Der Norden

Vier Wochen Rundreise durch den Iran

von Teheran bis Tabriz

Teheran

Blick auf Teheran

Am Flughafen in Teheran ist die Abfertigung erstaunlich zügig. Flotte Passkontrolle, keine Gepäckkontrolle. Wir können es kaum glauben. Sorush, unser Führer erwartete uns und erweist sich als der freundliche, ruhige Führer, den ich nach unserer langen Kommunikation per Internet erwartet hatte. Er hat einen im Iran produzierten Peugeot Pars, wie ihn viele Iraner fahren. Wir fuhren in die Stadt.  Weiter in den Norden nach Darband, wo die Straße entlang eines Flusses in die noch schneebedeckten Berge ansteigt. Hier gibt es mehrere Kaffees und Restaurants und wir ließen uns erst einmal zu einem Tee nieder. Danach gingen wir zu den Schahpalästen, die Saadabad Paläste, mit den ehemaligen Häusern und Wohnungen der Pahlevi Dynastie. Den grünen Palast hat der Vater des letzten Schahs bewohnt und die Einrichtung ist noch original erhalten. Fotografieren verboten. Im weißen Palast hatte der letzte Schah seine Arbeits- und Empfangsräume. Eher nüchtern und nicht der erwartete Protz. Wir schlenderten durch den weitläufigen Park, in dem noch mehrere weitere Gebäude stehen, die heute Museen beherbergen. Dann wieder in die Stadt, Geld gewechselt ( 1 Euro= 37.250 Rial) und hinab in den Tresor der Nationalbank, in dem der gesamte unschätzbare Juwelenschatz des Iran lagert. Beschreibung unmöglich! Die Augen gehen einem über. Ein Globus aus Edelsteinen, die Kronen des letzten Schahs und Farah Dibas, der Pfauenthron und die größten Juwelen der Welt.

Teheran, Golestan Palast

Es ist unglaublich und sicher das absolute Highlight der ansonsten trostlosen von ständigen Verkehrsstaus geplagten Stadt, die aus mit Autos verstopften Straßen, halbfertigen Betonskeletten und Smog besteht. Zum Schluss werfen wir noch einen Blick in den Basar mit einigen sehr schönen Innenhöfen und  auf den Golestan Palast. Dann quälen wir uns in einem endlosen Stau aus der Stadt heraus und fahren 150 km nach Quazvin. Einchecken im halbwegs passablen Hotel Alborz und gemeinsames Abendessen in einen gehobenen Restaurant.

Quazvin

Sorush, der in einem Hostel geschlafen hat, holt uns mit dem Wagen zur Besichtigung von Quazvin ab. Wir beginnen mit dem Grabturm von Hamdallah Mostowfi, der nur von außen besichtigt werden kann. Er war ein Geschichtsschreiber und Geograph aus Quazvin. Schöne Kuppel. Dann zum Höhepunkt des Tages, der Freitagsmoschee mit riesigem Innenhof, der auf jeder Seite einen Iwan hat. Der Reinigungsbrunnen ist von Bäumen umstanden. Die Iwane sind mit Schmuckbändern in Moaraq (Mosaiktechnik) und Haftrang (sieben Farben, bemalt und gebrannt) umrahmt. Ein fast leerer und meditativer Ort.

Qazvin, Mausoleu  Imamzade-ye Hossein

Dann ein Besuch im Mausoleum von Immamzade-ye Hossein, ein Sohn des 8. Imam Reza. Spiegelmosaike dominieren im Eingangsbereich, im inneren der Sarkophag. Meine Begleiterin ist auf der Frauenseite und unterhält sich dort bestens. Dann fahren wir zu einem alten Hamam, das heute als Museum eingerichtet ist und verschiedene Stämme in ihrer Tracht und bei der Arbeit zeigt. Als nächstes ein Bummel durch den frisch renovierten Teil des Basars, im alten Teil kaufen wir Pistazien und Sonnenblumenkerne. Dann ist Zeit für eine Pause in einem kleinen Restaurant mit der Probe einer Ash reshte, der Standardsuppe Irans, die uns gut schmeckt. Zum Schluss werfen wir noch einen Blick auf den Palast Chehel Sotun mit schönen Kacheln und Holzbalkonen. Insgesamt ist Quazvin eine sehr sehenswerte Stadt, die noch vom Tourismus verschont ist.

Masouleh

Dann geht es wieder auf die Autobahn und durch die Berge hinunter Richtung Kaspisches Meer. Sorush wird wegen Geschwindigkeitsübertretung von der Polizei angehalten, da er bisher noch ohne Strafmandat ist, kommt er noch einmal davon. Erster Stopp in Rudbar, der Olivenstadt. Die Straße ist gesäumt von Läden, die Oliven in allen Varianten verkaufen. Vor Rasht, der Hauptstadt der Provinz Gilan, biegen wir nach Fuman ab, deren Spezialität leckere größere Kekse mit Nussfüllung ist, die wir natürlich auch probieren müssen. Dann geht die Strasse hinauf in die Berge nach Masouleh.

Masouleh

Leider beginnt es zu regnen und Nebel zieht auf, so dass wir vom Ort nicht viel sehen können. Wir beziehen eine kleine Wohnung mit Bad, Schlafzimmer, Küche und Wohnraum. Sorush fragt uns, ob er auf der Ausziehcouch schlafen darf, was wir natürlich genehmigen, er ist wirklich ein netter Kerl, der sehr um uns bemüht ist. Rundgang im Nieselregen durch den Ort. Der ehemalige Basar ist inzwischen in eine Touristengasse mit Souvenirläden umgestaltet worden. Das ganze erscheint nicht sehr einladend. Vielleicht ist das Wetter morgen besser und wir bekommen ein positives Bild davon. Abendessen in einem kleinen Restaurant im Basar. Am nächsten Morgen sind vom Ort sind einige Häuser zu sehen, gerade ausreichend für ein paar Bilder, bevor es wieder einnebelt. Wir meinen, dass man Masouleh nicht unbedingt gesehen haben muss. Jedes schweizer Bergdorf ist eindrucksvoller.

Ardabil

Teeplantage bei Fuman

Wir fahren zurück nach Fuman. Vor dem Ort halten wir an einer Teeplantage, dessen Besitzer uns begeistert die gerade laufende Ernte mit einer Maschine zeigt. Dann sollen wir noch die Teemanufaktur in Fuman besichtigen, an die er seinen Tee liefert. Der Chef begrüßt uns persönlich mit Handschlag und perfektem Englisch. Wir werden in ein Büro mit Papagei gesetzt und bekommen jeder eine Tüte mit Teedosen überreicht. Dann folgt eine Führung durch die Fabrik von der Anlieferung über Welken und Trocknen der Blätter bis zum sortieren nach Größe in Rüttelmaschinen und dem Aussortieren nach Farbe in einer hochmodernen chinesischen Maschine. Sehr informativ. Es geht jetzt an zahlreichen Reisfeldern vorbei. Etwas weiter machen wir eine Pause an einem Strand am Kaspischen Meer der von Ferienhütten und Imbissbuden gesäumt ist. Meer und Strand sind nicht sonderlich attraktiv. In Astara erreichen wir die Grenze zu Aserbaidschan und fahren eine ganze Weile am Grenzzaun entlang. Dann geht es wieder in die Berge und in den Nebel, der so heftig wird, dass kaum noch etwas zu sehen ist. Die Autos fahren mit unveränderter Geschwindigkeit und eingeschalteten Warnblinkern. Nach der Passhöhe und einem Tunnel wird das Wetter besser und die Sonne kommt wieder heraus.

Ardabil, Mausoleum von Sheikh Safi

In Ardabil besichtigen wir das Mausoleum von Sheikh Safi, der hier 1334 starb und das zum Weltkulturerbe gehört. Es ist zugleich ein safawidisches Familienmausoleum mit drei Grabtürmen und einem Gebetsraum. Im Vorhof findet sich sehr schöner Fliesenschmuck. In einem Nebenraum, der früher der Empfangsraum von Shah Abbas war, wurde später Porzellan aus China ausgestellt, von dem heute große Teile in der Eremitage in Russland sind. Reste ungewöhnlicher schwarzer Fliesen. Noch einmal 20 km weiter in den Badeort Sare-Ain, am Fuß des 4811 m hohen Sabalan, in dem viele heiße Qellen iranische Touristen locken. Entsprechend sieht der Ort auch aus: viele Hotels, mehrere Bäder und Ladenstraßen. Wir kaufen noch Honig aus den örtlichen Bergen und essen eine Abgusht, eine Art Eintopf, bevor wir uns in das sehr ordentliche Hotel Laleh International zurückziehen, das auch ein flottes Internet bietet.

Tabriz – Kandovan

Tabriz, Blaue Moschee

Fahrt in 2 1/2 Stunden nach Tabriz. Zuerst noch durch die Ausläufer des Sabalangebirges, dann durch eine öde Ebene. Wir sind jetzt in der Provinz Ost-Aserbaidschan, die nordwestlichste im Iran. In Tabriz Besuch des Basars, der eher enttäuschend ist, wenn man die in Sanaa und Aleppo gesehen hat. Dann im Auto durch die Stadt zur Blauen Moschee, der Kabud Mosque, die 1779 von einem Erdbeben zerstört und wieder aufgebaut wurde. Der berühmte kobaltblaue Fliesenschmuck ist aber nur noch in Teilen erhalten. Aber die Reste sind eindrucksvoll genug an einer Stelle erscheinen sie fast schwarz. Dann essen wir beim Goli Park einen iranischen Döner, der aus zermatschtem Ei mit einer Kartoffel und Butter besteht und in ein dünnes Fladenbrot gewickelt wird. Rundgang um den See des Parks. Tabriz hat ansonsten nicht viel zu bieten und ist auch keine schöne Stadt. Viel Verkehr und viele neue Hochhäuser. Wir fahren weiter nach Kandovan, das in einem Tuffstein Gebirge liegt.

Kandovan

Wir fühlen uns sofort an Kappadokien und Göreme erinnert. Es gibt auch hier unterirdische Höhlen und in den Felsen gehauene Wohnungen. Der Ort selbst besteht aus solchen Wohnhöhlen im Tuffstein, die inzwischen mit Türen und Fenstern versehen sind. Im Gegensatz zu Kappadokien ist der Ort noch bewohnt. Von einem gegenüberliegenden Hügel werfen wir einen Blick auf den Ort in der Abendsonne. Auch die Zimmer unseres Hotels liegen in Höhlen, zu denen wir steil hinaufsteigen müssen. Das Zimmer ist genial in den Fels geschlagen, eine Treppe führt sogar hinauf zu einem Bad mit Jakuzzi und Balkon. Wir sind begeistert. Ortsbesichtigung mit Sorush.

Jolfa

Heute wollen wir zum nordwestlichsten Punkt unserer Reise nach Jolfa an der Grenze zu Azerbaidschan aufbrechen. Wir selbst sind jetzt in der Provinz Ost-Aserbaidschan, in der die Bewohner ihre eigene Sprache Azeri sprechen. Über Tabris und Marand erreichen wir die Stadt am Grenzfluß Aras.Auf der anderen Seite liegt Nakhitchevan, eine Enklave Aserbaidschans. Eine Eisenbahnstrecke führt dort von Nirgendwo nach Nirgendwo. Der Fluss windet sich durch eine Schlucht, die Landschaft ist beeindruckend. Wir halten an einer Karawanserei, die gerade restauriert wird.

Kloster St. Stephanos bei Jolfa

Am St. Staphano Kloster herrscht reger Ausflugsbetrieb, denn heute ist der „Samstag“ der Perser. Die Klosteranlage und Kirchenarchitektur ist uns aus Armenien bekannt. Für uns schließt sich hier ein Kreis, denn auf armenischer Seite haben wir 2012 in Goris kehrt gemacht. Das Innere der Kirche ist relativ klein mit einem Altar und einer zentralen Kuppel, daneben ein Glockenturm und Klostergebäuden. Leider wird die Besichtigung durch den heftigen Regen beeinträchtigt.und wir machen uns wieder auf den Weg. Sorush fährt zum Wagenwaschen. Wir versuchen derweil im Restaurant etwas zu bestellen: Karte nicht lesbar, Kellner versteht kein Englisch, unsere Brocken Persich ebenfalls nicht. Wir einigen uns auf das einzige gemeinsame Wort Kebab, was auch nicht schlecht ist. Dann zurück nach Tabris ins große aber sehr ordentliche Hotel Sharyar.

Hier geht die Reise weiter im Westen