Der Osten

Vier Wochen Rundreise durch den Iran

von Yazd bis Teheran

 

Garmeh

Von Yazd fahren wir in das etwas nördlich gelegene Meybod. In der verlassenen, aber teilweise schön restaurierten Altstadt gibt es die Reste eines Lehmforts, das wir, da wir schon viele davon gesehen haben, nur von Außen betrachten. Außerdem einen Wasserspeicher mit vier Windtürmen, eine Karawanserei, eine Pferdestation (Chakar Khane) und einen Eisspeicher. Die Stadt selbst ist eine Hochburg der Keramikfertigung und wir kaufen ein paar Kleinigkeiten ein, wie ein Gefäß für Dizi, einem iranischen Eintopf.

Chakchak, zoroastrischer Feuertempel

Dann geht es nach Osten bis Chakchak, dessen Name das von der Decke einer Höhle tropfenden Wasser nachahmen soll. Der Ort liegt hoch an einem Berghang und ist ein zoroastrischer Pilgerort. Die wenigen Häuser am Hang dienen den Pilgern als Unterkunft. Wir steigen steil zu einer Felshöhle hinauf, in der das ewige Feuer mit drei Flammen auf einem Altar brennt. Ein sehr ruhiger, stimmungsvoller und meditativer Ort, in dem wir eine ganze Weile sitzen bleiben. Auf der Weiterfahrt durch die Berge geht es bergauf und die Klimaanlage läuft auf vollen Touren. Plötzlich kommt im Peugeot Pars, den viele Iraner fahren, die Warnmeldung: Kühlwasser zu heiß. Wir halten an und schon kocht es.  Da stehen wir nun in der Hitze mitten in der Pampa, kein Wagen kommt vorbei, und wir brauchen dringend Wasser. Wir leeren die letzte Wasserflasche in den Kühler und versuchen langsam den Berg hinauf zu kommen. Kurz vorm neuerlichen Siedepunkt sind wir über den kleinen Pass, rollen den Berg hinunter auf einen Hühnerstall zu in dem wir einen Wasserhahn finden und den Kühler auffüllen. Sorush ist wirklich ein Glückspilz, kurz darauf springt er schon wieder durch die Ruinen der Altstadt von Kharanak und wir sind uns einig, dass er eine iranische Ausgabe von Jochen Gummibär ist. Wir fahren  weiter an den Rand der Wüste Lut. Großartige Bergkulissen wechseln sich ab mit flachen Steinwüsten, es ist sehr heiß. Wir biegen in Robat-e Posht von der nach Mashad führenden Hauptstrasse ab, Berge kommen wieder näher, kleine Orte mit Palmenoasen tauchen auf, ein letzter Abzweig und wir sind mit der untergehenden Sonne in Garmeh, einem kleinen Dorf in einer Oase aus Dattelpalmen, Granatapfelbäumen und Pistazienbüschen.

Garmeh, Pension Ateshooni

Hier hat ein einheimischer Maler, der lange in Frankreich gelebt hat, eine einfache, traditionelle Unterkunft eingerichtet, genannt Ateshooni, was gemeinsam um das Feuer sitzen bedeutet. Wir sind heute die einzigen Gäste und beziehen das einfache Zimmer mit Matratzen auf dem Boden. Abendspaziergang zu einer Quelle am Fuß der Berge in der kleine Fische schwimmen, die einem die Hornhaut von den Füssen knabbern, wenn man sie ins Wasser hält. Bei uns muss man dafür viel Geld bezahlen. In der Nähe stehen zwei Wohnmobile mit Franzosen und ich werde ganz neidisch. Sie wollen noch weiter nach Usbekistan.

Nain

Es wird eine harte und heiße Nacht. Da lernt man den Komfort unserer Matratzen wieder schätzen und merkt, wie weit wir uns von einer einfachen Lebensweise entfernt haben.

Wüste bei Mesr

Am frühen Morgen mache ich einen Rundgang durch die Oase. Nach dem bescheidenen Frühstück verabschieden wir uns von den Kamelen und Ziegen vor der Tür und fahren weiter in die Wüste hinein nach Mesr, wo es die ersten richtigen Sanddünen gibt. Da es bereits sehr heiß ist, will Sorush uns so nah wie möglich an die Dünen bringen und bleibt prompt im Sand stecken. Wir schieben und kommen nach einigen Versuchen wieder frei. Nachdem ich ich mir beim Besteigen einer Sanddüne fast die Füße im heißen Sand versengt habe, beschließen wir, dass weder unser Fahrzeug noch meine Sandalen wüstentauglich sind und treten den Rückzug in die Zivilisation an. Wir fahren in drei Stunden über Anarak, wo es einige Wachttürme und eine verfallene Lehmstadt gibt, bis Nain an der Hauptstraße nach Teheran. Das staatliche ITTIC Hotel ist das einzige hier, und entgegen meinen Befürchtungen in hervorragendem Zustand. Wir bekommen eine Suite über zwei Etagen, Sorush darf unten auf der Couch schlafen.

Nain

Am Nachmittag kurze Stadtbesichtigung. Die Freitagsmoschee ist ungewöhnlich, da sie keinerlei Fliesenschmuck aufweist und nur Ornamente an den Bausteinen hat. Mehrere Wasserspeicher mit Windtürmen sind zu sehen. Viele Menschen kommen und holen sich Wasser, da das Grundwasser durch die nahen Salzseen im Sommer leicht salzig wird. Wir fahren in das nahe Dorf Mohammadiayeh, wo in kleinen Felshöhlen farbenfrohe Teppiche gewebt werden.

Esfahan

Esfahan, Freitagsmoschee, Gebetssaaal mit ilkhanidischere Stuckmihrab des Oldjaitu

Gegen Mittag sind wir bereits in Esfahan, der Partnerstadt Freiburgs. Da es noch zu früh für das Hotel ist, fahren wir erst zur Feitagsmoschee (Atiq Djame Moschee), einem riesigen Gebäudekomplex, der im Lauf der Jahrhunderte immer weiter gewachsen ist.

Neben vier Iwanen mit schönem und ausgefallenem Fliesendekor gibt es zahlreiche Nebengebäude, die zu beschreiben hier zu weit führen würde. Durch den Basar geht es zur Ali Moschee, die gerade restauriert wird und im Inneren einige bemerkenswerte Aufforderungen wie „Tod den USA“ trägt. Gegenüber liegt das Mausoleum Harun al-Velayat, dessen Vorraum mit bildlichen Darstellungen ausgemalt ist, eine Rarität in der islamischen Kunst. Das Grab ist von schönem Fliesenschmuck umgeben. Ich probiere „Beryan“, eine Spezialität der Stadt, die es nur in kleinen Garküchen des Basars gibt: gebratenes Lammhack mit Kräutern + Lungenhack + ein Stück Leber.  Das Hotel Abbasi hat eine prächtige Lounge und einen sehenswerten Innenhof mit Café und Restaurant. Die Zimmer sind dagegen eher durchschnittlich, klein und leicht abgewohnt.

Esfahan, Jolfa, armenische Erlöserkirche

Am Nachmittag besuchen wir das Armenierviertel Jolfa jenseits des Flusses Zayandeh Rud. Shah Abbas hatte Armenier aus Jolfa als Baumeister mitgenommen, als er seine Hauptstadt von Tabriz nach Esfahan verlegte. Dort befinden sich dort einige armenische Kirchen und prächtige Villen.Die größte Kirche ist die schön ausgemalte Erlöserkirche, die eine Mischung aus armenischer Architektur mit separatem Glockenturm und muslimischen Dekor darstellt. Es gibt ein Museum zur Geschichte der Armenier und zum Genozid von 1915. Die nahe gelegene Kirche zu Bethlehem ist leider geschlossen. Zum Abschluss des Tages fahren wir zu zwei der berühmten Brücken Isfahans.

Esfahan, Brücke Si-o Se Pol

Die erste Brücke Si-o Se Pol mit 33 Brückenbögen erleben wir in der untergehenden Sonne.Die zweite, Pol-e Khadjou ist bereits beleuchtet und hunderte Menschen haben sich eingefunden, um am Wasser zu sitzen, zu singen und zu vespern. Eine unglaubliche Stimmung. Immer wieder werden wir mit „welcom to Iran“ begrüßt und aufgefordert mit ihnen gemeinsam ein Foto zu machen, vom Essen zu probieren oder Tee zu trinken. Die Brücke selbst ist ein Schmuckstück mit einem Übergang für Fußgänger und einem Gang darunter, in dem sich im Schatten sitzen lässt und und begehbaren Podesten auf beiden Seiten des Flusses auf denen die Menschen sitzen und ins Wasser schauen. Ein schöner Tagesabschluss.

Meydan mit Imam Moschee

Am nächsten Morgen gehen wir zu Fuß durch die engen Gassen von Esfehans Altstadt und dann weiter durch einen Teil des Basars in dem wir die Handwerker in ihren Werkstätten bei der Arbeit beobachten können. Bei Kupfarbeiten, dem Bemalen von Dosen und Emailarbeiten, eine typische Frauenarbeit, die mit feinsten Pinseln kunstvoll von Hand gemacht wird. Natürlich kaufen wir ein, denn für die Arbeit, die darin steckt sind die Dinge sehr preiswert. Dann kommen wir zum riesigen Meydan, ein Platz von ca. 520 x 160 Metern um dem herum doppelläufige Arkaden ziehen und um den die wichtigsten Gebäude Esfahans gruppiert sind. Wir beginnen mit der großen Moschee (Imam Moschee), deren Innenhof leider von Zeltplanen für das Fest zum Geburtstag des 12. Imams Mahdi am 3.6. bedeckt ist. Die vier Iwane sind allerdings prächtig mit viel gelben Fliesen verziert. Angegliedert sind eine Medrese und ein weiterer Hof. Nach ausgiebiger Besichtigung ist Mittagszeit, in der die Moscheen wegen des Mittagsgebets für Besucher geschlossen werden und das Leben in der Stadt erstirbt. Auch wir ziehen uns einem Eiskaffee zurück und gehen Geld tauschen. Danach besuchen wir Ali Qapu, den Sommerpalast von Shah Abbas, der vor allem im Thronsaal mit schönen Gemälden versehen ist. Im obersten Geschoss ist der Musiksaal mit Stuckelementen in Form von Vasen und Krügen zur Verbesserung der Akustik versehen.

Esfahan, Lotfollah Moschee

Ein kleiner Spaziergang führt uns zum Chehel Sotun Palast, der in einer Gartenanlage liegt und der im Hauptsaal sechs große Gemälde enthält, die hauptsächlich Schlachten darstellen. Darunter finden sich Fresken mit Hof- und Gartenszenen. Den Abschluss bildet der Besuch der Lotfollah Mosche auf der gegenüberliegenden Seite des Platzes. Sie war die Privatmoschee von Shah Abbas, ist entsprechend klein und besonders schön mit Fliesen verziert. Ein wunderbarer meditativer Raum in dem das Sonnenlicht immer so gebrochen wird, dass ein Lichtstreifen unter der Decke nach Mekka weist. Dann geht es nach neun Stunden Besichtigung erst einmal zurück ins Hotel Abassi. Abendessen im Restaurant Shahrzad in der Nähe, das als eines der besten Esfahans gilt.

Am dritten Tag in Esfahan wollen uns  wieder abseits der Touristenpfade bewegen und fahren, nach einem Zwischenstopp bei der Khadjou Brücke, in den Stadtteil Takht-e Fulad, wo wir zunächst den „Rosengarten der Märtyrer“ (Golestan-e Shohada), einen Friedhof mit Zehntausenden Gräbern von jungen Männern, die im Irakkrieg gefallen sind. Mir blutet das Herz beim Anblick der Bilder all der jungen Männer, die nun nicht mehr leben. Nicht weit entfernt liegt das Mausoleum von Baba Rokn ad-Din, eines berühmten Heiligen Esfahans mit einem Spitzdach.

Esfahan, Blick ins Innere eines Taubenturms

Einige Straßen weiter steht einer der wenigen noch erhaltenen Taubentürme im Iran. Sie dienten in erster Linie zur Produktion von Taubenmist zur Düngung der Felder. Dias Innere ist groß und in mehrere Abteilungen aufgeteilt, die zahllose Nistplätze für Tauben enthalten. Man kann mehrere Etagen hinauf steigen. Es brüten immer noch Tauben dort, in deren Nestern Eier liegen. Den Abschluss des Vormittags bildet der Besuch der Seyyed Moschee , die als Besonderheit einen freistehenden Uhrturm hat. Auch hier sind die Vorbereitungen für die kommenden drei Feiertage in vollem Gange. Morgen Geburtstag des 12. Imams Mahdi, übermorgen Todestag Chomeinis und dann Freitag, der Sonntag der Muslime.

Kashan

Natanz, Freitagsmoschee

Um von Esfahan nach Kashan zu gelangen benutzen wir nicht die Autobahn, sondern Landstraßen, die landschaftlich interessanter sind. Erster Halt im Dorf Tarq in dem es eine alte Lehmburg oberhalb eines Sees gibt.  Dahinter steht der 3900 m hohe Kuh-e Karkas und hat alles im Blick. Weiter geht es nach Natanz, dem deutschen Zeitungsleser als einer der Orte der iranischen Atomforschung bekannt. Die Anlage liegt aber weit entfernt vom schönen Ort. Wir besuchen dort die Freitagsmoschee mit einem wunderbaren Portal aus blauen Fliesen, das eigentlich zu einem Sufi Konvent gehörte, der nicht mehr existiert. Im Innern der Moschee ist besonders die Grabkammer eines Sufimeisters von 1307 mit ihren Stuckschriftbändern und einer schönen Muquarnas Kuppel sehenswert. Von Natanz aus machen wir einen Abstecher in die Berge zum Dorf Abyaneh, das in den Ausläufern des Karkas Gebirges liegt. Wegen des Feiertages sind viele iranische Besucher nach dorthin unterwegs. Das Dorf hielt noch lange nach der Islamisierung an seinem zorastrischen Glauben fest, bis es zwangsweise bekehrt wurde. Noch heute sprechen die Menschen eine eigene Sprache und tragen eine besonders farbenfrohe Tracht. Die Frauen schmücken sich mit Kopftüchern mit Rosenmuster. Wir machen einen Spaziergang durch das Dorf, dann durch die Gärten bis auf den gegenüberliegenden Hang, von wo man einen schönen Blick auf das Dorf vor der Bergkette hat.

Kashan, Abbasi Haus

Dann geht es weiter nach Kashan, das nicht nur für seine Rosen, sondern auch für seine alten Villen und Herrenhäuser bekannt ist. Wir besuchen das Abbasi Haus mit vielen Räume, Terrassen und Innenhöfen. Man kann sich kaum vorstellen, dass nur eine Familie darin gewohnt haben soll. Viele dieser Häuser sind heute zu Hotels oder Restaurants umgebaut. Wir werfen noch einen Blick in die Moschee, die zu unserer Überraschung im Untergeschoss noch eine Medrese beherbergt. Eine derartige Kombination haben wir noch nie gesehen. Medrese neben der Moschee, aber nicht im Innenhof eine Etage tiefer. Dann geht es ins kleine nur sechs Zimmer bietende Hotel „Rose Garden“, das nicht nur ordentliche Zimmer, sondern das schnellste Internet der ganzen Reise bietet.

Teheran

Feuertempel (Chartagi) in Niasar

Wegen des heutigen Trauertages ist der Fin Garten geschlossen. Wir fahren in das Dorf Niasar nahe Kashan, in dem Rosenwasser produziert wird. Die Rosenbüsche sind natürlich schon abgeerntet. Im Dorf selbst herrscht ein Masseneinstrom iranischer Touristen, die den Feiertag für ein Picknick nutzen wollen. Es ist, als ob im Iran jeder halbwegs attraktive Ort an Wochenenden und Feiertagen einem Massenzulauf von Familien und Gruppen ausgesetzt ist, die auf Wiesen, unter Bäumen und jedem freien Platz ihr Lager für ein Picknick aufschlagen. Hier im Ort lockt zusätzlich ein Miniwasserfall und ein Feuertempel, der imposant auf einem kleinen Hügel steht. Wir kaufen Rosenwasser und bestaunen die lagernden Massen. Auf der Weiterfahrt nach Teheran kommen uns Hunderte von Bussen entgegen, die aus den entlegensten Gegenden Irans zum Mausoleum Khomenis angereist sind und nun auf dem Rückweg sind, eine endlose Flut. Auf den Besuch des Mausoleums in Quom verzichten wir. Wir haben genug davon gesehen. Nach 8.000 Kilometer durch Iran, erreichen wir wieder Teheran. Das Hotel Esteqlal ist ordentlich, wenngleich die Zimmer abgewohnt sind. Wir versuchen unsere Sachen zu packen, was durch die vielen Einkäufe nicht ganz einfach ist.

Teheran, Basar

Abends treffen wir uns noch einmal mit Sorush zu einem Abschiedsdinner. Zu unserer Überraschung bringt er seine Freundin Somayeh mit, ein winziges und für iranische Verhältnisse nur wenig geschminktes Mädchen. Wir fahren gemeinsam in die die Stadt zum Meydan-e Tarish, bummeln durch den sehr vollen Basar (indische Verhältnisse) bis zu einem Mausoleum des Imamzadeh Saleh , das wir wegen der Überfülle im Inneren nur von außen betrachten. Dann wieder zurück und mit dem Auto mitten hinein in den Verkehrsstau. Mit viel Glück finden wir einen Parkplatz und laufen zu Fuß zur neuen, nachts grün beleuchteten Brücke, die zwei Hügel miteinander verbindet. Skater, Rollerbahn und Vergnügungspark sind voll Menschen. Der Magen hängt uns mittlerweile in den Knien, alle Lokale sind überfüllt. Nach einer Wartezeit bekommen wir einen Tisch in einem italienischen Lokal und essen Pizza, nach dem vielen Kebab eine willkommene Abwechslung. Gegen Mitternacht sind wir wieder im Hotel. Noch vier Stunden Schlaf bis zum Wecken.

Sorush holt uns um 5 Uhr im Hotel ab. 45 Minuten Fahrt bis zum Flughafen mit einem wunderbaren Blick auf den Damavand,  den höchsten Berg Irans , in der aufgehenden Sonne. Wir verabschieden uns herzlich von Sorush, wir haben uns gegenseitig lieb gewonnen. Er war erstaunt über die fitten Siebzigjährigen und wir haben einen lieben Lausbub ins Herz geschlossen.

Das Reisetrio verabschiedet sich