Der Süden

Vier Wochen Rundreise durch den Iran

von Shiraz bis Yazd

 

Persepolis – Pasargardae

Blick auf Persepolis

Am Morgen Aufbruch nach Persepolis, der Hauptstadt Darius des Großen, das nach ca 30 Min. erreicht ist. Es sind noch erstaunlich wenig Autos auf dem Parkplatz, wir hatten am Wochenende mit mehr gerechnet. Auch im Inneren hält sich die Masse in Grenzen, außer vor den Reliefbildern am Treppenaufgang. Das Gelände ist nicht zu groß und kann gut zu Fuß begangen werden. Man betritt die Anlage, die auf einer Terrasse liegt, durch das Tor aller Länder und arbeitet sich dann zum Treppenaufgang, vor. Hier befindet sich mit den Reliefs der Delegationen aller Völker des persischen Reiches die Hauptattraktion. Dadurch, dass die Bilder lange unter der Erde begraben waren sind sie unglaublich gut erhalten und sehr detailreich. Die unterschiedlichsten Völker und Volksstämme bringen dem König ihre Gaben dar. Eine großartige Galerie und ein Lehrbuch der Volkskunde.

Persepolis, Ost-Treppe, Delegationen der Völker

Vom Apadana, den Thronsaal selbst sind nur Säulenreste erhalten. Vom Schatzhaus, das nur als Grundriss erhalten ist, geht es zu einem Relief des thronenden Herrschers und weiter zum Hundertsäulensaal. Dann hinauf zum Grab von Ataxerxes II. Drei Stunden hat der Rundang gebraucht und wir haben sicher nicht alles gesehen. Wir fahren weiter nach Naqsh e Rostam, mehreren Felsengräbern der achämenidischen Könige mit darunter liegenden Reliefs und einer Ka´aba genanntem Gebäude, dessen Funktion noch unklar ist. Weiter nach Pasargardae, der alten Königsstadt der Achämeniden, von der hauptsächlich das Grab von Kyros II sehenswert ist. Weiterhin gibt es die Reste des einstigen Residenzpalastes und der Audienzhalle zu sehen. Dann steuern wir unser Tagesziel, eine Art Hostel in Bazm an. Abbas, der Betreiber erwartet uns mit seiner Zweitfrau und dem gemeinsamen jüngsten Sohn schon in Banavat, da er mit uns noch zu den Nomaden in den Bergen fahren will, woher seine Zweitfrau stammt. Geschenke, die wir überreichen sollen, hat er auch schon eingekauft. Wir trinken bei zwei Familien Tee, bei der dritten Ziegenmilch. Die erste Familie lebt im Sommer in hier, im Winter ziehen sie in den Südiran.

Nomaden bei Banavat

Die Töchter singen uns ein Lied und sagen ein Gedicht auf, dann können wir wieder gehen und ziehen zur zweiten Familie, die in Zelten wohnt und wo die Hausfrau gerade eine mit Milch gefüllte Ziegenhaut zu Butter schüttelt, was ca. eine Stunde benötigt.  Weiter in sein Dorf, das er, wie seine Pension, wortreich mit vielen „miraculous“ preist. Dort erwarten uns seine Töchter mit einer Deutschlandfahne und Räucherzeug in der Hand. Die Zimmer sind schlicht und einfach mit Bad auf dem Gang und mit 75 Euro deutlich überteuert. Das Abendessen, das extra berechnet wird ist gut und reichlich, leckerer Reis und Hühnchen und eine Ash vorweg.

Meymand

Bei Abbas Barzegar in Bazm

Frühstück gut mit drei Sorten frisch gebackenem Brot, das von den Damen des Hauses präsentiert wird.  Wir werden mit Rosenwasser und anderen Utensilien verabschiedet. Da heute reichlich Zeit ist, schauen wir erst noch die zerfallene Lehmfestung von Bazm an. Fast jeder Ort hatte eine solche, die uns sehr an die Lehmbauten in den Bergdörfern des Jemen erinnern. Im Ort Hararbarjan besuchen wir eine weitere derartige Burg. Sorush und ich besteigen einen Lehmturm, von dem man eine schöne Aussicht über die Anlage hat. Von dort sehen wir ein Haus mit schönem Garten, das noch bewohnt scheint. Wir gehen dorthin, läuten an der Tür und sind sofort als Gäste herzlich willkommen. Nach einem Rundgang bekommen wir frisch gebackenes Brot, Joghurt und Airan serviert, die iranische Gastfreundschaft ist einfach unglaublich. Wir fahren weiter nach Shahr e Babak durch eine weite Ebene mit einem Salzsee und vielen Pistazienplantagen und von dort hinauf in die Berge nach Meymand (gib mir Wein), eine im Sommer von den Nomaden weitgehend verlassenes Höhlendorf. Im Sommer ziehen sie mit ihren Herden auf die Weiden im Tal, gehen im Herbst zur Pistazienernte und kommen nur im Winter in ihr Dorf zurück.

Das Höhlendorf Meymand

Die Unterkunft in einer Höhle ist sehr einfach, vier Betten stehen entlang der Wände, nichts für Klaustrophobiker. Toilette ist außerhalb am Hang. Ich mache mit Sorush einen Rundgang durch den Ort, zur kuriosen Moschee, in der durch die Höhle ein Vorhang zur Abtrennung des Frauenabteils gespannt ist, entlang der Höhlenwohnungen zu einem Hamam und der ehemaligen Schule, in einer Feuerhöhle mit zwei Feuerplätzen und vier Räumen ist jetzt ein kleines Museum eingerichtet. Die jeweiligen Toiletten sind runde Steinwälle vor den Höhlen. Abendessen bei einer älteren Frau in ihrer Einraumhöhle. Es gibt eine saure Kräutersuppe, in die man Brot einweicht, dazu Ziegenjoghurt. Sicher nicht jedermanns Geschmack.

Kerman

Wir kriechen aus unsere Schlafhöhle in den Tag, frühstücken bei der alten Dame und machen uns wieder auf den Weg. Über Rafsanjan ( Peäsident Rafsanjani stammt von hier) geht es durch eine eintönige Ebene, bis die Berge wieder erreicht werden. Wir sind bereits mittags in Kerman, das auf 1800 m Höhe liegt und angenehme Temperaturen aufweist. Genug Zeit um zunächst den Gonbad-e Moshtaqieh, ein Mausoleum mit drei Kuppeln zu besuchen. Unter er größten ist der gleichnamige Sufimeister beigesetzt., in der kleineren ein Gouverneur von Kerman.

Kerman, Freitagsmoschee

In der Nähe liegt die Freitagsmoschee, die von den Mozafferiden erbaut wurde mit sehr schönem Fliesenschmuck. Dann fahren wir erst einmal zum Hotel Gowashir, das enttäuschend ist. Die Zimmer und Flure heruntergekommen, Vorhänge abgerissen. Alles sehr indisch. Leider bleiben wir hier drei Nächte, bekommen aber ein halbwegs akzeptables Zimmer. Nach kurzer Mittagspause, brechen wir am Nachmittag wieder in die Stadt zum Platz Ganj Ali Khan auf, der von einem Windturm überragt wird. Von dort bummeln wir durch den Basar und zum Abschluss noch in eine Medrese. Dann geht es zurück ins Hotel.

Bam – Mahan

Die Zitadelle von Bam

Besuch in Bam, einer meiner Sehnsuchtsorte auf dem Weg nach Indien. Ich bin glücklich endlich dorthin zu kommen. Die Fahrt geht zunächst durch eine wunderbare Bergkulisse mit Viertausendern rechts und links der Straße und führt dann vor Bam hinunter in eine weite, sehr heiße Ebene. Die Lehmzitadelle, die am 26.12. 2003 durch ein Erdbeben vollständig zerstört wurde, wird inzwischen mit Geldern der UNESCO wieder restauriert. Mann kann wieder einen ausgeschilderten Weg, vorbei an einigen restaurierten Gebäuden, bis hinauf zu einem Vorhof des Königspalastes gehen, der selbst noch gesperrt ist. Aber auch so bekommt man einen Eindruck von der einstmals großartigen Anlage. Dann fahren wir zurück und machen einen Abstecher zur Lehmburg von Rayan, die eine Miniaturausgabe von Bam und vollständig erhalten ist. Hier bekommt man einen guten Eindruck von solch einer Burganlage. Sorush, der zum ersten Mal hier ist, springt wie eine Gämse durch die Anlage und kann sich kaum trennen. In Kerman gibt es für jeden noch gefüllte dreieckige Blätterteigtaschen und ein Eis.

Mahan, Mausoleum Nureddin Nematollah Vali

Am Morgen fahren wir noch einmal Richtung Bam, biegen aber schon bald nach Mahan ab zum Mausoleum des Sufimeisters Nureddin Nematollah Vali. Es hat eine leuchtend blaue Kuppel und an jeder Seite der Anlage zwei Minarette. Durch einen Portal gelangt man in einen Innenhof mit Wasserbecken und dann in den Grabraum mit dem grün beleuchteten Schrein. An der Wand findet sich ein Bild und eine Relief des Meisters.  Rast im nahegelegenen Garten Baq-e Shahzadeh  Die Gartenanlage ist am Berghang gelegen und von zwei klein Palästen an jedem Ende begrenzt. Vom oberen Ende kommt das Wasser in Kaskaden heruntergeflossen. Die dahinter liegenden Viertausender geben insgesamt ein malerisches Bild ab. Wir machen Pause im Garten, essen Melone und Eis, bevor wir wieder ins Hotel fahren. Am Nachmittag das Hamam im Basar, die Bibliothek und ein Eisturm. Lange Schlangen vor den Tankstellen, um Mitternacht wird das Benzin teurer.

Yazd

Yazd, Ateshkadeh, Tempel der Zoroastrier

Wir brechen auf zu unserem nächsten Ziel Yazd. Die Fahrt geht durch eine Ebene mit endlosen Pistazienplantagen bis wir ca. 60 km vor Yazd zur Karawanserei Zeinod-Din kommen. Diese hat eine ganz ungewöhnliche runde Form und ist von Balutschen zu einem traditionellen Hotel ausgebaut worden. Gegen eine kleine Gebühr können wir es besichtigen und einen Tee trinken. Wir fahren weiter in das Dorf Saryazd, wo es ein Lehmfort, zwei Karawanserein und eine Station zum Pfersewechseln (Chaparkaneh) zu sehen gibt. Im nahen Ort Mehriz steht ebenfalls noch ein altes Fort aus Lehm und Stroh. Das Safaieh Hotel in Yazd ist groß, aber sehr ordentlich.  Wir kommen in einem ruhigen Nebenhaus unter und starten bald darauf zur ersten Besichtigungsrunde. Der Tempel der Zaroastrier (Ateshkadeh) ist unser erstes Ziel. Er ist zwar noch nicht sehr alt, dient aber einer der größten Gemeinde der Zoroastrier als Andachtsraum. Über dem Eingang schwebt die geflügelte Sonnenscheibe uns im inneren brennt das ewige Feuer. Die Details des ältesten monotheistischen Glaubens hier auszubreiten, würde den Rahmen sprengen. Aber ihr Grundsatz

Yazd, Baq-e Doulatabad

Gute Gedanken-Gute Worte-Gute Taten und ihre positive Lebenseinstellung finde ich sehr sympathisch. Dann besuchen wir noch einen weiteren persischen Garten aus der Liste des Weltkulturerbes, den Baq-e Doulatabad, in dem der höchste Windturm der Stadt steht.Yazd hat schon Wüstenklima, daher waren Gärten mit Wasserläufen wichtig und beliebt. Windtürme dienten zum Transport frischer Luft durch einen Turm nach unten in die Wohnräume und der Luftstrom wurden zumeist noch über einem Wasserbecken angefeuchtet. Wir probieren es aus und sind überrascht über den kräftigen Luftzug, der uns trifft. Wir genießen den Garten auf einem der Sitzpodeste bei einem Tee aus dem Samowar.

Ein voller Tag in Yazd, einer Stadt, die mir von allen bisher am besten gefallen hat. Am Morgen fahren wir zu den Türmen des Schweigens (Dakhmeha-ye zartoshtiha) der Zoroastrier, die hier Toten bis in die sechziger Jahre ihre Toten bestattet haben indem sie sie auf den Türmen für die Geiern und andere Vögel ausgelegt haben.

Yazd, Türme des Schweigens der Zoroastrier

Der Hintergrund ist ihre Verehrung der Naturelemente Feuer, Wasser, Erde, Luft, die durch die Verwesung Verstorbener nicht verunreinigt werden dürfen. Es sind zwei Hügel mit einem Steinring auf dem Gipfel erhalten. Einen besteigen wir. Oben findet sich lediglich noch eine Mulde in der früher die abgenagten Knochen bestattet wurden. Man hat einen herrlichen Blick über die Stadt von dort oben. Unten liegen einige Gebäude in denen die Totenwäscher und entfernt lebende Angehörige wohnten. Auf dem Weg in die Stadt bringt Sorush uns zu einigen Mühlen, in denen Mehl, Gewürze und Henna gemahlen wird. Dann geht es in die Altstadt (Weltkulturerbe) direkt zur Freitagsmoschee, deren schlanke Minarette schon von Ferne zu sehen sind. Das Innere enthält einen schlichten, aber sehr schönen Fliesenschmuck. Dann Bummel durch die Altstadt und Besuch einer alten Schule in deren Räumen sich heute vorwiegend kleine Handwerksläden befinden. Wir werfen einen Blick auf die türkisfarbene Kuppel des Mausoleums von Seyyed Rukn ad-Din, das Mittwochs nur für Frauen geöffnet ist. Dann wollen wir zu einer kleinen Rast zu Sorushs Hotel gehen und davor stehen zwei Schweizer Landrover. Im Inneren sitzen die beiden Schweizerinnen, denen wir bei ihrem Unfall beigestanden haben. Sie strahlen uns an, der Wagen war in einem Tag repariert ohne Kosten für sie und sie können ihre Fahrt wie geplant fortsetzen. Wir sitzen lange zusammen und plaudern.Dann brechen wir zum Nachmittagsprogramm auf und gehen zum Meydan-e Mir Chaqmaq, einem  Platz (Tekiyeh) mit einem großen Schmuckportal, der früher für Feste und Versammlungen genutzt wurde.

Yazd, Meydan-e Mir Chqmaq, Zurkhaneh

Auf ihm steht auch der größte Festwagen (Naql) der Stadt. Besuch des Wassermuseums in dem die Wasserversorgung der Stadt mit Kanälen (Qanaren) erläutert wird, einem System, das wir schon in Marokko kennen gelernt haben. Man begreift hier, welchen großen Stellenwert die Versorgung mit Wasser für die Wüstenbewohner hatte. An einer Ecke des Platzes befindet sich die bekannteste Konditorei von Yazd (Hadjj Khalife) in der wir süße Mitbringsel kaufen. Direkt dahinter liegt ein altes Wasserreservoir mit fünf Windtürmen. Darin befindet sich heute eine Turnhalle (Zurkaneh), in der Männer den typisch iranischen Kraftsport, eine Mischung aus Gymnastik und Kraftübungen mit Keulen und Ketten ausüben. Dazu schlagen zwei Trommeln den Rhythmus und ein Sänger trägt Lieder und Gedichte vor. Touristen sind gegen einen kleinen Obolus zugelassen. Wir schauen dem Spektakel eine halbe Stunde zu, dann dröhnen uns die Ohren.

Die Reise geht im Osten weiter