen sitzen kann. Nach 4 Stunden Rundgang sind wir erschöpft und flüchten uns in ein Kaffee, wo es in stilvollem Ambiente Kuchen und herfrlichen Kaffee gibt. Dann machen wir uns auf die Suche nach den beiden Campingplätzen, die sich beide als asphaltierte Abstellplätze herausstellen, auf denen die Wohnmobile dicht an dicht stehen. Ein Albtraum bei Dauerregen.

Insel Hiiumaa

Zur Versöhnung schien am Morgen wieder die Sonne, ich reparierte den Stecker unseres StromkabHaapsaluels und schaute dabei einer deutschen Seniorin zu, die auf dem Asphalt zwischen den Womos Gymnastik machte und Hanteln stemmte. Das heitert doch gleich wieder auf. Dann flüchteten wir vom Platz, verließen die Stadt zur Küste im Nordwesten und frühstückten auf einer Aussichtskanzel hoch über dem finnischen Meerbusen. Dann weiter über Padisa mit alten Klosterresten nach Haapsalu mit einer kuriosen Eisenbahnstation, die 1905-07 für den Besuch des Zaren Nikolaus gebaut wurde und den damals längsten Bahnsteig Europas erhielt. Kurz darauf Fähranleger nach Hiierumaa. Im Hafen InteHiumaarnetverbindung und wir rufen unsere Mails ab. Dann 1 1/2 Std. Fährfahrt auf die Insel. Nach einigem Suchen finden wir kurz nach dem Hauptort Kärdla einen traumhaften Standplatz mit Sandstrand und flachem Wasser zum Schwimmen. Kleine Entschädigung für letzte Nacht!

Insel Saaremaa

Am Morgen geschwommen. Leider ist der Himmel wieder bedeckt. Wir zockeln Richtung Fähre, besuchen Kirche und Grab der von Ungern- Sternbergs in Reigi und erreichen um 12 Uhr die Fähre hinüber nach Saaremaa. Nach einer Stunde sind wir da.Windmühlen bei KarjaSaaremaa angeschaut. Die Kirche finden wir nicht. Dann zur Inselhauptstadt Kuressaare mit alter Bischofsburg, die wie eine Festung aussieht und im Inneren auch so gestaltet ist. Der Ort selbst ist klein mit netten alten Häusern. Seit alters her ein Badeort, wir trinken Kaffee dort. Dann Suche nach einem Campingplatz. Auf dem Südzipfel der Insel werden wir fündig. Ordentliche Stellplätze unter Kiefern mit langem und sehr flachen Strand. Leider mit schlechter bis gar keiner Infrastruktur. Ausser Toiletten und Kaltwasser gibt es nichts. Das ganze sieht nach ehemaliger sozialistischer Freizeiteinrichtung aus.

 Kirchplatz von Käsmu

Wir nehmen die Hauptstrasse über die Insel, die keine sonderlichen Sehenswürdigkeiten mehr bietet und erreichen die Fähre zum Festland um 12 Uhr. Dann fahren wir quer durchs Land an die Nordküste. Unterwegs Rapsfelder, Kühe alte Bauernkaten, und in den kleinen Orten furchtbare Plattenbauten. Vor allem aber viele Störche und Nester. Im Kontrast dazu Hinweisschilder auf Internetanschluß. So dicht liegen Vergangenheit und Moderne beieinander. Vieles sieht noch sehr ärmlich aus, danebenGut Kolga entstehen moderne Einkaufszentren. Im Nationalpark Lahemaa besuchen wir das Gut Kolga, das früher und heute wieder der Familie Stenbock gehörte. Der klassizistische Bau sieht von Ferne wie eine Palladiovilla aus. Von der Nähe ist sie baufällig und unbewohnbar, bis auf ein Restaurant im Erdgeschoss. Weiter nach Vösu, wo uns ein überfüllter Campingplatz abschreckt und nach Käsmu treibt. Kleiner Spaziergang zur Landspitze mit vielen Findlingen. Nach Besichtigung von Kirchlein und Friedhof beschließen wir auf dem Rasenplatz davor zu bleiben.

Toila

Ruhige Nacht in einem freundlichen Ort. Frühstück dann an der Hafenmole von Vergi in der Sonne. Weiter zum kleinen Fischerdorf Altja mit schönen renovierten alten Fischerhäusern.Störche Spaziergang um die Landspitze und zurück durch den mückenverseuchten Wald. Weiter zum Gut Vihula, das großräumig um einen gestauten Fluß angelegt ist. Über den Teich führfen kleine Brücken und auf der Insel steht eine „baltische Schaukel“. Einige Gebäude sind renoviert, wie ein Gästehaus, ein Restaurant und Laden. Ein sehr schönes Ensemble, das einst der Familie von Lode gehörte. Weiter zum Gut Sagadi auf dem die Familien von Risbiter und von Fock residierten und das heute die estnische Forstverwaltung beherbergt. Imposanter Bau, der aber nicht besichtigt werden kann. Im Garten ein Skulpturenweg internationaler Künstler. Der Höhepunkt war Gut Palmse, das der Familie von Pahlen gehörte. Es ist mit allen Gut PalmseNebengebäuden vollständig renoviert und mit alten Möbeln ausgestattet. Die Besichtigung vermittelt ein gutes Bild des damaligen Lebens des baltischen Adels. Im Keller kaufen wir Beerenwein von 1998, der wie Portwein schmeckt und im Gartenhaus trinken wir Kaffee mit Blick auf den Teich. Auf der Hauptstrasse dann weiter bis Narva an der russischen Grenze. Abstecher zum Betonschloß von Kalvi und zur Kirche von Viro-Nigula mit keltischen Grabkreuzen Zwischendurch immer wieder Störche im Nest und auf den Wiesen. Der Campingplatz von Toisa stellt sich als Glücksfall heraus. Wenig los, saubere Sanitäranlagen und Internet im nahen Hotel.

Kodavere, Peipussee

Einkauf und Tanken in Jöhvi, einer gesichtslosen Stdt mit heruntergekommenen Plattenbauten. Weiter nach Süden zum russischen Nonnenkloster Pühtitsa in Kuremae. Wir landen zunäKloster Pühtitsachst an einem Bächlein mit Heiligenstatue und Badehäuschen in das sich abwechselnd Männer- und Frauengruppen begeben, offenbar um zu baden oder ins Wasser zu tauchen. Daneben wird Wasser in Flaschen und Kanister abgefüllt und zum Parkplatz geschleppt. Offenbar ist das ein estnisches Lourdes. Die Klosteranlage ist groß, mit Hauptkirche und vielen Nebengebäuden, vor allem Landwirtschaft. 170 Nonnen sollen hier noch leben. Russisch ist die Sprache der Nonnen, sind die Schriften und die Hinweistafeln. Interessant ist die Mischeung der Besucher, die aus Estland, Lettland und Russland kommen. Alte Mütterchen, russische Matronen und leicht bekleidete estnische Mädchen bilden eine bunte Mischung von Gläubigen. Wir fahren weiter nach Vasknarva, dem letzten Dorf vor der russischen Grenze am Peipussee. Hier verläßt die Narva den See nach Norden und bildet bis zum finnischen Meerbusen die Grenze. Auf einer Schotterstrasse am See entlang, den ein endloser Sandstrand säumt. Da Wochenende ist, sind viele Badebesucher da. Wir schwimmen, sonnen uns und trinken Kaffee. Weiter entlang am See nach Mustvee, wo Dorffest ist. Bei Narva, russische GrenzeKodavere finden wir hinter Kirche und Friedhof einen Picknickplatz dierekt am See mit kleinem Sandstrand. Es war seid langem der erste sonnige Sommertag und wir nehmen unser Abendessen in der Abendsonne ein.

Võru

Am Morgen bewölkt und windig, ich gehe trotzdem schwimmen. Dann zum Schloss in Alatskivi, das schön, aber baufällig ist. Auf eine Innenbesichtigung verzichten wir. Noch einmal zum Peipussee, zu den Dörfern der Altgläubigen, Kolja und Varnja. Schöne alte Holzhäuser. Weiter zur zweitgrößten Stadt Estlands, Tartu. Dort ist ein mittelalterliches Stadtfest.Tartu Wir bummeln vorbei an Verkaufs- und Essenständen über den Rathausplatz zum Domberg empor. Dort Kaffeetrinken in der „Rotunde“. Hier steht das Obsavatorium von Georg Wilhelm Struwe, der die Erdmeridiane erstmals exakt bestimmte. Blick in die Johanneskirche und zurück vorbei an Musikanten, Sängern und Trachtenträgern. Eine angenehme Stadt. Wir fahren weiter nach Võru, wo ausserhalb an einem kleinen See beim Hotel Kubija eine nette Wiese als Campingplatz dient. Zusammen mit einem holländischen Wohnwagen sind wir alleine dort.

Lettland (Latvija)

Sigulda/Krimulda

Am Morgen hatten wir die komfortabelste Dusche der Reise in einer kleinen Sauna mit eigener Toilette. Sehr edel! Dann weiter nach Rouge mit nettem, leider geschlossenem Kirchlein, Seen und Sandskulptur. Bei Ape über die dank EU offene Grenze. Geldtausch in lettische LatsBurg Turaida. Kaffepause in Rauda mit Skulpturen an den Kirchenportalen aus dem 13. Jahrhundert. Dann Einkauf und Touristinfo in Sigulda. Der Campingplatz stellt sich als winzige Wiese für Zelte heraus, dazu einige Elektroanschlüsse für Womos. Alles nicht sehr einladend und wir beschließen weiter zu fahren und besuchen das Schlößchen und Birini. Dort findet die Geburtstagsparty einer Dame des Coral Club International statt und alle Gäste aus lettland Estland und Rußland (nur Damen) sind kostümiert. Eine absolut skurile Gesellschaft. Auf dem Rückweg finden wir gegenüber von Sigulda am anderen Ufer des Rauda, in Krimulda einen schönen Wald- und Wanderparkplatz, der ideal zum übernachten ist. Wir machen noch einen Abendspaziergang und auch die Regenwolke ist weitergezogen.

Riga

Nach absolut ruhiger Nacht auf unserem Waldparkplatz beginnen wir eine Rundfahrt durch den Rauda Nationalpark. Zuerst die Burg von Turaida. In Sigulda das neue Schloß und die Ruine der Gaujas NPBurg des Ordens der Schwertbrüder. Über Ligatne zum „schwarzen Felsen“, der eigentlich rot ist. Dort kleine Rundwanderung. In Cesis trinken wir Kaffee und werfen einen Blick auf die Burgruine. Weiter zum Gut Ungurmuiza, dessen Herrenhaus von der Familie von Camphausen aus Holz erbaut wurde. Dahinter steht im Park ein kleines Teehaus. Kurzer Blick auf Schloß Straupe, das heute eine Suchtklinik ist. Dann auf der A3 nach Riga. Leider müssen wir im Feierabendverkehr durch die ganze Stadt, über eine Brücke der Daugava und dann zum Campingplatz, der wesentlich ordentlicher ist als der in Tallinn. Es gelingt uns sogar eine Waschmaschiene zu ergattern und unsere Wäsche zu waschen und zu trocknen.

Am nächsten Morgen begrüßt uns ein richtig heißer Sommertag zur RigaStadtbesichtigung. In einer halben Stunde ist man zu Fuß in der Altstadt, die wir dann durchstreifen. Schloß, Dom, Rathausplatz, Gildehäuser, Speicherhäuser und Kirchen, nichts entgeht uns. Nach einer Pizza zur Stärkung geht es dann zu den Jugendstilhäusern in der Neustadt. Phantastische Häuserfassaden. Rigaist unbedingt einen Besuch wert.

Jaunpils

Nach der Stadtbesichtigung heute der Schlösser- und Burgentag. Nach dem Frühstück gen Süden nach Bauska.  Dort zum Schoß Mezotne, das in einem hübschen Park am Fluß liegt. Schloß RundaleTeile davon sind zu besichtigen, der Rest ist Hotel. Katharina II schenkte es einst der Erzieherin ihrer Kinder, Charlotte von Lieven. Dann zum Höhepunkt der baltischen Schlösser, Schloß Rundale (Ruhenthal), das einst vom Herzog von Kurland, Ernst Johann Biron durch den italienischen Baumeister Rastrelli erbauen ließ. Ein riesiges Gebäude mit drei Flügeln in U- Form, 138 Zimmern, die zum größten Teil noch eingerichtet sind und ein Garten nach französischem Vorbild. Ein wirklich imposantes Ensemble. In Jelgarva steht ein zweites Schloß des Herzogs, das heute die Universität beherbergt und einen neuen Anstrich bräuchte. Imposant durch seine Größe, der Innenhof ist bereits restauriert. Leider wurde das offene U in den 70ger Jahren durch eienen Neubau der Schloß RundaleUni geschlossen. Eine Bausünde sondergleichen. Etwas weiter nördlich und abseits der Hauptstrasse steht das Burgschlösschen von Jaunpils malerisch in der Abendsonne. Im kleinen Burghof werden gerade Filmaufnahmen gemacht. Kurz darauf finden wir bei einer freundlichen Familie Unterschlupf, die einen kleinen Campingplatrz in der Nähe betreibt, der mehr für die Einheimischen zum feiern am Wochenende gedacht ist. So sind wir die einzigen Gäste und die Hausfrau, die etwas Deutsch spricht setzt sich am Abend noch zu uns, um es zu üben.

 Mikeltornis, Ostsee

Am Morgen nochmals Besuch von unserer netten Gastgeberin Alda, die jede Gelegenheit nutzt,Schloß Jaunpils um Deutsch zu sprechen. Weister nach Tukums. Schloß Durbe besichtigt, das auch von Innen interessant ist. In der Nähe liegt das Gut Schlockenbeck, das außer einem Straßenbaumuseum nicht viel bietet. Zurück zur Hauptstrasse bis zum Schloß Neu- Mocken, das neuer ist und innen vor allem schöne Kachelöfen bietet. Von außen sieht es wie ein englisches Herrenhaus aus. Das nächste Städtchen Talsi liegt hübsch an einem Teich. Kaffeepause am Usma-See. Dann der eigentliche Höhepunkt des Tages: Kirche Ugaledie Kirche von Ugāle. So schlicht das Äußere ist, umso schöner ist im Inneren eine barocke Kanzel und vor allem eine hölzerne geschnitzte Orgelverkleidung. Wir sind sprachlos ob dieses Einods. Vor Ventspils biegen wir nach Norden ab. Der Campingplatz in Liepene gefiel uns nicht, vor allem die Betreiberin mit Schäferhund und Kommandoton. Also noch einmal einige Kilometer auf Kiesstrassse und Wellblech bis Mikeltornis. Bad in der Ostsee! Weißwein am Strand.

Jūrkalne

Am morgen zurück nach Ventspils. Kleinstadt mit Charme. Warmer Sommertag mit strahlend blauem Himmel. Bummel durch den Ort: Nikolaikirche, kleine Burg (Pils), Hafenpromenade mit Kuhskulpturen und Hafenanlagen für  russisches Öl und Kohle. Wir surfen in derVentspils modernen Bibliothek im Internet. Einige schöne Jugendstilfassaden. Mittags weiter nach Süden. Alle Strandparkplätze sind überfüllt mit Wagen und Zelten. Zelten, Grillen und Party scheint das Wochenendvergnügen der Letten zu sein. Es gibt keinen freien Platz. Erst kurz hinter Jūrkalne finden wir einen ruhiges Plätzchen, bei dem die ganzen Zelter auf einer entfernten Wiese untergebracht sind. Bad in der rauhen Brandung der Ostsee.

Jūrmalciems, Hafen

Ein Sonnen- und Badetag an der Ostsee. Am Vormittag kurzer Abstecher nach Pāvilosta, dann weiter nach Liepāja. Die äußerlich renovierungsbedürftige Dreifaltigkeitskirche bietet eine barocke Innenausstattung mit Kanzel, Fürstenloge und Orgel in Rokkokoverzierung. Die Stadt versucht sich modern zu gestalten mit kleiner JürmalciemsFußgängerzone und Hafenpromenade. Trotz Sonntag schöner Markt und Markthallen mit Jugendstilfassade. Wir kaufen Pfifferlinge und Himbeeren für das Abendessen.Dann Suche nach einem Strand- und Stellplatz. Alle Parkplätze im Meernähe sind knallvoll und die Campingplätze ebenso. Dann finden wir den Hinweis zum Hafen von Jūrmalciems. Endloser Strand ein paar kleine Boote im Sand und wenig Menschen. Wir verbringen den Nachmittag lesend, schwimmend, faulenzend. Abendessen mit Rührei, Pilzen und Wurst. Weißwein am Strand zum Sonnenuntergang.

Litauen (Lietuva)

Nida, Kurische Nehrung

Der Tag begann früh um 5 Uhr, als im Bootsschuppen neben uns ein Trecker ein Fischerboot heraus- und ans Wasser zog. Damit begann der Arbeitstag der Fischer. Als ich um 8:30 zum SchwimmeKleipedan ging, stach grade der Kutter, den ich am Vorabend für nicht fahrtüchtig angesehen hatte in See. Frühstück in der Sonne, die wieder schien. Weiter Rictung Grenze, die ohne Kontrollen passiert wird. Dann plötzlich Straßenverkehr wie in Deutschland. Palanga ein Schock: Titisee hoch zehn! Der Ort voller Russen. Ein Souvenirladen am anderen, Nachtbars, Sexshops, Kaffees reihen sich aneinander. Wir wechseln Geld und flüchten. Klaipedia ist ebenfalls enttäuschend. Zwar ruhiger, aber auch nicht viel zu sehen. Ein Theater mit Brunnenfigur des „Ännchens von Tharau“ und ein paar Jugenstilfassaden und eine Flußpromenade mit ausgemustertem Dreimaster. Wohl eher eine Durchgangsstation für den Fährtouristen. Wir irren auf der Suche nach der Fähre zur kurischenKurische Nehrung Nehrung durch die Stadt. Kein Hinweisschild. Nach mehrmaligemm Fragen finden wir es. Dann folgt Abzocke: 30 Euro für die Fähre von wenigen Minuten über das Haff, 12 Euro „Eintritt“ in den Nationalpark und 25 Euro für den hoffnungslos überfüllten einzigen Campingplatz. Auf der kuhrischen Nehrung sind wir wieder an einem der Brennpunkte des Tourismus. Abendspaziergang zur Höchsten Düne und nach Nida.

Ventė, Kurisches Haff

Nach beengtem Frühstück zwischen Wohnmobilen und Zelten fahren wir, beginnend in Nida zurück über die Nehrung. Das Thomas Mann Haus in Nidden enthält ein kleines Museum. Der Treffpunkt der Künstler, das Gasthaus Blode, ist leider einem modernen Hotel gewichenKurische Nehrung und nur eine Tafel erinnert noch an die einstmals großen Zeiten. Zwei kleine neuere Dörfer am Haff bestehen aus Ferien- und Gästehäusern und sind gesichtslos. Schön dann wieder der alte Ort Juodkrantė, wo wir auf einem alten Schoner einen Imbiß einnehmen. Smyrtene ist als Fähranleger für die Fußgänger gedacht und uninteressant. Die Fähre zurück ist kostenlos, was den Preis etwas relativiert. Wieder irren wir durch das hinweislose Klaipedia, bis wir die richtige Ausfallstrasse erwischen. Am Südzipfel des Haffs, der kurischen Nehrung liegt der ordentliche Campingplatz von Ventė, wo wir bleiben und einen Blick auf Nida und die Düne werfen, auf der wir noch gestern standen.

Seredžius, Narmuna (Memel)

Am Morgen fahren wir in den Ort hinein. Letzter schöner Blick auf die kurische Nehrung in der Morgensonne. An der Landspitze ist eine Vogelbeobachtungs- und Beringungsstation. Die Zugvögel werden in großen Netzen gefangen und markiert. ZurüVenteck nach Silute über 8km staubige Wellblechpiste. Weiter auf der 141 vorbei an Wiesen auf denen Störche, Kühe und Hühner zu sehen sind. Gelegentlich noch ein Pferdefuhrwerk, alte Bauernhäuser, Frauen mit Kopftuch. Wir fühlen uns an unsere Jugendzeit auf dem Dorf  erinnert. In Smalininkai, kurz vor Jurbarkas treffen wir auf die Nemuda oder Memel, deren Grenze zu Rußland hier endet. Ab hier ist beidseits Litauen. Nun weiter entlang der Nemuna. Auenwiesen begleiten uns zu alten Burgen in Panemune und Randone, deren Turm wir besteigen. In Valiuona stehen wir vor einem hölzernen Herrenhaus, das stark renovierungsbedürftig ist. Die jetzige Besitzerin, Baroness Olga Vakselyte Larson, geb. Zubov, die jetzt in Kanada lebt und vier Monate des Jahres in Litauen verbringt um das Haus zu renovieren, gräbt grade den Garten um.Seredzius Als wir sie auf Deutsch begrüßen, ergießt sie einen Redeschwall über uns, führt uns durchs Haus und die Ahnengalerie und erklärt uns in Deutsch die Geschichte ihrer Familie. Wir haben Mühe sie nach 45 Min. zu bremsen und das Haus wieder zu verlassen. Nach einiger Suche finden wir einen Übernachtungsplatz direkt an der Memel unterhalb von Seredžius. Einer der schönsten Abende des Urlaubs am Fluß. Ruhe, das träge vorbeiziehende Wasser der Narmuna, die Fische springen, von gegenüber ruft eine Kuh. Wir sitzen in der Abendsonne und sind sehr zufrieden.

Trakai

Am Morgen wieder Sonne und ich schwimme in der Memel. Weiter nach Kaunas. Die Altstadt ist ruhig und überschaubar. Das Rathaus sieht aus wie eine Kirche, die gibt es dann ausserdem noch und ein schönes Backsteinhaus, dessen FunktiKaunason niemand kennt. Wir bummeln die Altstadt entlang zum Park am Zusammenfluß von Neris und Nemunas, trinken einen Kaffee und fahren weiter zum Kloster Pažeislis. Imposanter Kuppelbau mit Fresken und Stuckverzierungen. Das Äußere erklärt uns eine Nonne vom Orden des heiligen Kasimir, die jetzt im Kloster lebt und gerne ihr Deutsch üben möchte. Wir fahren auf der Autobahn Richtung Vilnius und dann auf den Campingplatz in Trakai, der nett an einem der vielen Seen liegt. Die Burg von Trakai leuchtet in der Abendsonne über das Wasser.

Dzūkijos Nationalpark bei Merkinė

Wir verlassen den vollen Campingplatz um Trakai anzuschauen. Der Ort ist sehr touristisch und liegt zwischen mehreren Seen. Die Burg liegt malerisch auf einer Halbinsel.Burg Trakai Angesichts der Menschenmassen verzichten wir auf eine Innenbesichtung und wenden uns den Häusern und dem kleinen Museeum der Karäer zu. Eine jüdische Splittergruppe, die aus der Türkei nach Trakai zwangsumgesiedelt wurde und immer noch in typischen Holzhäusern mit drei Fenstern zur Straßenseite hin wohnt. Weiter nach Vilnius, der am wenisten attraktivsten der drei baltischen Hauptstädte. Übersicht über die Stadt vom Berg mit den drei Kreuzen und dem Burgberg, auf den wir mit der Zahnradbahn fahren. In der St. Stanislaus Kathedrale mit separatem Glockenturm findet eine Hochzeit nach der anderen statt, vielleicht liegt es am Datum. Dann Bummel durch die Innenstadt mit diversen orthodoxen und katholischen Kirchen, vorbei am Rathausplatz Vilniusbis zum Tor der Morgenröte, dem einzig verbliebenen Stadttor in dem sich das wundertätige Bild einer Madonna befindet, das Pilgerziel vor allem von Polen ist. Zurück über das gotische Ensemble der Anna und Bernhard Kirche. Wir verlassen die Stadt nach Süden Richtung Weißrußland und finden hinter Merkine im NP einen schönen Waldplatz für die Nacht.

Es folgt ein ruhiger Wander- und Lesetag. Am Morgen zum Infozenter des Nationalparks in Marcinkonys, das noch geschlossen hat. Wir begeben uns auf eigene Faust auf einen markierten Wanderweg, ohne zu wissen wie lang er ist und ob es sich um einen Rundweg handelt.Merkine, Dzukijos NP Nach zwei Stunden auf einem schönen und abwechslungsreichen Weg sind wir wieder am Ausgangspunkt und informieren uns nachträglich über den Weg. Es ist Samstag und alle Grill- und Zeltplätze am Fluß sind schon besetzt. So beschließen wir auf unseren Waldplatz der vergangenen Nacht zurückzukehren und in Ruhe zu lesen und zu Schreiben.

In der Nacht hat es geregnet und die Luft ist klarer geworden. Wir fahren weiter nach Grutas zum Gruto Park. Ein litauischer Industrieller hat dort Büsten und Denkmale der Stalinzeit in einem Park aufgestellt, mit elektrischem Zaun und WachttGrutasürmen umgeben aus deren Lautsprechern Militärmusik schallt. Museeumsbaracken dokumentieren die 1991 beendete Sowjetzeit. Eine beklemmende Schau, die durch einen Kinderspielplatz und einen Streichelzoo für Kinder noch skuriler wird. Druskininkai ist ein Solebad mit Kurpark und breiten Alleen. Wir schauen uns die orthodoxe Kirche an. Dann wiederum ohne Kontrolle über die Grenze nach Polen.

 Hier geht die Reise weiter nach  Nordpolen